Vierfach-Mord: Urteil am 6. November
Die Angeklagten schwiegen bis zum Schluss

Enschede/Almelo -

Die drei Angeklagten im Vierfachmord-Prozess haben auch am letzten Verhandlungstag vor dem Gericht in Almelo ihr Schweigen nicht gebrochen. Obwohl er angekündigt hatte, er werde reden, „wenn die Zeit reif ist“, kam auch am Mittwoch kein Wort über die Lippen des 59-jährigen Camil A. Die Sicht der Angeklagten auf die Ereignisse im November 2018 bleibt damit weiter ein Geheimnis.

Donnerstag, 24.09.2020, 18:42 Uhr aktualisiert: 30.09.2020, 12:57 Uhr

 

Auch Camil A. ‘s mitangeklagte Söhne Denis und Dejan reagierten nur non-verbal, als der Staatsanwalt die Argumente der Verteidiger an diesem letzten Verhandlungstag zerpflückte. Ab und zu huschte ein Lächeln über das Gesicht von Dejan A., etwa als es um Abdrücke am Tatort ging, die offenbar von seinen Schuhen stammen. Die Staatsanwaltschaft hat nichts geschnallt, schien er mit dem Lächeln ausdrücken zu wollen.

Als der Ankläger später über die Salamitaktik der Verteidiger sprach („Die Salami wird in Stücke geschnitten und die werden durcheinandergeschüttelt, um Verwirrung zu stiften – aber diese Angelegenheit ist in Wirklichkeit eine wirklich schöne ganze Wurst“) musste Denis offenbar wegen des Vergleichs sogar lachen. Aber er redete nicht, schreibt der Twentsche Courant Tubantia

Der Vorsitzende Richter versuchte es erneut. Weil das letzte Wort vor der Urteilsverkündung den Angeklagten gehört, fragte er alle der Reihe nach. Vater Camil und Sohn Denis schüttelten den Kopf, Dejan sagte nur: „Ich habe nichts hinzuzufügen.“

Am letzten Prozesstag wies der Staatsanwalt ein weiteres Mal auf die vorliegenden Beweise und Indizien hin. Die Gegenargumente der Verteidiger seien schwach: „Wie ist die DNA auf die Patronenhülse gekommen? Wie die DNA von Denis auf das Kabel am Tatort? Was taten die Verdächtigen überhaupt am Growshop? Dazu habe ich von der Verteidigung nichts gehört. Nur dass Camil gesagt habe, ,korrupte Polizisten‘ hätten die Beweise in ihr Auto gelegt.“

Der Ankläger kritisierte erneut das Schweigen der Angeklagten. Einer der Verteidiger erklärte das: Wenn einer etwas über ein Familienmitglied aussage, habe das für den Betreffenden eventuell eine lebenslange Haftstrafe zur Folge.

Die Urteile sollen am 6. November verkündet werden. Gegen die drei Mordverdächtigen hatte die Staatsanwaltschaft lebenslange Haft beantragt, die Verteidiger Freispruch.

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