Unterricht zur Zeit der zweiten Corona-Welle
Masken und Fenster auf

Gronau/Epe -

Alles in allem sind die Schulen in Gronau und Epe nach den Herbstferien wieder gut in den Unterricht gestartet. Glücklich sind die meisten Schulleiterinnen und -leiter mit der Situation aber nicht.

Dienstag, 27.10.2020, 19:23 Uhr aktualisiert: 28.10.2020, 20:11 Uhr
In einem Klassenraum der Euregio-Schule stehen alle Fenster zum Stoßlüften offen. Die Schüler sind entsprechend warm angezogen. Das ist umso wichtiger, je näher sie am Fenster sitzen.
In einem Klassenraum der Euregio-Schule stehen alle Fenster zum Stoßlüften offen. Die Schüler sind entsprechend warm angezogen. Das ist umso wichtiger, je näher sie am Fenster sitzen. Foto: Euregio-Schule

Trotz wieder eingeführter Maskenpflicht fühle sich der Schulalltag im Grund an wie vor den Ferien, berichtet zum Beispiel Martin Schreurs , Konrektor der Gesamtschule Gronau. Denn auch vor den Ferien wurde den Schülerinnen und Schülern empfohlen, ihre Maske auch im Unterricht zu tragen. Es gebe zwar auch Einzelfälle, in denen Schüler beziehungsweise deren Eltern versuchen würden, die Maskenpflicht durch ein Attest zu umgehen, doch solche Atteste akzeptiere die Schulleitung nur, wenn sie den rechtlichen Vorgaben entsprächen.

Das Oberverwaltungsgericht Münster hatte dazu im September ein richtungweisendes Urteil erlassen (s. Info-Kasten). Das regelmäßige Lüften der Klassenräume sei auch kein Problem: „Wir haben in allen Klassenräumen Fenster, die geöffnet und abgeschlossen werden können. Alle Kollegen haben die entsprechenden Schlüssel. Das klappt eigentlich ganz gut“, sagt Martin Schreurs.

Noch ist es nicht so kalt, da geht das noch.

Dagmar Dengler, Leiterin der Euregio-Schule, über das regelmäßige Lüften

Das mit dem Lüften sieht Dagmar Dengler, Leiterin der Euregio-Gesamtschule Epe ähnlich. Sie gibt aber auch zu bedenken: „Noch ist es nicht so kalt, da geht das noch.“ Sie habe ihren Schülern den „Zwiebellook“ empfohlen, also mehrere Kleidungsschichten übereinander zu tragen. Außerdem dürfen die Schülerinnen und Schüler ihre Jacken mit in den Klassenraum nehmen – und wenn es noch kälter wird auch Mützen und Decken. „Wir müssen die Kinder ja auch vor anderen Krankheiten wie Erkältungen schützen“, sagt die Schulleiterin. Sie findet, dass „wir von den Kinder im Moment viel verlangen“. Aber das Gros der Schüler mache richtig gut mit.

Pauschal-Attest reicht nicht

Seit Montag gilt in den weiterführenden Schulen in NRW wieder eine Maskenpflicht für die Schülerinnen und Schüler – auch im Unterricht. Wer sich davon befreien lassen möchte, muss ein aussagekräftiges Attest vorlegen. Ein „Pauschal-Attest“ reicht dagegen nicht aus. Das hat das Oberverwaltungsgericht Münster bereits Ende September entschieden. Vielmehr müsse im Attest genau beschrieben sein, warum die Maske die Gesundheit des Trägers beeinträchtige, so die Richter. Der Arzt müsse erklären, warum genau die Maske gefährlich für die Gesundheit sein könnte, ob es zum Beispiel Vorerkrankungen gibt. Außerdem solle festgehalten werden, wie der Mediziner zu seiner Diagnose gekommen ist. (Aktenzeichen.: 13 B 1368/20).

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Zwiebellook ist auch an der Fridtjof-Nansen-Realschule angesagt. Hier nutzen die Lehrerinnen und Lehrer eine App der Unfallkasse, die je nach Raum optimale Lüftungsintervalle vorschlägt. Schulleiterin Andrea Preuß brennt viel mehr auf den Nägeln, dass die Mädchen und Jungen sich nicht ausreichend bewegen können. Dazu trägt neben der momentanen Enge an der Schule, die durch Bauarbeiten im Schulgebäude und Container auf dem Schulhof bedingt ist, auch die Tatsache bei, dass die Turnhallen nur eingeschränkt zur Verfügung stehen (siehe Artikel unten).

Kein regulärer Sportunterricht möglich

Ein Hauch von Häme klingt beim Thema Sporthallenbelüftung bei Thomas Herden mit, der davon spricht, das Problem sei in den vergangenen Tagen „überraschend“ aufgetreten. Dadurch könne regulärer Sportunterricht zurzeit nicht stattfinden, sagt der Leiter des Werner-von-Siemens-Gymnasiums. Eine Zeit lang habe sich die Schule mit Sportunterricht im Freien geholfen. Doch einerseits sei das bei der launischen Herbstwitterung immer schwieriger. Andererseits sei auch bei gutem Wetter die Umkleide-Situation schwierig. Für den Sportunterricht im Freien hätten die Klassenräume als Umkleidekabinen herhalten müssen. Etappenweise, nach Geschlechtern getrennt. Es lässt sich an einer Hand abzählen, wie viel Zeit da noch von einer Sportstunde übrig bleibt. „In Gronau gibt es ja ohne Corona schon zu wenig Sporthallen, das schlägt sich jetzt natürlich nieder“, sagt Herden.

Konzepte für erneuten Lockdown

Neben der Organisation des erschwerten Schulalltags befasse sich das Kollegium des Gymnasiums aber auch schon intensiv mit Fragen, die ein erneuter Lockdown mit sich bringen würde. Auch Szenarien für den Fall, dass eine ganze Reihe von Lehrkräften in Quarantäne müsste, habe man schon entwickelt.

Durch die Pandemie-Situation stünden aber vor allem auch alle Schulveranstaltungen jenseits des Unterrichts zur Disposition. Von der Berufsorientierung über den Tag der offenen Tür bis hin zum Elternsprechtag, nennt Herden Beispiele. Der Elternsprechtag stehe jetzt an. Um die Besucherdichte zu reduzieren, wurde das Terminangebot halbiert. Außerdem sollen die Klassenlehrer über alle Fächer Auskunft gegen können, sodass die Eltern nicht zusätzlich noch mit einzelnen Fachlehrern sprechen müssen. Das bedeute für die Klassenlehrer im Schnitt 13 Gespräche, sagt Herden, der hofft, dass dieses Konzept aufgeht.

Auf der Suche nach individuellen Lösungen für die Probleme des Corona-Schulalltags ist man auch an der Martin-Luther-Schule. Beim Lüften komme es sehr darauf an, wo im Gebäude sich der Raum befinde, da sie sehr unterschiedlich temperiert seien, erklärt Schulleiterin Elisabeth Aktan. Außerdem seien die Grundschüler ganz verschieden. Einige würden sich in die hinterste Ecke setzen und ihre Masken den ganzen Tag tragen. Andere – vor allem die jüngeren – kämen mit den Masken dagegen nicht immer zurecht.

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