Wohnraum- und Arbeitsplatzentwicklung im Zusammenspiel
250 bis 300 Wohnungen jährlich

Gronau -

Wie viele Wohnungen werden in Gronau für welche Menschen benötigt? Matthias Günther vom Eduard-Pestel-Institut für Systemforschung, stellte jetzt Kommunalpolitikern einige Szenarien vor.

Mittwoch, 01.07.2020, 06:37 Uhr aktualisiert: 01.07.2020, 06:40 Uhr
In den vergangenen Jahren war die Bevölkerungsentwicklung in Gronau von Zuwächsen geprägt. Es gab vor Ort mehr Geburten als Sterbefälle.
In den vergangenen Jahren war die Bevölkerungsentwicklung in Gronau von Zuwächsen geprägt. Es gab vor Ort mehr Geburten als Sterbefälle. Foto: Pestel-Institut

Wohnraum ist in Gronau ein knappes Gut. Das gilt nicht nur im Ein- und Zweifamilienhausbereich sowie bei Mietwohnungen, sondern vor allem im Bereich des sozialen Wohnungsbaus.

Stefan Nadicksbernd, Regionaldirektor der Sparkasse Westmünsterland, brachte nun Matthias Günther vom Eduard-Pestel-Institut für Systemforschung aus Hannover mit der Gronauer Politik zusammen. „Unsere Region boomt“, betonte der Sparkassen-Vertreter. Die Zahl der Einwohner sei in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, der Wohnungsbau habe vor Ort die Entwicklung nicht mitgemacht. „Im Münsterland benötigen wir bis zu 10 000 neue Wohnungen jedes Jahr“, verdeutlichte Nadicks­bernd.

Günther richtete nach einem Überblick über die Gesamtsituation auf dem NRW-Wohnungsmarkt den Fokus direkt auf die Situation in Gronau und lieferte den Kommunalpolitikern eine Prognose für die Bedarfsplanung in der Dinkelstadt.

„Die wirtschaftliche Stärke Deutschlands und speziell des Münsterlandes lassen weitere Wanderungsgewinne auch für Gronau erwarten“, bilanzierte der Forscher und gab gleich eine Vielzahl von Prognosen unter verschiedenen Prämissen ab, mit denen sich die Kommunalpolitiker bei ihren Planungen für die weitere Stadtentwicklung auseinander setzen sollten.

Günther verwies darauf, dass es einen engen Zusammenhang zwischen der Schaffung von Arbeitsplätzen und Wohnraum besteht. „Die Zuwanderungsnotwendigkeit erhöht sich, wenn in wenigen Jahren die geburtenstarken Jahrgänge der 1960er-Jahre beginnen, das Ruhestandsalter erreichen.“ Seiner Meinung nach sei es in Grenzen politisch steuerbar, ob die Kommune auch zukünftig Wanderungsgewinne verzeichne.

Wie der Experte erläuterte, seien zur Deckung des aktuellen Wohnbedarfs sowie zur Abarbeitung des aktuell aufgebauten Defizits bis zum Jahr 2025 in Gronau die Errichtung von 250 bis 300 Wohnungen jährlich erforderlich.

Aber auch in die Zeit darüber hinaus richtete er seinen Blick: Ab dem Jahr 2025 werde aufgrund der steigenden Sterbezahlen auch bei hoher Zuwanderung die Zahl der Erwachsenen nicht mehr zunehmen. Dies werde dann langfristig zu einer Minderung des Wohnungsbedarfs führen.

Spannend und politisch zu beantworten sei die Frage, welche Wohnungstypen in Gronau in den kommenden Jahren errichtet werden sollen. Dabei müsse auch der Einfluss des Marktes berücksichtigt werden.

„Die Nachfrage nach neuen Ein- und Zweifamilienhäusern wird bei der nach wie vor hohen Wertschätzung dieser Gebäudeart über die Einkommens- und Preisentwicklung bestimmt“, hob Günther hervor. Berücksichtigt werden müsse dabei, dass das wachsende Bestandsangebot auf den Neubau eine dämpfende Wirkung haben dürfte.

Auch der anderen Seite verwies der Experte darauf, dass aktuell nur für einen Bruchteil der Berechtigten vor Ort Sozialwohnungen verfügbar seien. Entgegen dem Nutzungstrend seien auch die die bundespolitischen Zielvorgaben (Energie-, Mobilitäts- oder auch Landwirtschaftswende) nicht zu vernachlässigen, nach denen der Bau kleiner Wohnungen zu empfehlen sei.

„Ein zentrales Thema wird auch in Gronau in der weiteren Baulandentwicklung liegen“, stellte Günther fest. Gegen Bodenspekulation helfe eine langfristig angelegte Bodenpolitik mit Vorkaufssatzungen „so dass langfristig nur kommunale Flächen überplant werden“, gab der Pestel-Sprecher den Ratsvertretern mit. „Da es bisher noch keine Förderung des Neubaus „bezahlbarer“ Wohnungen außerhalb des sozialen Wohnungsbaus gibt, können hier nur die Kommunen direkt oder über die Bereitstellung bezahlbarer Grundstücke aktiv werden.“

Obwohl er viele Prognosen präsentierte, so stelle Matthias in Richtung der ehrenamtlichen Politiker vor allem eines klar: „Entscheidend ist, wo sie die Kommune hinsteuern wollen.“

Das müssen sie nun entscheiden.

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