Folgen der Einspeisung von erneuerbaren Energien ins Stromnetz
Probleme scheinen beherrschbar

Gronau -

Beim Umstieg auf eine Energieversorgung durch erneuerbare Energien (EE) wird auch immer wieder über die möglichen Auswirkungen einer „Dunkelflaute“ spekuliert. Die Stadtwerke Gronau sehen darin kein Problem – wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind.

Dienstag, 11.08.2020, 19:42 Uhr aktualisiert: 11.08.2020, 21:00 Uhr
Die Grafik
Die Grafik Foto: Fraunhofer-Institut für Solare

Müssen die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland Angst um die Versorgungssicherheit bei Strom haben? Die WN thematisierten kürzlich die Problematik, dass die stark zunehmende Stromerzeugung auf Basis erneuerbarer Energien (EE) in Deutschland aufgrund der Fluktuation von Wind und Sonne nicht permanent „sekundengenau“ entsprechend dem Bedarf zur Verfügung stehe. Unter anderem wurde „die Gefahr einer „Dunkelflaute“ diskutiert, nämlich wenn vor allem im Winterhalbjahr über mehrere Tage (oder Wochen) kein Wind wehe und bei bedecktem Himmel auch PV-Anlagen kaum Strom erzeugen würden. Müssen dann konventionelle „Kraftwerke (zur Not aus dem Ausland) einspringen, um den großen Stromhunger zu stillen?“

Reservehaltung und Leistungsregelung

Diese Thematik der Reservehaltung und Leistungsregelung im Stromversorgungssystem unter den neuen Randbedingungen der schwankenden Erzeugung von Wind und Sonne ist in der Tat ein wichtiges Thema für die Stromversorger, das aber nach Einschätzung der Stadtwerke Gronau beherrschbar erscheint und jedenfalls kein K.O.-Argument gegen die forcierte Nutzung erneuerbarer Energien darstellt. Dazu im Einzelnen:

Die Ausregelung von Leistungsschwankungen zwischen Stromerzeugung und -verbrauch erfolgt im Sekunden-, Minuten-, Stunden- und Tagestakt durch die Akteure am Strommarkt unter der Koordination der Übertragungsnetzbetreiber auf der Höchstspannungsebene. Entsprechende Regelkapazitäten werden über Ausschreibungen beschafft und vergeben. Dass dies auch mit den inzwischen hohen Anteilen von EE-Strom in Deutschland gut funktioniert, kann öffentlich im Internet auf dem Portal des Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE aus Freiburg www.energy-charts.de besichtigt und im Zeitverlauf jederzeit verfolgt werden.

Kurzzeitigen Fehlmengen

Die Grafik zeigt über den Verlauf von vier Tagen am Beispiel der Kalenderwoche 31 sehr schön, wie im Sommer der Mittagsberg der Stromlast vor allem durch die PV-Anlagen (gelbe Flächen) abgedeckt wird und im mehrtägigen Zyklus Windenergie die konventionellen Kraftwerke, aktuell vor allem Kohle, zurückdrängt und damit ersetzt. Abends und morgens treten zur Ausregelung von kurzzeitigen Fehlmengen Pumpspeicherkraftwerke (Wasserkraft, blaue Flächen) hinzu. Dieser Verlauf wird sowohl rückwirkend für die letzten Tage als auch in der Prognose für den laufenden/nächsten Tag (im Bild rechts hellere Farben) dargestellt.

Die Grafik vermittelt auch anschaulich, welche Anstrengungen und Veränderungen in der Stromerzeugung notwendig sind, um den beschlossenen Ausstieg aus der Kernenergie (rote Flächen) und der Kohle (braune/schwarze Flächen) zu kompensieren – sowohl in der Gesamterzeugung (kWh) im Jahr insgesamt als auch in Zeitintervallen, wo Wind und Sonne nur gering einspeisen.

Eine zentrale Rolle

Hierfür wird zukünftig den Speichern sowie den Gaskraftwerken (orange Flächen) eine zentrale Rolle zukommen. Während letztere aktuell noch konventionell mit Erdgas zwar klimaschonend aber noch nicht klimaneutral gefahren werden, wird langfristig deren Umstellung auf Wasserstoff geplant. Dafür muss jedoch Wasserstoff in entsprechenden Mengen klimaneutral aus erneuerbaren Quellen bereitgestellt werden. Die Bundesregierung hat dazu kürzlich die nationale Wasserstoffstrategie veröffentlicht. Auch dafür ist also der weitere Ausbau von EE-Strom über den aktuellen Stand hinaus dringend erforderlich. Die Stadtwerke Gronau engagieren sich in diesen Themen vielfältig, heißt es in der Stellungnahme:

Engagement der Stadtwerke

  • Sie bauen und betreiben Wind- und PV-Anlagen, z.B. aktuell die beiden neuen Windkraftanlagen im Lasterfeld.
  • Sie beteiligen die Bürger und Bürgerinnen in Gronau über die Bürgerenergiegenossenschaft grogeno an diesen Anlagen, damit Wertschöpfung und Gewinne aus diesem Geschäftsfeld auch langfristig in unserer Stadt bleiben.
  • Sie betreiben im Trianel-Verbund (noch) das moderne Steinkohle-Kraftwerk Lünen, das ebenfalls Regelleistung bereitstellt und im Zuge des Kohleausstiegs z. B. längerfristig als Notreserve dienen könnte.
  • Sie entwickeln Systeme auch zur Regelung von lokalen Anlagen im Stromnetz Gronau, z. B. die gasbetriebenen BHKW-Anlagen.
  • Sie prüfen derzeit das strategische Geschäftsfeld Wasserstoff, dem zukünftig eine wichtige Rolle bei der zuverlässigen und klimaneutralen Energieversorgung zukommen wird.
  • Sie sind am Trianel-Gasspeicher Epe beteiligt, der langfristig ebenfalls den Umstieg auf Wasserstoff-Speicherung prüft. Dies scheint perspektivisch die sinnvollste Möglichkeit zu sein zur (indirekten) Speicherung von größeren Stromüberschüssen aus erneuerbaren Energien über Wochen und Monate hinweg, z.B. um eine „Dunkelflaute“ zu überbrücken.

Insofern spricht nichts gegen, sondern alles für den weiteren und im Sinne des notwendigen Klimaschutzes zügigen Ausbau erneuerbarer Energien.

Stellungnahme der Stadtwerke Gronau

„Insofern spricht nichts gegen, sondern alles für den weiteren und im Sinne des notwendigen Klimaschutzes zügigen Ausbau erneuerbarer Energien“, heißt es in der Stellungnahme. „Die Stadtwerke Gronau engagieren sich in den verschiedenen Themenfeldern weiter, um mit den Gronauer Bürgerinnen und Bürgern die Energiewende auch vor Ort umzusetzen.“

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