Gebrüder ten Brink
Tüchtige Kaufleute seit 1615

Ochtrup/Gronau -

Die Kaufmannsfamilie ten Brink blickt auf eine lange Geschichte zurück. Erste Geschäfte wurden bereits vor Beginn des 30-jährigen Krieges gemacht. Mit den Jahrzehnten und Jahrhunderten wurden aus den „Tüotten“ angesehene und gut vernetzte Kaufleute. Und auch in Ochtrup haben die ten Brinks Spuren hinterlassen.

Freitag, 31.07.2020, 16:08 Uhr aktualisiert: 31.07.2020, 21:10 Uhr
Das Geschäft der Gebrüder ten Brink in der Bahnhofstraße 14 in Ochtrup im Jahr 1959 vor dem Umbau.
Das Geschäft der Gebrüder ten Brink in der Bahnhofstraße 14 in Ochtrup im Jahr 1959 vor dem Umbau. Foto: Privatarchiv Familie Paßlick

Wir schreiben das Jahr 1615, drei Jahre vor Beginn des 30-jährigen Krieges. Im Tecklenburger Land im Örtchen Mettingen wird Johann ten Brink geboren. „Von ihm stammen alle ten Brinks und Berentelgs ab“, berichtet der Ochtruper Peter Paßlick von seinem Urahn. Die ten Brinks waren „Tüotten“, was in der Töpferstadt in etwa mit den Kiepenkerlen zu vergleichen ist. Eine Kaufmannsfamilie also. Und sie haben auch in Och­trup Spuren hinterlassen.

Weit verzweigte Kaufmannsfamilie

„Ihre Nachkommenschaft ist riesig“, schmunzelt Peter Paßlick. Er selbst war vor circa zehn Jahren auf einem Familientreffen in Mettingen mit mehr als 600 Teilnehmern aus Deutschland, der Schweiz, Frankreich, den USA und den Niederlanden. Im Hotel Telsemeyer in Mettingen findet man ihr altes Wappen. Die ten Brinks waren tüchtige Kaufleute, betrieben Handel in der ganzen Welt. Einer von ihnen gründete etwa eine Handelsgesellschaft in Friesland/NL. Die Schiffe brachten Waren aus den holländischen Kolonien nach Europa.

Kaufmann Hubert ten Brink, Gründer des Ochtruper Geschäfts.

Kaufmann Hubert ten Brink, Gründer des Ochtruper Geschäfts. Foto: Privatarchiv Familie Paßlick

„Sie haben sich zweigweise in Holland niedergelassen“, hat Peter Paßlick herausgefunden. Er hat sich eingehend mit dem Familienstammbaum beschäftigt und weiß, dass seine Urahnen sehr gut mit anderen Kaufmannsfamilien vernetzt waren und nicht nur schwungvollen Handel, sondern untereinander auch eine profitable Heiratspolitik betrieben. So sei etwa die Stammmutter des heutigen Bekleidungsunternehmens C&A eine geborene ten Brink. „Ein Brenninkmeijer hat seine Lehre hier bei uns im Geschäft gemacht“, erinnert sich Peter Paßlick an einen holländischen C&A-Spross, der in den 60er-Jahren in Ochtrup ausgebildet wurde. Es lag nahe, den eigenen Nachwuchs in die Lehre bei einem über viele Ecken verwandten Unternehmen zu schicken.

Anfänge in Losser

Peter Paßlicks eigene Geschichte beginnt unter anderem in Losser in den Niederlanden. Seine Urgroßmutter soll dort verwitwet und mit acht Kindern angekommen sein. „Ihr Mann ist früh verstorben“, weiß Peter Paßlick. Die Familie gründete in Losser ein Geschäft. „Der älteste Sohn musste früh Verantwortung übernehmen“, erzählt Peter Paßlick von seinem Großvater Josef Theodor ten Brink. Dieser lebte ganz in den Traditionen der Kaufmannsfamilie. Nach der Geschäftsgründung in Losser wollte er auch seine jüngeren Geschwister versorgt wissen. Ganz gezielt eröffnete er in Gronau, in Enschede und auch in Ochtrup Niederlassungen. „Ein Bruder, Jan, ist als Arzt nach Amsterdam gegangen“, kennt Peter Paßlick den Namen des einzigen Sprosses, der kein Kaufmann wurde.

