Eichenprozessionsspinner
Eine Eintagsfliege?

Gronau -

Um den Eichenprozessionsspinner war es in diesem Jahr deutlich ruhiger als in den Vorjahren. Hat sich die Raupe mit den gefährlichen Brennhaaren etwa als Eintagsfliege entpuppt? „Nein“, sagt Rainer Hoff vom Ordnungsamt. Er hat andere Erklärungen parat.

Mittwoch, 30.09.2020, 18:36 Uhr aktualisiert: 06.10.2020, 17:58 Uhr
Die Stadt Gronau setzt bei der Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners auf einen Dreiklang von Maßnahmen: Als natürliche Feinde der Raupen werden Fadenwürmer eingesetzt und Meisenkästen aufgehängt. Entstehen trotzdem Nester, wie dieses an einer Eiche zwischen Stadtpark und Freibad
Die Stadt Gronau setzt bei der Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners auf einen Dreiklang von Maßnahmen: Als natürliche Feinde der Raupen werden Fadenwürmer eingesetzt und Meisenkästen aufgehängt. Entstehen trotzdem Nester, wie dieses an einer Eiche zwischen Stadtpark und Freibad Foto: Frank Zimmermann

Ein kleines Tier hat im vergangenen Jahr für große Schlagzeilen gesorgt: der Eichenprozessionsspinner. Doch in diesem Jahr blieb es relativ ruhig um das Insekt, das vor allem im Raupenstadium Probleme bereitet, weil die Brennhaare der Raupen bei Menschen (und auch anderen Tieren) Beschwerden verursachen können. Ist der Eichenprozessionsspinner also doch nur eine Eintagsfliege – oder hat die Corona-Pandemie die Nachrichtenlage so beherrscht, dass von der Raupenplage nur nicht berichtet wurde?

Vorbeugende Maßnahmen

Weder noch: Aufgrund der Erfahrungen aus 2019 ist die Stadtverwaltung anders an das Problem herangegangen. Stellen, die im Vorjahr stark befallen waren, wurden im Frühjahr vorbeugend mit Fadenwürmern (Nematoden) behandelt. Dazu wurden die betroffenen Bäume mit einer Wasser-Nematoden-Lösung besprüht. Wenn alles klappt, dringen die Würmer in die Raupen ein und töten sie, noch bevor diese ihre Brennhaare ausbilden.

Diese vorbeugende Maßnahme habe eine Firma im Auftrag der Stadt vor allem im Kernbereich durchgeführt – zum Beispiel im Stadtpark, entlang von Schulwegen und auf dem Laga-Gelände, sagt Rainer Hoff , Leiter des städtischen Fachdienstes Sicherheit und Ordnung. Wo sich trotzdem Nester gebildet hätten, hätte die Stadt diese konsequent absaugen lassen. „Letztes Jahr haben wir erst gesammelt und Listen gemacht, die wir dann an den Schädlingsbekämpfer weitergegeben haben. Dieses Jahr haben wir jedes einzelne Nest direkt gemeldet“, beschreibt Hoff eine Änderung der Bekämpfungsstrategie.

Auf Privatgrund sind Bürger in der Pflicht

Auch das Absaugen der Nester sei aber auf die neuralgischen Punkte im Stadtkern beschränkt worden. Im Außenbereich sei das nicht möglich. Die Stadt gebe Bürgern aber die Zustimmung, wenn diese das Absaugen eines Nestes selbst veranlassen würden, auch wenn es sich um einen städtischen Baum handle. Auf Privatgrundstücken seien die Eigentümer ohnehin selbst in der Pflicht.

Einerseits habe die Vorbeugung wohl geholfen, andererseits sei die Situation aber auch entspannter gewesen als im Vorjahr. „Und darüber bin ich auch sehr froh, denn wir hatten ja auch noch mit Corona zu tun“, betont Hoff. Wie viele Eichenprozessionsspinner es gebe, hänge auch vom Klima ab, weiß Hoff. Das war wohl in diesem Jahr für die Raupen nicht so gut wie in den Vorjahren.

Man kann gar nicht so viele Meisen ansiedeln wie man bräuchte, um alle Raupen auffressen zu lassen

Rainer Hoff, Leiter des Ordnungsamts

Eine flankierende Maßnahme, nämlich der Einsatz von Meisenkästen, hat die Stadt ebenfalls durchgeführt. Diese werde auch noch weiter forciert, heißt es dazu von der Pressestelle der Stadt. Allerdings räumt Rainer Hoff ein, dass man so viele Meisen gar nicht ansiedeln könne wie nötig wären, um die unzähligen Raupen aufzufressen.

Die Stadt hat auch zu Testzwecken einige Fallen gekauft und aufgehängt – an Bäumen im Stadtpark zum Beispiel. Die hätten aber keinen Erfolg gebracht, so Hoff. Die Eichenprozessionsspinner hätten sogar Nester um die Fallen herumgebaut.

Auch für das nächste Jahr setzt die Ordnungsbehörde auf den Einsatz von Fressfeinden und das Absaugen von Nestern. Dies geschehe in enger Absprache mit dem Unternehmen, das diese Arbeiten im Auftrag der Stadt übernimmt. Einen eigenen Schädlingsbekämpfer einzustellen, wie es andere Kommunen gemacht haben, sei in Gronau aus wirtschaftlichen Gründen jedoch nicht vorgesehen.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7610372?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F103%2F150%2F
Nachrichten-Ticker