Zugverkehr nach Ahaus mit Problemen
Gedränge und ausgefallene Triebwagen: Ausfälle ohne Ersatzverkehr

EPE -

7.32 Uhr am Bahnhof Epe – planmäßige Abfahrt des DB-Regio-Zuges nach Ahaus. Regelmäßig mit an Bord sind viele Schüler und Schülerinnen, die zum Berufskolleg fahren. Nicht so am Donnerstag vor einer Woche: Statt der sonst üblichen zwei Triebwagen hat der Zug nur einen. Konsequenz: Der Zug ist zu voll, viele Passagiere bleiben stehen, darunter die beiden Töchter von Kai Beutler.

Montag, 28.09.2020, 17:40 Uhr aktualisiert: 28.09.2020, 19:06 Uhr
So leer ist es am Bahnhof in Epe frühmorgens nicht. Wenn der Zug in Richtung Ahaus abfährt, drängen sich dort die Schüler – allzu oft auch im Zug.
So leer ist es am Bahnhof in Epe frühmorgens nicht. Wenn der Zug in Richtung Ahaus abfährt, drängen sich dort die Schüler – allzu oft auch im Zug. Foto: Rupert Joemann

„Die wurden da stehen gelassen“, klagt der 54-Jährige. „Es gab keinen Ersatzverkehr, keinen Bus, gar nichts.“ Immer wieder komme das vor, so der Eperaner. Und überhaupt sei der Zug generell überfüllt. „Die Leute stehen da dicht an dicht.“ In Zeiten von Corona für ihn ein Unding.

Kai Beutler stört das nicht allein aus Prinzip, sondern auch, weil er um seine Gesundheit fürchtet. „Ich habe selbst schwere COPD“, erzählt er. „Wenn meine Töchter sich anstecken, ist das mein Todesurteil.“

Am fraglichen Morgen habe er sich ein Auto besorgen müssen, um die beiden 16- und 17-jährigen sowie ein weiteres Mädchen zur Schule zu bringen.

Schlicht eine Frechheit

Dann rief er beim Service der DB-Regio an – und wurde erst recht wütend. Ganze 18 Minuten lang habe er beim ersten Mal in der Warteschleife verbracht, beim zweiten Versuch sei er an einen zuständigen Mitarbeiter verbunden worden – um weitere 16 Minuten in der Warteschleife zu verbringen. „Irgendwann war die Leitung tot.“ Als er endlich jemand habe sprechen können, sei er vertröstet worden. Er solle mal abwarten, habe der Service-Mitarbeiter ihm geraten. Und: „Wenn sich nichts ändert, können Sie sich ja noch einmal melden.“ Für Kai Beutler schlicht „eine Frechheit“.

Ein Sprecher der Pressestelle bei der DB-Regio in Düsseldorf bittet um Entschuldigung: „Wir haben tatsächlich Probleme, weil mehrere Fahrzeuge in Reparatur sind“, erklärt Dirk Pohlmann , „so dass es immer mal wieder vorkommt, dass nur ein Triebwagen fährt.“

Nur einer statt zwei Triebwagen

Am fraglichen Morgen hätten planmäßig zwei Wagen fahren sollen, aber es sei tatsächlich nur einer gefahren. Dies sei nicht immer vorherzusehen, weshalb es auch keinen Ersatzverkehr gegeben habe, erklärt er. Ob die Schüler aus freien Stücken zurückblieben oder aufgefordert worden seien, auszusteigen, habe er nicht klären können. Aber es sei möglich, dass der Fahrer oder der Zugbegleiter dies aus Sicherheitsgründen tut, etwa wenn die Durchgänge nicht mehr frei seien. „Das kann mal passieren“, so Pohlmann, „hin und wieder auch im Fernverkehr.“

 Seit Mitte des vorigen Monats habe es insgesamt acht Mal einen solchen Ausfall gegeben. Der DB-Regio-Sprecher: „Das ist natürlich zu oft.“ Eigentlich könne man bei einer solchen Häufigkeit schon Alternativen überlegen. Komme es zu dauerhaften Ausfällen, würde ein Ersatzverkehr geplant. „Aber die Kollegen waren davon ausgegangen, dass es Einzelfälle sind.“ So etwas passiere, wenn ein Wagen aus der Reparatur oder Wartung kommen soll, es dann aber doch länger dauere.

Corona-Abstandsregeln gelten im Zug nicht

Zu den Beschwerden über die Service-Hotline sagt Dirk Pohlmann: „So lange Wartezeiten sind eigentlich ungewöhnlich. Vom Prinzip her sollte das nicht so sein.“ Es könne aber sein, dass es mal länger dauere, „wenn es viele Störungen gibt“. Inzwischen sollte der Zugbetrieb wieder planmäßig funktionieren, kündigt der DB-Regio-Sprecher an. Er bat noch einmal um Entschuldigung.

Was aber die Enge im Zug angehe, betont er: „Die Corona-Abstandsregeln gelten im Zug nicht, deswegen haben wir ja die Maskenpflicht.“ Kai Beutler bleibt skeptisch. Seiner und auch der Gesundheit seiner Töchter wegen. Zwar habe es seither keinen weiteren Triebwagenausfall mehr gegeben, bestätigte er gestern auf Anfrage. Aber das Gedränge bleibe. „Es geht mir darum, dass meine Töchter sicher und gesund ankommen.“

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