Vor einem Jahr kam das von Wilhelm-Sauer gebaute Instrument in Gronau an
Sogar das Licht spielt auf der Orgel

Gronau -

Vor einem Jahr wurde die Wilhelm-Sauer-Orgel an den Pforten der Evangelischen Stadtkirche Gronau mit Glockengeläut begrüßt. In den folgenden Monaten wurde das Instrument aufgebaut und intoniert. Die Einweihung war für den Palmsonntag vorgesehen. 1500 Einladungen waren verschickt, die Vorfreude darauf, den Klang der monumentalen Orgel zu genießen, groß. Und dann kam Corona. Das große Fest fiel aus.

Freitag, 23.10.2020, 10:36 Uhr aktualisiert: 25.10.2020, 17:01 Uhr
Aufbau des Orgelgehäuses: Ortstermin mit der Schreinerei Kötter, dem Denkmalamt Gronau, der Orgelwerkstatt Scheffler und Kantor Dr. Tamás Szöcs. Das Foto links unten zeigt die Intonation im Februar: Alle Pfeifen wurden über mehrere Wochen aufeinander und auf den Raum der Stadtkirche abgestimmt, hier mit Tino Herrig, dem Intonateur der Orgelwerkstatt Scheffler. Die ersten Klänge wurden von einem Pfeifenchor erzeugt: Falk Priggen, Orgelbauer Konrad Scheffler, Michael Rodemann, Thomas Steffan und Ute Butke (Foto rechts unten).
Aufbau des Orgelgehäuses: Ortstermin mit der Schreinerei Kötter, dem Denkmalamt Gronau, der Orgelwerkstatt Scheffler und Kantor Dr. Tamás Szöcs. Das Foto links unten zeigt die Intonation im Februar: Alle Pfeifen wurden über mehrere Wochen aufeinander und auf den Raum der Stadtkirche abgestimmt, hier mit Tino Herrig, dem Intonateur der Orgelwerkstatt Scheffler. Die ersten Klänge wurden von einem Pfeifenchor erzeugt: Falk Priggen, Orgelbauer Konrad Scheffler, Michael Rodemann, Thomas Steffan und Ute Butke (Foto rechts unten). Foto: Hartmut Springer (2), Orgelbauverein, Tamás Szöcs, Maleen Knorr

 

Das Instrument verhüllte sich aber nicht in Schweigen: Kantor Dr. Tamás Szőcs veröffentlichte bereits Mitte April erste Ton- und Videoaufnahmen von der Sauer-Orgel im Internet, die auch einen Einblick in das Innere und die Funktionsweise der Orgel gewähren. Bis Juli sind 17 Videos entstanden, die Orgel war in den Videogottesdiensten präsent, aber auch zahlreiche kürzere „Orgelhäppchen“, wie der Kantor seine Online-Gattung gerne bezeichnet, erreichten weltweit die Orgelfans. Auch ein Zusammenspiel aller Orgeln der Evangelischen Kirchengemeinde und die Einbindung eines Vogelstimmorchesters des Rüenberger Waldes sind in den kurzweiligen Videos zu erleben.

Was den überschwänglichen Orgelempfang der Gemeinde und die hervorragende Beherbergung und Versorgung der Orgelbauer betrifft, hat Gronau Maßstäbe gesetzt.

Orgelbauer Konrad Scheffler. Ehrenamtliche Helfer kümmerten sich während der Bauzeit liebevoll darum, dass es für die Orgelbauer hausgemachten Kuchen gab und in der Unterkunft gebügelte Handtücher und bezogene Betten auf sie warteten.

Zu Pfingsten zog die Orgel sogar digital nach Ochtrup und brachte ihr Pfingstbrausen in den dortigen Videogottesdienst mit ein. Die Technik hat auch in der Coronazeit vieles möglich gemacht, die Onlineinhalte über die Seiten der Kirchenmusik und der Youtube-Kanal der Kirchengemeinde haben zwischen April und Oktober immerhin über 30 000 Klicks und Besuche generiert. Die Sauer-Orgel und die Gronauer Stadtkirche zieht Blicke und Ohren aus der ganzen Welt auf sich. Doch der grundtönige, romantische Klang des Instrumentes muss live erlebt werden.

