Islamische Gemeinde öffnet Moschee wieder
Gebetsruf live als Zeichen der Freude

Gronau -

Die islamische Gemeinde hat ihre Moschee wieder geöffnet. Gleich eine doppelte Premiere drückt die Freude darüber aus.

Samstag, 06.06.2020, 07:05 Uhr aktualisiert: 06.06.2020, 07:10 Uhr
Zum Mittagsgebet am Freitag war die Moschee in Gronau gemäß der geltenden Abstandsregeln gut gefüllt
Zum Mittagsgebet am Freitag war die Moschee in Gronau gemäß der geltenden Abstandsregeln gut gefüllt Foto: Erhard Kurlemann

Seit etwa Mitte der 1960er Jahre gibt es in Gronau eine islamische Gemeinde. Am Freitag gab es eine Premiere – im doppelten Sinne: Erstmals wurde der Gebetsruf live gesungen. Das übernahm der fast elf Jahre alte Imran Morina – auch für den Jungen aus dem Kosovo eine Premiere.

„Das haben wir jetzt einmal gemacht – als Zeichen unserer Freude, dass die Moschee wieder geöffnet hat“ erzählt Kenan Demir . Der stellvertretende Vorsitzender der Gemeinde erläutert, dass der Gebetsruf in arabischer Sprache gleichsam die Einladung sei, am Gebet teilzunehmen. „Es gibt Städte, da erinnert der Muezzin mit seinem Gebetsruf hoch oben vom Minarett.“

Das Amt des Muezzin könne übrigens jeder übernehmen. „Eine gute Stimme wäre schon von Vorteil“, sagt Demir. Eine solche hat Imran Morina. Er habe mit seinem Vater geübt. „Und dann hat der Imam mir das endgültig beigebracht.“

Premie für Imran Morina und die ganzen Stadt Gronau: erstmals wurde der Gebetsruf live gesungen.

Premie für Imran Morina und die ganzen Stadt Gronau: erstmals wurde der Gebetsruf live gesungen. Foto: Erhard Kurlemann

Dass Imran die Aufgabe gut wahrnehme, habe sich bei einem Wettbewerb im Februar gezeigt. „Unser junge Mann hat alle sechs Konkurrenten hinter sich gelassen“, freut sich Kenan Demir.

Gut zweieinhalb Monate sei die Moschee wegen der Corona-Krise geschlossen geblieben. „Wir haben am Mittwoch erstmals einen kleinen Test angeboten. Da sind aber nur zwei Leute gekommen“. Für Demir ein Zeichen dafür, dass viele Angst haben, sich in größeren Gruppen möglicherweise anzustecken. „Auch, weil Gronau im Kreis wohl die meisten Corona-Fälle hat.“

Die Schließung sei für die Gemeinde und viele ihrer rund 270 Mitglieder eine „schwere Zeit“ gewesen. „Die Krise hat vielen bewusst gemacht, wie wichtig so ein Gebetsraum ist“, betont Kenan Demir. „Manche hatten sogar Tränen in den Augen.“

Es habe in der Zeit auch einige Sterbefälle gegeben – die normal üblichen Trauergebete hätten ausfallen müssen – für die Angehörigen kein richtiger Abschied. Dazu kam, dass der Sarg per Cargo ab Frankfurt/Main in die Heimat geflogen wurde – ohne die Angehörigen.

Zur Wiedereröffnung achte die Gemeinde auf die notwendigen Abstände. Zudem seien die Sanitärräume geschlossen., in denen ansonsten vor den Gebeten die Hände gewaschen werden. „Zur Zeit können insgesamt rund 80 Gläubige in den beiden Abteilungen Männer und Frauen teilnehmen. Bei gutem Wetter gibt es einige weitere Plätze draußen“, erläutert der stellvertretende Vorsitzende die aktuelle Situation. „Und Gebetsteppiche müssen selbst mitgebracht werden.“ Aber das ist – zunächst – nebensächlich: „Wir haben wieder einen Gebetsraum.“

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