Bürgermeister Doetkotte bittet Niederländer, nicht nach Gronau zu kommen
Man darf über die Grenze fahren – sollte es aber nicht tun

Gronau -

Die Appelle der niederländischen Bürgermeister an die deutschen Nachbarn, ihre Städte am Tag der deutschen Einheit nicht zu besuchen, scheinen gefruchtet zu haben. Derweil richtet der Gronauer Bürgermeister einen Aufruf an die Niederländer. Und es es stellt sich die Frage: Darf ich überhaupt noch über die Grenze? Und wenn ich dort war – muss ich automatisch in Quarantäne?

Samstag, 03.10.2020, 16:45 Uhr
Auf dem Markt in Enschede war am Samstag bedeutend weniger los als sonst.
Auf dem Markt in Enschede war am Samstag bedeutend weniger los als sonst. Foto: Martin Borck

Gronaus Bürgermeister Rainer Doetkotte hat angesichts der Corona-Entwicklung die Nachbarn aus den Niederlanden gebeten, aktuell nicht nach Gronau zu kommen. Nachdem das Robert-Koch-Institut die Niederlande mit Ausnahme der Provinzen Limburg und Zeeland zu Risikogebieten erklärt hat, möchte die Stadt das Infektionsrisiko so gering wie möglich halten.

Wörtlich schreibt Doetkotte: „Liebe Nachbarn aus den Niederlanden, wir sehen Sie gerne als Gäste – allerdings bitten wir Sie, aktuell nicht nach Gronau zu kommen um hier z.B. einzukaufen oder Restaurants zu besuchen. Als Bürgermeister der Stadt Gronau habe ich – ebenso wie der Bürgermeister der Gemeente Enschede, Herr van Veldhuizen, an die Menschen in der Grenzregion appelliert, am 3.10.2020 nicht nach Enschede zu fahren. Zu diesem Zeitpunkt waren die Niederlande noch nicht als Risikogebiet eingestuft. Doch nun bitte ich um Verständnis, dass wir auf beiden Seiten der Grenze die Einreisebestimmungen beachten und den Abstand wahren. Ich wünsche mir, dass wir gemeinsam diese Zeiten bewältigen und uns – hoffentlich bald – wieder als Nachbarn begrüßen können.“

Der Aufruf des Enscheder Bürgermeisters wurde am Samstag offenbar erhört. Es waren deutlich weniger deutsche Gäste in der Enscheder City auszumachen als in den vergangenen Jahren zum Tag der deutschen Einheit. Sind sonst die Einfallstraßen am 3. Oktober schon morgens verstopft, waren am Mittag noch hunderte Parkplätze frei. Auf dem Markt – der räumlich auseinandergezogen worden war – konnten die Abstandsvorgaben meist eingehalten werden. Auch wenn es vor manchen Ständen nicht immer für die vorgegebenen 1,50 Meter reichte.

Inzwischen herrscht große Verunsicherung:

Darf ich überhaupt über die Grenze fahren? Muss ich bei der Rückkehr in Quarantäne? Fakt ist: Verboten ist es nach wie vor nicht, in die Risikogebiete der Niederlande zu fahren. Es wird allerdings dringend von Reisen dorthin abgeraten. Die Infektionszahlen sind dort am Wochenende heftig gestiegen: Die niederländischen Behörden meldeten allein am Sonntag über 4000 neue Fälle.

  • Meldepflicht: Die Coronaeinreiseverordnung des Landes NRW verpflichtet alle Personen, die aus dem Ausland nach NRW einreisen und sich zu irgendeinem Zeitpunkt innerhalb von 14 Tagen davor in einem Risikogebiet aufgehalten haben, unverzüglich das für sie zuständige Gesundheitsamt zu kontaktieren. Das gilt auch für Kurzaufenthalte in den Niederlanden. Der Kreis Borken hat dazu auf seiner Homepage entsprechende Formulare eingerichtet.
  • Quarantäne: Wer aus einem Risikogebiet kommt, muss sich unverzüglich für 14 Tage in häusliche Quarantäne begeben.
  • Ausnahmen: Von der Quarantänepflicht gibt es Ausnahmen. Darunter fallen „Personen, die sich für weniger als 24 Stunden im Bundesgebiet aufhalten oder in einem Risikogebiet ... aufgehalten haben“. Also Menschen, die zum Beispiel nur für ein paar Stunden nach Holland gereist sind.

Wer wegen Beruf, Schul- oder Hochschulbesuch oder aus medizinischen Gründen in die Niederlande reist, muss nicht automatisch in Quarantäne. Vorausgesetzt natürlich, man weist keine Covid-19-Symptome auf.

Schließlich gilt die Quarantäne-Ausnahme für „Personen, die sich für weniger als 72 Stunden aus einem der folgenden Reisegründe im Bundesgebiet aufhalten oder in einem Risikogebiet ... aufgehalten haben: ein geteiltes Sorgerecht oder ein Umgangsrecht, den Besuch des nicht unter gleichem Dach wohnenden Lebenspartners oder von Verwandten ersten und zweiten Grades, dringende medizinische Behandlungen, Beistand oder Pflegeschutz- beziehungsweise hilfebedürftiger Personen, Betreuung von Kindern, Beerdigungen und Einäscherungen, die Teilnahme an zivilen oder religiösen Hochzeiten.“

 

 

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