Absolventen verlassen das Driland-Kolleg
Hürdenlauf statt Endspurt

Gronau -

Das hätten sich die Absolventen des Driland-Kollegs dieses Jahrgangs auch nicht gedacht: Alles war in diesem Jahr anders, und trotzdem bekamen sie nichts geschenkt. Ihren Abschluss mussten sich die Erwachsenen erbüffeln. Knapp 60 haben das erfolgreich getan.

Donnerstag, 02.07.2020, 08:00 Uhr aktualisiert: 06.07.2020, 18:38 Uhr
Das Driland-Kolleg feierte seinen Entlassjahrgang an der frischen Luft und mit dem nötigen Abstand.
Das Driland-Kolleg feierte seinen Entlassjahrgang an der frischen Luft und mit dem nötigen Abstand. Foto: Driland-Kolleg

30 Absolventen bekamen am Driland-Kolleg ihr Zeugnis für den Mittleren Schulabschluss, fünf das für die Fachhochschulreife und 24 das Abiturzeugnis. Mit viel Abstand zueinander, aber dem gebührenden Respekt vor dieser Leistung in schwierigen Zeiten.

Das hätten sich die Absolventen dieses Jahrgangs auch nicht gedacht: Alles war in diesem Jahr anders, und trotzdem bekamen sie nichts geschenkt. Ihren Abschluss mussten sich die Erwachsenen erbüffeln. Der Schweiß allerdings, den die Absolventen am Freitag bei der Zeugnisausgabe ließen, hatte eher mit dem heißen Wetter zu tun, denn nach all der Unsicherheit war vielen jetzt doch Erleichterung anzumerken.

Bis zum 13. März war alles wie immer: Die letzten Klausuren standen an und alle Absolventen bereiteten sich auf die zentralen Abschlussprüfungen vor – dann kam der Lockdown, und alles war anders. Am Driland-Kolleg wurde am 16. März der Hebel umgelegt und von da an lief die Betreuung digital. Dass das so leicht möglich war und so gut geklappt hat, hat einerseits damit zu tun, dass die Schulleitung den Lockdown schon einige Wochen befürchtet hatte und vorbereitet war, zum anderen aber auch damit, dass das Driland-Kolleg schon seit 2003 den Bildungsgang Abi-Online anbietet.

Bereits seit einigen Jahren sind auch die Studierenden der Bildungsgänge in Vollzeit am Kolleg auf der Bildungsplattform Logineo eingebunden. Fast alle Lehrer am Kolleg für Erwachsene haben eine Zusatzausbildung für das blended learning absolviert und konnten deshalb ohne Probleme in die Digitalphase starten, heißt es in einer Mitteilung des Driland-Kollegs. Passend lautete daher das Motto dieses Abschlussjahrgangs: „Mit Abstand die Besten“.

Mittlerer Schulabschluss

 

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Selbst Bürgermeister Rainer Doetkotte blieb lieber auf Abstand und schickte seine Grüße per Videobotschaft. „Nicht alles, was neu ist, muss auch schlecht sein“, erklärte Schulleiter Oliver Keesen den Absolventen. Die Idee, unter freiem Himmel den Abschluss zu feiern, die neu erworbenen digitalen Kompetenzen der Studierenden und der Lehrer und eine gelebte Form der Solidarität seien Neuerungen, die man gerne beibehalten wolle. Er empfahl seinen Absolventen, sich an der Figur Pippi Langstrumpf ein Vorbild zu nehmen: „Selbstständiges Denken und Urteilen, Einstehen für Demokratie und Grundrechte“ gab er den zumeist jungen Erwachsenen als Rat mit auf den Weg und forderte sie auf, sich einzumischen, da, wo es nötig sei: „Halten Sie Abstand, aber gehen Sie nicht auf Distanz“. Obwohl die meisten Absolventen am Driland-Kolleg zwischen 20 und 30 Jahren alt sind, hatte eine Ahauserin in diesem Jahr allen eine Nasenlänge voraus: mit 60 Jahren erfüllte sich die selbstbewusste Hildegard Hemling ihren Traum vom Abitur und bestand mit der Bestnote des Jahrgangs 2020: 1,2!

Abitur

 

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Die Prüfungen für das Abitur hatte das Ministerium schon im Januar fertiggestellt – von einem Corona-Abitur kann also keine Rede sein. Lediglich die Prüfungen für den Mittleren Schulabschluss wurden in diesem Jahr nicht in Düsseldorf, sondern vor Ort zusammengestellt. „Wir haben uns nach Rücksprache mit den Fachlehrern dazu entschieden, uns weitestgehend an den sonst üblichen zentralen Prüfungsformaten zu orientieren. Die Vorbereitung beginnt schließlich im Unterricht nicht erst drei Monate vorher“, sagte Schulleiter Oliver Keesen, der mit seinem Team auch während des Lockdowns in wöchentlichen Krisensitzungen die Planungen voranbrachte, damit am Ende alle Abschlüsse gelingen konnten.

Fachhochschulreife

 

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Für die Abendrealschule hob die Klassenlehrerin der Gronauer Klasse, Margret Rottmann, die Gleichwertigkeit aller Abschlüsse hervor und erklärte ihren Respekt gegenüber Flüchtlingen, die erst vor vier Jahren mit den ersten Wörtern der deutschen Sprache begonnen haben und jetzt schon ihren Mittleren Schulabschluss in den Händen halten. „Wer würde schon innerhalb von vier Jahren Persisch lernen und einen Mittleren Schulabschluss in einem anderen Land schaffen?“, fragte die Eperanerin. Den besten Mittleren Schulabschluss erreichte in diesem Jahr Neele Leferink aus Bad Bentheim.

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