Impressionen eines ersten Besuches in der Bücherstube Epe
Wer lernt, hat mehr vom Leben

Epe -

Die Bücherstube in Epe ist vielen Menschen in Gronau und Epe ein Begriff. Doch nicht allen. Unser Autor Markus Halabi gibt seine Eindrücke von seinem ersten Besuch dort wieder. Und er berichtet, wofür die Erlöse der Einrichtung gedacht sind.

Montag, 03.08.2020, 07:32 Uhr aktualisiert: 03.08.2020, 13:56 Uhr
Ein Paradies für Leser: die Bücherstube in Epe, deren Erlös für die Partnergemeinde Lwebitakuli in Uganda verwendet wird.
Ein Paradies für Leser: die Bücherstube in Epe, deren Erlös für die Partnergemeinde Lwebitakuli in Uganda verwendet wird. Foto: privat

Oststraße 4 in Epe . Da stehe ich mit einer Broschüre in der Hand: „Wer lernt, hat mehr vom Leben.“ Wahre Worte. Ich blicke zum Banner über dem Eingang der Bücherstube: Eine Aktion für Uganda. Also hinein in das Paradies eines jeden Bücherwurms!

Eine Wucht von Büchern erwartet mich. Kinderbücher zu meiner Rechten, Klassiker zu meiner Linken. Zahlreiche Krimis und Romane aller Art stehen, alphabetisch nach Autoren geordnet, in den Regalen. Unten gibt es einen weiteren Raum, in dem Sach- und Fachbücher, CDs, DVDs und Schallplatten auf interessierte Kunden warten. Ich stoße auf nostalgische Bucheinbände, die mit Namen der Großen versehen sind: Dostojewski, Goethe, Tolstoi und Co. Die ersten glücklichen Griffe folgen.

Ich vernehme Gesprächsfetzen: „Eine Bücherstube mit Büchern aus zweiter Hand? Und das für einen guten Zweck? Warum habe ich nie von dieser Aktion gehört?“, fragt sich eine ältere Dame. Auch ich habe noch nie davon gehört, obwohl ich aus Epe stamme. Auf der Suche nach einem klärenden Gespräch treffe ich auf Barbara Narowski, die mit ihrem Mann Martin und 15 weiteren Ehrenamtlichen die Bücherstube betreibt.

Sie berichtet von der abwechslungsreichen Arbeit in der Bücherstube, die 2012 vom Aktionskreis Uganda der St.-Agatha-Gemeinde ins Leben gerufen wurde. Sie erzählt von den zahlreichen Projekten in Uganda und der engen Kooperation mit der Partnergemeinde Lwebitakuli. Dabei macht sie auf die dortigen Umstände aufmerksam und wirkt ernst. „Lediglich jedes dritte Kind in Uganda besucht die Grundschule“, sagt sie. „Dazu kommen die unzähligen Waisenkinder. In Masaka, wo sich die Gemeinde befindet, sind von 800 000 Katholiken etwa 150 000 Kinder ohne Vater und Mutter. Diese brauchen eine Richtung, ein Licht, wohin sie streben können.“

Lediglich jedes dritte Kind in Uganda besucht die Grundschule.

Barbara Narowski

Bei den unzähligen Projekten, die seit 1993 umgesetzt wurden, liegt der Fokus auf der Bildung der Kinder. Es hat sich gezeigt, dass deren Zukunftschancen am besten sind, wenn sie eine gute Bildung genossen haben – die Geburtsstunde der Aktion „Schulgeld für Uganda“. Folglich lautet die Philosophie: „Wer lernt, hat mehr vom Leben.“ Und das soll von der Wurzel aus greifen – dort, wo Spender ihren literarischen Interessen nachkommen und der Mission der St.-Agatha-Gemeinde beipflichten können. Das Prinzip ist simpel: Buch gegen freiwillige Spende.

Wie die Früchte der Arbeit schmecken? Süßlich, mit einem erfüllenden Beigeschmack der Nächstenliebe. Denn dank der Spendengelder wurden über die Jahre hinweg der Bau einer Kirche, einer Krankenstation und einer Zisterne ermöglicht. Und die Bildung? Nicht nur wurden ein Kindergarten und eine Grundschule erbaut, sondern auch der Besuch von Berufsschulen subventioniert. Darüber hinaus fand vor Kurzem erneut eine Graduierungsfeier zweier Studentinnen statt. Fortan dienen sie der jüngeren Generation als Vorbilder wie die Leitsterne im nächtlichen Himmel. Gegenwärtig wird die Ausbildung von 256 Grundschülern, 66 Berufsschülern, acht Schülern eines Gymnasiums und drei Studenten einer Universität ermöglicht.

Das spornt an. Eine der ehrenamtlichen Helferinnen, Lena Rörick, beschreibt es kurz und prägnant: „Es tut einfach gut zu wissen, Menschen, die es nicht so gut haben, zu helfen.“ Auch ihre Kollegin Caroline Neukirchner wirkt zufrieden: „Kinder zum Lesen und Lernen zu animieren, ist nicht nur eine großartige Sache, es macht auch Spaß, deren Entwicklung mitzuverfolgen.“

Lesezeichen von Judith

Mit dem beflügelnden Gefühl, Menschen in Not helfen zu können, finde ich mich vollgepackt an der Kasse der Bücherstube wieder. Grandiose Bücher, mit denen ich kaum gerechnet hatte. Dazu erhalte ich das Angebot, meine Kontaktdaten zu hinterlassen, um bei Erhalt eines angefragten Buches eine Info zur Abholung zu erhalten – was für ein Service.

An der Kasse stehend, überlege ich: Was zahle ich nur? Hilft das auch? Von Gewissensbissen geplagt, wird mein Blick in Richtung eines kleinen Kärtchens mit einem afrikanischen Sprichwort an der Kasse gelenkt: „Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern.“

Bei Verlassen der Bücherstube fällt mir ein Lesezeichen auf der Krone meines Bücherstapels auf. Ein warmes Lächeln begrüßt mich: „Ich bin Judith und gehe in die 6. Klasse der St. Agatha-Grundschule in Lwebitakuli, weil Schulgeld Uganda mir hilft. Vielen Dank.“ Der Tag scheint heute besonders hell in Epe. und ich sende in Gedanken meine Grüße an die kleine Judith.

Die Bücherstube ist jeden Dienstag und Freitag von 9 bis 12 Uhr und von 15 bis 18 Uhr sowie samstags von 10 bis 13 Uhr geöffnet.

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