Hilfe für Brasilien kommt an – wird aber auch weiter benötigt
Mehr als Tropfen auf dem heißen Stein

Epe -

Entwicklungshilfe ist ein ständiger Kampf gegen Rückschläge. Umso größer ist die Genugtuung, Siege in diesem Streit zu erringen. Beispiel Brasilien. Die Situation dort ist besorgniserregend: 150 000 Tote hat die Coronapandemie gefordert, umgerechnet 72 Tote pro 100 000 Einwohner. Mit der Pandemie stieg die Arbeitslosigkeit – und in den ärmsten Gesellschaftsschichten kehrte der Hunger zurück. Maria Detert aus Epe, die seit über 30 Jahren in Hilfsprojekte involviert ist, kennt die Lage in dem südamerikanischen Land. Auch wenn sie derzeit in Epe weilt, steht sie in ständigem Kontakt zu den Projekten im Verbund Solivida, zu denen die Assoziation „Educacao e Meio Ambiente“ (EMA) und „Cooperativa Terra e vida“ (CTV) gehören. Dort wird Hilfe zur Selbsthilfe geleistet. Unterstützt unter anderem vom Brasilienkreis der Pfarrgemeinde St. Agatha Epe.

Mittwoch, 14.10.2020, 18:47 Uhr aktualisiert: 21.10.2020, 12:49 Uhr
Schon im Frühjahr wurden Lebensmittelpakete verteilt, für die die Empfänger anstanden.
Schon im Frühjahr wurden Lebensmittelpakete verteilt, für die die Empfänger anstanden. Foto: privat

 

Die rigorose Umweltzerstörung stellt ein großes Problem dar. Der Pantanal, ein riesiges Feuchtgebiet, brennt. 30 Prozent der Fläche sind bereits zerstört. Die rechtsextreme Regierung Bolsonaro tut nichts dagegen. Im Gegenteil, so Detert : Selbst der Umweltminister sage, man solle die Coronakrise nutzen, um die Rodungen fortzusetzen. Die Abholzungen dienen dem Soja-Anbau und der Rinderzucht, von denen (nur) die Großgrundbesitzer profitieren.

„Wir forsten wieder auf“, gibt sich Maria Detert nicht geschlagen. 300 000 Bäume sollen angepflanzt werden. Die Samen für die Baumschulen stammen von der indigenen Bevölkerung. „Wir haben mit den Häuptlingen Abkommen getroffen. Der Samenkauf bietet den Indios eine wirtschaftliche Grundlage und soll Ansporn dafür sein, Wald stehenzulassen.“

Das Projekt ist eines der Modelle, die sich mit den dort vorhandenen Mitteln realisieren lassen – und sich reproduzieren lassen. „Wenn das gelingt, sind die Projekte mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein“, sagt Maria Detert. Darum sorgen sie und ihre Mitstreiter auch dafür, dass die Projekte bekannt werden und Nachahmer finden. „Unsere Reis-Fisch-Anlage hatte erst kürzlich Besuch von der Provinzregierung.“ Das Projekt ermöglicht den Anbau von Reis und die gleichzeitig im Wasser stattfindende Fischzucht.

„Es ist wichtig, gut vernetzt zu sein und eine friedliche Sprache zu sprechen, die Hoffnung macht und nicht spaltet.“ Denn in der gesellschaftlichen Spaltung, die (nicht nur) in Brasilien immer weiter um sich greift, sieht sie ein großes Problem, das positive Entwicklungen behindert – und negative wie die Ausbreitung von Corona befördert.

Die Preise sind in den vergangenen Monaten explodiert, viele Menschen können sich keine Nahrungsmittel mehr leisten. „Ein Drittel der Bevölkerung – 65 Millionen Menschen – haben in den vergangenen Monaten Sozialhilfe erhalten. Das war eine Maßnahme, um den sozialen Frieden zu erhalten. Ohne die Zahlungen wären die Supermärkte geplündert worden“, ist sich Detert sicher. Dabei erwirtschaftet Brasilien genügend Nahrungsmittel – doch viel Soja sowie Rind- und Geflügelfleisch werden exportiert. Für die Armen im eigenen Land bleibt oft nichts übrig. Bereits im Frühjahr hatte der Arbeitskreis Pater Beda die Verteilung von Essenspaketen organisiert. Zu Weihnachten wär eine weitere Aktion sinnvoll“, meint Detert.

Und ein drittes Projekt liegt ihr am Herzen: die Solaranlage, die Bischof Edilvater Andrade aus der Diözese Floriano/Piaui installieren möchte. „Damit würden die hohen Stromkosten gesenkt, und das Geld könnte für die pastoral-soziale Arbeit eingesetzt werden.“ Die Investition wäre in fünf Jahren amortisiert – allerdings braucht es Hilfe bei der Finanzierung (Spendenkonto: Brasilienkreis, DE 25401640240205449103 bei der Volksbank Gronau).

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