Schulausschuss: Schulen sollen mehr Unterstützung für den IT-Bereich erhalten
Zwei neue Stellen einrichten

Gronau -

Für Schüler und Lehrer schafft die Stadt Gronau in diesem Jahr über 2200 Rechner an. Eine Zahl, die verdeutlicht, wie sehr die Digitalisierung an den Schulen vorangetrieben wird. Doch wo die Computer zum Einsatz kommen, da braucht es auch Fachpersonal für Installation, Wartung und Schulung. Und genau davon hat die Stadtverwaltung zurzeit nicht genug.

Mittwoch, 19.08.2020, 18:05 Uhr aktualisiert: 25.08.2020, 18:38 Uhr
Analoge und digitale Lernmaterialien sind in vielen Schule schon gleichberechtigt vertreten. Doch ein Tablet verursacht mehr Wartungs- und Verwaltungsaufwand als Füller und Schreibheft.
Analoge und digitale Lernmaterialien sind in vielen Schule schon gleichberechtigt vertreten. Doch ein Tablet verursacht mehr Wartungs- und Verwaltungsaufwand als Füller und Schreibheft. Foto: Armin Weigel/dpa

Die Digitalisierung an den Gronauer Schule schreitet voran. Die Corona-Pandemie hat diese Entwicklung zusätzlich angeschoben. Denn wenn Schulen geschlossen werden und die Kinder und Jugendlichen zu Hause lernen sollen, ist eine belastbare Ausstattung mit Rechner und Internetzugang unerlässlich. Aber nicht selbstverständlich (siehe Info-Box).

Eine Zahl, die die Entwicklung verdeutlicht: Allein in diesem Jahr schafft die Stadt als Schulträger über 2200 mobile Endgeräte (vor allem Tablets) für Schüler und Lehrer an – viermal so viel wie im Vorjahr. Aus Förderprogrammen von Land und Bund kann die Stadt für diese Zwecke erhebliche Geldmittel abrufen.

Schulen brauchen mehr IT-Unterstützung

Diese grundsätzlich positive Entwicklung bringt aber auch neue Probleme mit sich. Denn die vielen Tablets, digitalen Tafeln und Dokumentenkameras müssen auch eingerichtet, verwaltet und gewartet werden. Und die Lehrkräfte müssen im Umgang mit der Technik geschult werden. Bislang sollten sich darum an den Schulen sogenannte Medienbeauftragte kümmern, Lehrerinnen und Lehrer, die diese zusätzlichen Aufgaben übernehmen. Doch bei der Fülle der Geräte und der Rasanz der Entwicklung seien die Medienbeauftragten längst überfordert. Das schilderte Uwe Thierschmann von der Lindenschule für die Grundschulen. Und an den weiterführenden Schulen sehe es ähnlich aus, berichteten die Schulleiter Thomas Herden (Gymnasium), Ursula Steuer (Gesamtschule Gronau) und Oliver Keesen (Driland-Kolleg). „Unser IT-Beauftragter verbringt mehr Zeit im Server-Raum als im Unterricht“, brachte Steuer es auf den Punkt. Die Situation werde durch die unzureichende Software-Ausstattung der Schulen noch verstärkt. So biete das Land NRW zum Beispiel ein Lernmanagementsystem an, das aber schon sechs Jahre alt sei.

Heimische IT-Ausstattung der Schülerinnen und Schüler

In seiner Sitzung im Mai hatte der Schulausschuss die Verwaltung beauftragt, die heimische IT-Ausstattung aller Schüler abzufragen. Das Ergebnis wurde nun präsentiert. Demnach haben rund 300 Grundschüler keinen Computer, den sie fürs schulische Lernen nutzen können, knapp doppelt so viele haben keinen Drucker zu Hause, und rund 150 Kinder verfügen nicht über einen Internetanschluss, der zum Lernen in den eigenen vier Wänden ausreicht. 1985 Mädchen und Jungen besuchen aktuell eine der acht Gronauer Grundschulen, 1539 von ihnen haben sich an der Befragung beteiligt. Bei den weiterführenden Schulen haben fast alle der 1320 Schülerinnen und Schüler an der Umfrage teilgenommen (97 Prozent). Allerdings lag das Ergebnis des Driland-Kollegs bei der Schulausschusssitzung noch nicht vor. Für die Gesamtschule Gronau reichte Schulleiterin Ursula Steuer die Ergebnisse mündlich nach. Allein hier haben die Hälfte der Schüler angegeben, nicht über ein geeigneten Computer für schulische Zwecke zu verfügen. Und in jedem 4. Haushalt eines Gronauer Gesamtschülers fehle es an einem ausreichenden Internetzugang. An der Realschule, der Gesamtschule Epe und dem Gymnasium fehlen laut Umfrage 367 Computer und in rund 150 Haushalten ein belastbarer Internetzugang. Kritisiert wurde die Umfrage von einigen Ausschussmitgliedern, weil sie recht unstrukturiert abgelaufen sei. So enthalte sie zum Beispiel keine Definition, wann ein Internetanschluss für das heimische Lernen geeignet sei.

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Die Schulleiterinnen und Schulleiter haben deshalb eine Aufstockung der IT-Unterstützung bei der Stadt als Schulträger beantragt. Zwei neue Stellen sollen dafür beim Fachdienst IT-Service geschaffen werden – je eine Fachkraft soll sich dann um die Grundschulen, eine um die weiterführenden Schulen kümmern.

Breite Zustimmung im Ausschuss

Im Ausschuss stieß dieser Antrag auf breite Zustimmung. Einstimmig plädierten die Mitglieder dafür, der Rat möge diesem Antrag stattgeben. Bernhard Greitenevert (CDU) kritisierte allerdings ein fehlendes Personalkonzept bei der Stadt. Franz Küstner-Rensing (Pro Bürgerschaft/Piraten) mahnte, die Stadt brauche außerdem ein Gesamt-Medienkonzept. Jörg von Borczyskowski (UWG) betonte, die Stadt müsse gegebenenfalls in Vorleistung gehen, auch wenn das Land eigentlich zuständig sei.

Das Thema wird noch im Rat beraten.

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