Die Orgel ist bereits seit Mai öffentlich in Gottesdiensten zu hören. Ab dem 22. November bis einschließlich zum vierten Adventssonntag öffnet die Stadtkirche – zwar unter Coronabedingungen – ihre Tore für fünf sonntägliche Orgelkonzerte. Neben Kantor Dr. Tamás Szőcs werden als Künstler das Musikerehepaar Schnaars aus Burgsteinfurt (Trompete und Orgel), der katholische Kantorkollege Hans Stege aus Gronau und der Billerbecker Domorganist Lukas Maschke begrüßt.

Absolutely adorable!

Weltstar-Organist Cameron Cameron

Auch die begleitenden Gewerke sind in diesem Herbst rund um die Orgel abgeschlossen: Die Brüstung wurde aus Sicherheitsgründen durch Geländer erhöht, auf der Empore wurde ein neuer Fußboden gelegt und die Beleuchtung wurde auf die Orgelfront eingestellt und hebt die besondere Architektur hervor. „Sogar das Licht hat Lust, auf dieser Orgel zu spielen“ – so Kantor Dr. Szőcs nach der Einstellung der Beleuchtung.

Wann und wie die offizielle Einweihung stattfinden kann, hängt von der Entwicklung der Pandemie im kommenden Jahr ab, doch die Möglichkeiten, die klangliche und optische Schönheit dieses Instrumentes live oder im Web zu erleben, werden bis dahin weiterhin genutzt.

Das Gelingen des Orgelprojektes erfüllt Kantor Dr. Szőcs und die Ev. Kirchengemeinde mit großer Dankbarkeit, dieser Erfolg hat in der Tat viele Väter und Mütter, denen man nicht genug danken kann: über 1300 Spenderinnern und Spendern, ehrenamtlichen Helfern, Förderern und Unterstützern, Institutionen, Behörden, Ämtern, Bau- und Planungsfirmen.

Es waren eine ganze Reihe von Menschen an dem Aufbau des Instrumentes beteiligt. Ganze sechs Monate er Aufbau. Ein schweres Krangerüst hievte nach und nach die Bauteile, Pfeifen, Windkanäle, Ständerwerk, Windladen und Leitungen des 13 Tonnen schweren Instrumentes auf die Empore der Stadtkirche. Manche Arbeitsschritte waren spektakulär anzusehen, an manch anderen Tagen hatten die Orgelbauer der Orgelwerkstatt Scheffler still und konzentriert gelötet, geklebt oder zweieinhalb Kilometer Bleileitungen zwischen Spieltisch und Pfeifenwerk verlegt. Zwischenzeitlich überließen die Orgelbauer die Empore der Stadtkirche den Schreinern: Der Aufbau des Gehäuses lag in den Händen der Eper Schreinerei Ralf Kötter. Dank eines ausgeklügelten Systems bei der Bezeichnung der Bauteile bereits beim Abbau der Orgel im Februar 2017 in Dortmund fanden in Gronau die Teile des imposanten Gehäuses von einer Fläche von 80 Quadratmetern auch zweieinhalb Jahre später problemlos wieder zusammen. In einem nächsten Arbeitsschritt wurde die frisch restaurierte Glasrosette von einer Paderborner Glasereiwerkstatt eingesetzt, um anschließend wieder Orgelteile und Pfeifen dahinter zu platzieren. Die Stimm- und Intonationsarbeiten der über 2300 Pfeifen nahmen weitere sechs Wochen und das feine Gehör des Intonateurs Tino Herrig in Anspruch.

Ein mit Orgelklang unterlegter Rückblick ist zu sehen unter

 

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