Zehn Jahre Wittekindshofer Kinder- und Jugendhaus Gronau
Ein Eis zum Geburtstag

Gronau -

Eigentlich war ein Sommerfest im Garten geplant, doch die Corona-Pandemie machte einen Strich durch die Pläne: Das zehnjährige Bestehen des Kinder- und Jugendhauses der Diakonischen Stiftung Wittekindshof an der Königstraße lief still und leise ab. Aber der als kleiner Ausgleich bestellte Eiswagen war bei den warmen Temperaturen natürlich willkommen.

Sonntag, 16.08.2020, 17:36 Uhr aktualisiert: 23.08.2020, 09:22 Uhr
Silas Schumacher (l.) lässt sich das Eis nach der Schule schmecken. Er ist einer von 24 Jungen und Mädchen, die im Kinder- und Jugendhaus der Diakonischen Stiftung Wittekindshof an der Königstraße wohnen.
Silas Schumacher (l.) lässt sich das Eis nach der Schule schmecken. Er ist einer von 24 Jungen und Mädchen, die im Kinder- und Jugendhaus der Diakonischen Stiftung Wittekindshof an der Königstraße wohnen. Foto: Stefanie Kurzhals

Die Geschichte des Kinder- und Jugendbereichs des Wittekindshofs in Gronau begann mit einer Notaufnahme dreier Geschwister. Schnell sprach sich insbesondere unter Angehörigen, deren Kinder die Johannesschule besuchen, herum, dass der Wittekindshof nun auch Kinder und Jugendliche mit Behinderung im Wohnen unterstützt. „Die Anfragen von Eltern, die einen Wohnplatz für ihr Kind bei uns wünschten, wurden immer mehr“, berichtet Diakon Jörg Frieske, der als Geschäftsbereichsleiter auch für das Kinder- und Jugendhaus an der Königstraße und das spezialisierte Wohnangebot für junge Menschen mit dem seltenen Prader-Willi-Syndrom (PWS) verantwortlich ist. Zu diesem Zeitpunkt gab es noch kein Wohnangebot speziell für Kinder und Jugendliche mit Behinderung. So wurde eine Wohngruppe im Matthias-Claudius-Heim an der Losserstraße eingerichtet, es folgten in der Brookstraße und der kleinen Brookstraße je eine weitere Gruppe. „Da diese Häuser damals nicht barrierefrei waren, konnten nicht alle Aufnahmeanfragen bestätigt werden“, berichtet Frieske.

„Immer mehr Eltern fragten an und es wurde klar, dass wir eine andere Lösung finden müssen, als eingestreute Wohngruppen“, so Frieske weiter. Die Planungen für das Kinder- und Jugendhaus begannen. Diese übernahm das Architektur-Büro Hoff und Partner, das später unter anderem auch das Wittekindhofer Familienzentrum an der Grabkowsky-Straße und die neue Johannesschule geplant hat. 24 Kinder und Jugendliche im Alter von acht bis 20 Jahren leben heute dort, acht weitere mit PWS leben in einer Wohngruppe an der Brookstraße, heißt es in einer Pressemitteilung des Wittekindshofes.

Der Wittekindshof hat in den vergangenen Jahren die Frühförderung, Familienzentren und den Familienunterstützenden Dienst ausgebaut, um Familien zu unterstützen, so wie seit vielen Jahren mit der Johannesschule, deren Neubau gerade entsteht. „Im Laufe der letzten zehn Jahre hat sich die Nachfrage nach ambulanten Angeboten und Hilfen verstärkt. Je früher Hilfen und ambulante Förderungen für Kinder in Anspruch genommen werden, desto länger können die Kinder bei ihren Eltern leben. So können stationäre Aufnahmen vermieden oder verzögert werden“, berichtet Jörg Frieske. Kinder mit schwerstmehrfacher Behinderung könnten somit heute gut zu Hause unterstützt werden. Dies bedeute nicht, dass stationäre Angebote nicht mehr nötig wären, sie würden nur weiter spezialisiert: „Wir unterstützen viele Kinder und Jugendliche mit Autismus oder starken Verhaltensauffälligkeiten. Dahingehend werden unsere Mitarbeitenden immer weiter geschult.“

Doch nicht nur für Kinder und Jugendliche mit Behinderung bietet das Haus Chancen. Regelmäßig lernen Schülerinnen und Schüler der umliegenden Berufskollegs die Praxis beim Wittekindshof kennen. „Zukünftig werden auch Praktikantinnen und Praktikanten der Pflegeschulen bei uns im Einsatz sein. Wir haben Kooperationen mit dem Antonius-Hospital Gronau und dem Bildungszentrum für Pflege und Gesundheit in Wessum geschlossen. Wir wollen einen Beitrag leisten, zukünftige Fachkräfte gut auszubilden“, betont der Geschäftsbereichsleiter.

Der Eiswagen, der zum Zehnjährigen bestellt wurde, sollte eine kleine Abwechslung im Alltag sein: „Die Jungen und Mädchen haben während der Corona-Pandemie bereits auf vieles verzichten müssen. Besuche waren nicht möglich, jetzt nur eingeschränkt. Auch eine geplante Freizeit im Tabalugahaus in den Sommerferien konnte nicht stattfinden. Wir haben mit kleinen Aktionen wie dem Besuch des Eiswagens versucht, Ablenkung zu schaffen. Die Kinder haben es bislang sehr tapfer durchgestanden“, sagt Frieske, der sich auch ein Eis gegönnt hat.

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