Gericht in Almelo spricht Angeklagte schuldig
Dreimal lebenslang für Vierfachmord

Almelo/Enschede -

Es war das schwerste Verbrechen in der Geschichte der Region Twente: der Vierfachmord von Twente vor zwei Jahren. Am Freitagnachmittag verkündete das Gericht in Almelo die Strafen für die drei Angeklagten.

Freitag, 06.11.2020, 15:54 Uhr aktualisiert: 06.11.2020, 18:04 Uhr
Das Gebäude an der Van Leeuwenhoekstraat in Enschede, wo die Männer ermordet wurden.
Das Gebäude an der Van Leeuwenhoekstraat in Enschede, wo die Männer ermordet wurden. Foto: Martin Borck

Die drei Angeklagten im Vierfachmord von Enschede sind am Freitag wegen gemeinschaftlich begangenen, mehrfachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Die Richter in Almelo hielten die Beweise und Indizien gegen den Vater und seine beiden Söhne für überzeugend. Die Angeklagten selbst hatten während des Prozesses von ihrem Schweigerecht Gebrauch gemacht. Gegen das Urteil können die drei in Berufung gehen.

Kaltblütige Exekutionen

Die Tat zeichnete sich durch hohe Brutalität und Kaltschnäuzigkeit aus. Die Richter sprachen von „kaltblütigen Exekutionen“. Am Nachmittag des 13. November 2018 waren in einem Growshop, einem Geschäft für Utensilien für den Drogenanbau und -konsum an der Van Leeuwenhoek­straat in Enschede, die Leichen der vier Ermordeten entdeckt worden. Sie waren kurz vorher, am helllichten Tag, erschossen worden.

Die Polizei kam Camil A. und seinen Söhnen Dejan und Denis recht schnell auf die Spur. Videobilder einer Überwachungskamera zeigten sie etwa zur Tatzeit in Tatortnähe, Blutspuren im Auto der Verdächtigen konnten einem der Opfer zugeordnet werden, DNA-Spuren der Söhne wurden am Tatort sichergestellt.

Allerdings wurden die Waffen, mit der die vier Opfer durch zehn Schüssen aus nächster Nähe getötet wurden, nicht gefunden. Auch fehlen Hinweise, wer von den dreien geschossen hat. Die Verteidiger hatten Freispruch gefordert, weil sie die Beweise nicht für ausreichenden hielten. Es gilt als wahrscheinlich, dass sie in Berufung gehen. Dazu haben sie zwei Wochen Zeit.

Kleider und Gebäude durchsucht

Das Mordmotiv konnten die Ermittler nicht herausfinden. Die Angeklagten äußerten sich nicht. Möglicherweise hatten die drei eine Rechnung mit dem früheren Inhaber des Growshops offen, die sie begleichen wollten. Der Alt-Eigentümer gehörte zu den vier Opfern. Die drei anderen Erschossenen wären dann nur zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen und als Zeugen aus dem Weg geräumt worden.

Die Sprecherin des Gerichts, Liesbeth Venekatte, sagte, dass die drei Männer die Tat gemeinschaftlich ausgeführt hätten. Innerhalb von nur zwölf Minuten seien an vier Stellen in dem Gebäude die Männer mit zwei Waffen verschiedenen Kalibers erschossen worden. Danach hätten sie das Gebäude und die Kleidung der Toten durchsucht.

Nach der Tat Miete in bar bezahlt

Möglicherweise handelte es sich aber auch um einen Raubüberfall, der eskalierte. Auf jeden Fall steht fest, dass Vater und Söhne nach der Tat ihre offene Wohnungsmiete beglichen. Bar und mit einem Trinkgeld.

Zwei Männer, die Waffen an die Familie A. verkauft hatten, wurden ebenfalls am Freitag zu Haftstrafen von 14 Monaten verurteilt. Eine Frau, den den Kauf vermittelt hatte, wurde freigesprochen.

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