Bodenbelastung rund um die Kita Janosch
Zurzeit keine Gefahr für Kinder

Gronau -

Im Boden rund um die Kita Janosch sind Stoffe, die da eigentlich nicht sein sollten. Das haben Bodenuntersuchungen im Vorfeld eines Bauvorhabens ergeben. Jetzt hat die Stadtverwaltung die betroffenen Eltern auf den aktuellen Stand der Dinge gebracht.

Dienstag, 01.09.2020, 20:00 Uhr aktualisiert: 02.09.2020, 17:25 Uhr
Der Spielsand wurde inzwischen ausgetauscht und mit einem Vlies vom Untergrund abgegrenzt.
Der Spielsand wurde inzwischen ausgetauscht und mit einem Vlies vom Untergrund abgegrenzt. Foto: Guido Kratzke

Gebäude, in denen Kinder viel Zeit verbringen, in Verbindung mit Schad- oder gar Giftstoffen – da ist die Stadt Gronau leidgeprüft. Die ehemalige Sophie-Scholl-Schule ist dafür ein prominentes Beispiel von vielen. Der jüngste bekannte Fall ist nun die Janosch-Kita an der Hindenburgstraße. Doch nach dem aktuellen Stand der Dinge müssen sich die Eltern wohl keine Sorgen um die Gesundheit ihrer Kinder machen.

In einer Informationsveranstaltung haben Stadtbaurat Ralf Groß-Holtick, Vertreter des Kreises Borken sowie ein Geowissenschaftler und ein Toxikologe am Donnerstag Eltern und Kita-Personal über den aktuellen Erkenntnisstand informiert.

Geowissenschaftler Thomas Helmes von der Ingenieurgesellschaft Ingenieurbüro Dr. Schleicher und Partner erklärte, welche Untersuchungen er durchgeführt hat und zu welchen Ergebnissen er gekommen ist. Ergebnisse: Die Prüfwerte im U3-Bereich und bei den Sandspielflächen wurden unterschritten. Auf der nördlichen Spielfläche wurde jedoch eine Prüfwertüberschreitung festgestellt. Somit sei der Verdacht einer schädlichen Bodenveränderung gegeben. Deshalb sei nun eine weitere Detailerkundung nötig. Außerdem stünden auch noch letzte Untersuchungsergebnisse aus.

Gronauer Baumwoll-Industrie

Auf dem Grundstück der heutigen Janosch-Kita und des Paul-Gerhardt-Heims befand sich ursprünglich – damals noch außerhalb des Siedlungsgebietes gelegen – die Gronauer Baumwoll-Industrie. Ein Betrieb, in dem der jüdische Fabrikant Maurits Cohen Schießbaumwolle, einen potenziellen Sprengstoff, produzierte. guk

...

Eine Bewertung der Messergebnisse aus gesundheitlicher Sicht lieferte der Sachverständige für Toxikologie und Umwelthygiene Prof. Dr. Ulrich Ewers . Sein Fazit lautet, dass die geringfügigen Überschreitungen des Prüfwerts für Benzo(a)pyren in der obersten Bodenschicht (null bis zehn Zentimeter) keine Gesundheitsgefährdung für die Kinder darstelle. Auch die deutliche Überschreitung des Prüfwerts in tieferen Schichten sei unproblematisch. Denn erstens kämen die Kinder nur selten mit Boden in dieser Tiefe in Kontakt und zweitens würde die Kinder dort wohl auch nicht buddeln, da die betreffende Fläche mit Gras bewachsen ist. Gesundheitliche Spätfolgen durch die Aufnahme von Benzo(a)pyren aus dem Boden der Kita Janosch seien ebenfalls nicht zu erwarten, so Ewers.

Benzo(a)pyren

Benzo(a)pyren, so hat es Prof. Dr. Ulrich Ewers erklärt, entsteht bei der unvollständigen Verbrennung und Verkohlung von kohlenstoffhaltigen Materialien. Es kann bei Einatmung, beim Verschlucken und bei Hautkontakt Krebs erzeugen.

...

Bis die letzten Untersuchungsergebnisse vorliegen, bleibt die nördliche Spielfläche weiterhin gesperrt. Die Kinder können eine Ersatzspielfläche auf dem Grundstück des Paul-Gerhardt-Heims nutzen. Bei allen Maßnahmen stehe die Stadt in Kontakt und gutem Austausch mit dem Kreis Borken, heißt es in einer städtischen Pressemitteilung zu dem Thema.

Zum Hintergrund: Die zurzeit viergruppige Kindertageseinrichtung soll um eine Gruppe vergrößert werden. Da eine Erweiterung im Bestand nicht möglich ist, hat sich die Stadt für einen Ersatzneubau direkt neben dem bestehenden Gebäude entschlossen. Dieses soll anschließend größtenteils abgerissen werden. Zur Vorbereitung des Neubaus wurde auf dem Grundstück Bodenproben entnommen. Ergebnis: Unter anderem wurde auf der großen Außenspielfläche Überschreitungen der Prüfwerte aus der Bundesbodenschutz- und Altlastenverordnung bei Benzo(a)pyren, Blei und Arsen festgestellt worden.

Als Sofortmaßnahme hatte die Stadt bereits im Juni die Außenspielfläche gesperrt, Kita-Leitung sowie Eltern informiert und ein weiteres Untersuchungskonzept erarbeitet. Außerdem wurde Spielsand abgetragen, weil darunter im Boden erhöhte Schadstoffgehalte gemessen wurden. Der Boden wurde mit einem Vlies abgedeckt, damit die Kinder beim Spielen im Sand nicht in die Tiefe buddeln können. Anschließend wurde die Fläche mit frischem Sand aufgefüllt.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7562404?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F103%2F150%2F
Nachrichten-Ticker