Junger Bürgerkriegsflüchtling macht am Driland-Kolleg Abitur
Von Aufgeben keine Spur

Gronau -

Elie Masoudi stammt aus Syrien. Er kam mit der Flüchtlingswelle 2015 nach Deutschland. Jetzt hat er sein Abitur am Driland-Kolleg erfolgreich bestanden.

Donnerstag, 02.07.2020, 21:49 Uhr aktualisiert: 06.07.2020, 18:38 Uhr
Elie Masoudi hat allen Grund zu strahlen: Er hat gerade sein Abitur gemacht.
Elie Masoudi hat allen Grund zu strahlen: Er hat gerade sein Abitur gemacht. Foto: Driland-Kolleg

Am Driland-Kolleg machen in diesem Jahr die ersten jungen Menschen ihr Abitur, die während der großen Flüchtlingswelle nach Deutschland gekommen sind, etwa, weil sie vor einem Bürgerkrieg fliehen mussten. Ihre Tatkraft wirkt ansteckend, heißt es in einem Bericht des Driland-Kollegs.

Als Elie Masoudi in Syrien auf die Grundschule ging, hing in seinem Zimmer eine deutsche Flagge, denn der heute 24-jährige verpasste schon damals kein Spiel der deutschen Nationalmannschaft. Er hätte nie davon geträumt, einmal seinen Fuß auf deutschen Boden zu setzen oder gar dort einen hohen Bildungsabschluss zu erwerben und ein Leben aufzubauen. Eigentlich wollte er in Syrien seine Schule abschließen, aber dann kam der Bürgerkrieg. Heute sagt er: „Das Driland-Kolleg war meine erste und letzte Schule.“

Als Aleppo in Schutt und Asche gebombt wurde, sprach Elie Masoudi schon genug Deutsch, um sich zu verständigen. Am Kolleg für Erwachsene hat er die Sprache dieses Landes gelernt, seinen Mittleren Schulabschluss erworben und jetzt das Abitur. Mit seinen Eltern und seinen Geschwistern war Elie Masoudi zunächst kurz vor der großen Flüchtlingswelle in den Libanon geflohen. Ein wenig Sicherheit und Arbeit hatte er dort, aber er wusste, dass er niemals als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft anerkannt würde. Ohne amtliche Papiere war ihm zudem der Weg zu mehr Bildung abgeschnitten. Obwohl er Verwandte in Schweden und den Niederlanden hatte, entschied er sich für sein Lieblingsland Deutschland als Fluchtziel. Dort, so war seine Hoffnung, würde er als Christ offiziell als Bürgerkriegsflüchtling anerkannt und könnte sich eine eigene Zukunft aufbauen.

Wie gut das geklappt hat, zeigt sich daran, dass er nicht nur mehrere Klassen übersprungen hat, sondern auch noch ein hervorragendes Abitur ablegt, betont die Schule in ihrem Bericht. Sein Ziel: Er möchte Chemieingenieur werden. Die Mischung aus Mathematik und einer Naturwissenschaft fasziniert den jungen Mann, dessen neue Wahlheimat Gronau geworden ist. Die Nähe zum Kloster der Aramäer in Glanerbrug spielte dabei eine Rolle. Als er in Gronau ankam, fühlte er sich auch sofort „wie zu Hause“. Den Unterschied zu Freiburg – dort war er als Flüchtling anerkannt worden – sagt er, habe er schon beim ersten Spaziergang durch die Innenstadt wahrgenommen. Die Mischung der Menschen aus verschiedenen Herkunftsländern und deren Offenheit haben ihn sofort begeistert.

Ähnlich ging es ihm mit „seiner“ Schule: Am Driland-Kolleg begegnete er vielen anderen Menschen, die aus sehr unterschiedlichen Gründen als Erwachsene nach einem anderen Schulabschluss streben. Das Klima an der Schule war für ihn ausschlaggebend. Auf dem Berufskolleg bot man ihm sogar an, sein Abitur ein Jahr schneller zu bekommen, aber nach zwei Testwochen kehrte Elie Masoudi wieder an das Weiterbildungskolleg zurück: „Dort macht mir Bildung Spaß. Die Studierenden helfen sich unter einander und die Lehrer sind nett und offen. Es lohnte sich, hier das Vollabi zu machen.“

Während seine Heimat weiter im Chaos versinkt, blickt der junge Gronauer optimistisch nach vorn: „Ich könnte in Esslingen studieren, aber mein Favorit ist die Fachhochschule in Burgsteinfurt. Ich habe mich dort beworben, weil ich dann im Münsterland bleiben kann. Ich möchte studieren und der Gesellschaft dann etwas von dem zurückgeben, was ich bekommen habe“, sagt er und zeigt selbstbewusst, dass er nach allem, was er erlebt hat, keine Angst vor der Zukunft hat. In Zeiten der Pandemie wirkt das in positivem Sinne ansteckend.

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