Wappen der ten Brink im Hotel Telsemeyer in Mettingen.

Wappen der ten Brink im Hotel Telsemeyer in Mettingen. Foto: Peter Paßlick

Karl übernahm das Geschäft in Enschede. Leo verstarb früh, vorauf sein Bruder Hugo ihm in Gronau gemeinsam mit seiner Schwester Maria nachfolgte. Jene Maria, von allen nur „Tante Marie“ genannt, besaß schließlich einen Teil des Geschäftes. Da sie keine Kinder hatte, vermachte sie ihr gesamtes Vermögen dem Bischof von Münster. „Die Familie durfte dann bei einer Auktion persönliche Erbstücke zurückersteigern“, erinnert sich Peter Paßlick kopfschüttelnd an diese merkwürdige Episode, die seine Mutter immer wieder erwähnte.

Geschäftsgründung in Ochtrup

Das Geschäft der Gebrüder ten Brink in Ochtrup wurde 1899 von Hubert ten Brink gegründet. Vom späteren Modehaus war das Unternehmen des 24-Jährigen damals aber noch weit entfernt. „Das Geschäft in der Bahnhofstraße 14 war eine Art Kolonialwarenladen“, weiß Peter Paßlick. Im Angebot waren zwar auch Textilien, aber genauso eine riesige Abteilung für Stoffe und Kurzwaren. „Und unter der Kasse gab es beispielsweise auch Stoffbinden für Damen zu kaufen“, erzählt Peter Paßlick schmunzelnd. Ein unschlagbarer Vorteil, den die Gebrüder ten Brink hatten, war der gemeinsame Einkauf. So ließen sich für die zahlreichen Geschäfte ganz andere Konditionen aushandeln.

Das Familienoberhaupt entscheidet

Peter Paßlicks Mutter Johanna (genannt Jo) kam 1950 nach Ochtrup. Sie war die älteste Tochter von Josef Theodor ten Brink. Die junge Frau war in Losser mit einem deutschen Kaufmannssohn aus Wiedenbrück verheiratet gewesen, aber dann durch den Krieg verwitwet. Da ihr eheloser Onkel Hubert für das Geschäft in der Töpferstadt keinen Erben hatte, wurde sie eingesetzt. Es sei nicht ihre Entscheidung gewesen, betont Peter Paßlick. Die Strukturen innerhalb der Familie seien damals noch sehr patriarchalisch gewesen. Die Entscheidung des Familienoberhauptes wurde nicht in Frage gestellt. Da ihr kleiner Sohn Norbert und sie aber noch in Losser lebten, fuhr Johanna ten Brink jeden Tag mit dem Fahrrad die knapp 20 Kilometer nach Ochtrup und abends wieder zurück.

Die 50er- und 60er-Jahre seien in Ochtrup die Zeit der großen Modenschauen gewesen. In der Festhalle Fischer, ebenfalls in der Bahnhofstraße, traf man sich. Dort wurde die neueste Mode vorgeführt, dazu gab es Musik und Unterhaltung. „Da sind einige Nachkriegsstars aufgetreten wie zum Beispiel Friedel Hensch und die Cyprys“, berichtet Peter Paßlick.

Auf Vermittlung seines Großonkels hatte seine Mutter 1950 den Ochtruper Paul Paßlick geheiratet. „Mein Vater war bei ten Brink Geschäftsführer“, erzählt Peter Paßlick. So lernten die beiden sich kennen. Die Ehe war kinderreich, insgesamt kamen noch drei Söhne und eine Tochter. Peter Paßlick ist der zweitälteste Sohn. Während er den Beruf des Lehrers anstrebte – mittlerweile ist er pensioniert –, wurde sein jüngster Bruder Michael Kaufmann. 1990 übernahm er das Modehaus ten Brink und baute das Geschäft nach und nach aus. Im Jahr 2003 musste er allerdings Insolvenz anmelden.

Heute ist das Modehaus ten Brink schon lange Geschichte. Doch wer hätte vor über 400 Jahren gedacht, dass aus den einfachen „Tüotten“ in Mettingen einst eine so weit verzweigte Kaufmannsfamilie werden würde.

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