Kreisgesundheitsamt Borken ermittelt Kontakte
Corona: Infektionsketten finden und unterbrechen

Kreis Borken -

Manchmal ist es geradezu Detektivarbeit. Etwa, wenn sich mit jeder Frage und jedem Telefonat Stückchen für Stückchen zusammenfügt, wer mit wem Kontakt hatte, woher die Infektion mit dem Coronavirus gekommen sein könnte und wer als enge Kontaktperson einer größeren Ansteckungsgefahr ausgesetzt war und sich deshalb in Quarantäne begeben sollte.

Sonntag, 18.10.2020, 16:58 Uhr aktualisiert: 19.10.2020, 12:57 Uhr
Das Team um Dr. Francis Abele-Haupts (l.) und Michael Heistermann (r.) hat angesichts steigender Zahlen viel Arbeit.
Das Team um Dr. Francis Abele-Haupts (l.) und Michael Heistermann (r.) hat angesichts steigender Zahlen viel Arbeit. Foto: Kreis Borken

Sobald ein positiver Befund eingeht, ermitteln die Kontaktermittler im Kreisgesundheitsamt das Umfeld der betroffenen Person. So lassen sich Infektionsketten zurückverfolgen und mögliche Virusträger können bestenfalls schon vor der Weiterverbreitung isoliert werden.

Im Vergleich zum Frühjahr hat sich ihre Arbeit nun mit den höheren festgestellten Infektionszahlen vervielfacht. Das hat zwei Gründe, so Michael Heistermann , stellvertretender Leiter des Kreisgesundheitsamts: „Zum einen lassen sich die steigenden Zahlen nicht auf ein oder zwei Einzelgeschehen zurückführen, wie es etwa bei den Schlachthof-Mitarbeitern war. Und zum anderen haben die Leute viel mehr Kontakte als in der Zeit des Lockdowns.“

Zahlen

 

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Derzeit sind täglich rund 30 Kolleginnen und Kollegen am Telefon, um die Kontaktpersonen zu recherchieren und informieren.

Das Team besteht neben Beschäftigten aus dem Gesundheitsamt auch aus Kräften aus anderen Bereichen der Verwaltung. Angesichts der Entwicklungen soll dies noch weiter aufgestockt werden. Gerade werden per Ausschreibung neue Containment-Scouts gesucht. Ergänzend dazu sind noch Mitarbeiter in den Rathäusern unter anderem in der Quarantäne-Überwachung tätig.

Die zentrale Frage: Mit wem waren die Infizierten in den vergangenen Tagen länger als 15 Minuten und einer Distanz von weniger als einem Meter zusammen? Manchmal ist die Kontaktermittlung in wenigen Minuten geschafft. Dann gibt es aber auch Fälle, in denen das mehrere Tage dauert: Wenn es ein sehr großes Umfeld mit vielen Kontakten gibt, wenn noch nicht alle Angaben vorliegen und wenn nicht alle Infos ganz wahrheitsgemäß oder nur häppchenweise erfolgen.

„Da ist es den Leuten dann zum Beispiel unangenehm, dass sie auf einer sehr großen Feier waren“, erzählt Heistermann. „Oder das Training im Sportverein wurde beim ersten Telefonat nicht erwähnt – all das ist für unsere Arbeit aber natürlich wichtig zu wissen.“

Zuletzt ist die Zahl der Infizierten täglich deutlich gestiegen – und damit auch die Zahl der Anrufe. Deswegen bittet der Kreis Borken um Verständnis, dass es auch mal einige Stunden dauern könne, bis der Anruf von den Kontaktermittlern komme, auch wenn der enge Verwandte, direkte Arbeitskollege oder Sitznachbar schon morgens über seinen positiven Befund berichtet habe.

„Wir müssen alles nacheinander abarbeiten“, betont Dr. Francis Abele-Haupts, Abteilungsleiterin im Bereich Infektionsschutz im Gesundheitsamt. „Wer von einem engen Kontakt schon gehört hat, dass dieser Covid-positiv ist, handelt verantwortungsbewusst, wenn er vorsichtshalber schon weitere Kontakte vermeidet und sich an die AHA-Regeln hält, bis der Sachverhalt und das weitere Vorgehen geklärt sind.“

Täglich werden die Kontaktermittler über die neuesten Veröffentlichungen und Vorgaben informiert. Spätestens an jedem zweiten Tag gibt es zudem eine Team-Besprechung. Oftmals fallen den Betroffenen am Telefon nicht auf Anhieb alle Kontakte ein. Aus diesem Grund empfehlen die Kontaktermittler den Infizierten, eine schriftliche Liste zu erstellen und diese per E-Mail an das Kreisgesundheitsamt zu senden.

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