Vergünstigte Sprachkurse auch für EU-Ausländer
Klassische Hilfe zur Selbsthilfe

Gronau -

Mit der Maxime vor Augen, dass Sprache der Schlüssel zur Integration ist, hat der Sozialausschuss in seiner jüngsten Sitzung eine Fördermaßnahme beschlossen. Ab dem Wintersemester können noch mehr Personen von vergünstigten Sprachkursen der Euregio-Volkshochschule (VHS) profitieren.

Samstag, 30.05.2020, 09:26 Uhr aktualisiert: 30.05.2020, 09:40 Uhr
Wer in Deutschland lebt, sollte auch die Deutsche Sprache beherrschen. Das erleichtert die Integration und erhöht die Chancen auf dem Arbeitsmarkt.
Wer in Deutschland lebt, sollte auch die Deutsche Sprache beherrschen. Das erleichtert die Integration und erhöht die Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Foto: Frank Zimmermann

 

Den Stein ins Rollen gebracht hatte Burkhard John (CDU) in der Ausschusssitzung im Februar. Im Zusammenhang mit einem Förderantrag der VHS erkundigte er sich, ob auch EU-Bürger, die in Gronau leben, in den Genuss der Vergünstigung kommen könnten. Der Ausschuss unterstützt nämlich schon länger Sprachkurse der VHS finanziell. Dabei standen bislang aber vor allem Geflüchtete und Migranten von außerhalb der EU im Fokus.

An Sprachkursen zum halben Preis konnten dank der Förderung Bezieher von Arbeitslosengeld II, Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung, Hilfe zum Lebensunterhalt sowie Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz teilnehmen. Der Personenkreis wird nun um Empfänger von Arbeitslosengeld I, Wohngeld und Kinderzuschlag erweitert. Außerdem wird die Vergünstigung auf 75 Prozent erhöht. Durch die Erweiterung des Personenkreises kommen nun auch EU-Ausländer in den Genuss der Vergünstigung, die als Arbeitsmigranten in Gronau leben und einer Erwerbstätigkeit nachgehen, die aber so wenig verdienen, dass sie ihr Einkommen mit Sozialleistungen aufstocken müssen.

Die regulären Kursgebühren betragen 68/72 Euro. Bei einer Reduzierung der Gebühren um 75 Prozent ist der Sprachkurs somit für 17/18 Euro zu haben.

Der Entschluss des Sozialausschusses basiert auf einem Konzept, das die Verwaltung ausgearbeitet hatte. Zur Begründung für die weitere Vergünstigung heißt es in der Verwaltungsvorlage: „Es ist bekannt, dass bessere Sprachkenntnis zu einem leichteren Zugang zum Arbeitsmarkt führen. In der Folge könnten diese Personen mittelfristig auch komplett unabhängig von Sozialleistungen leben“ – klassische Hilfe zur Selbsthilfe.

Da völlig offen ist, wie viele Menschen von der Vergünstigung Gebrauch machen werden, seien mögliche Folgekosten kaum zu benenne, heißt es im Beschlussvorschlag. Aber eine Schätzung gibt es dann doch: „Die Verwaltung hält eine Steigerung der Kosten um 3000 Euro pro Jahr für realistisch.“ Nicht eingerechnet sind da die Kostenersparnisse, die entstehen können, wenn jemand dank eines Sprachkurses besser Deutsch spricht, einen besseren Job bekommt und somit keine Sozialhilfeleistungen mehr in Anspruch nehmen muss.

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