Querungshilfe auf der Enscheder Straße
Anlieger fordern Nachbesserungen

Gronau -

Lange haben Anlieger eine Querungshilfe für die Enscheder Straße gefordert. Jetzt ist sie da. Darüber sei man auch froh und dankbar dafür. Doch die Anlieger sehen noch Nachbesserungsbedarf.

Mittwoch, 11.11.2020, 09:00 Uhr aktualisiert: 11.11.2020, 20:24 Uhr
Trafen sich vor Ort, um ihre Kritik vorzutragen: (v.l.) Herbert Krause (Pro Bürgerschaft) und die Anlieger Helmut Heinzel, Bernfried Wesseling und Michael Gablik. Ihrer Meinung nach muss die Verkehrsinsel mit sogenannten Bodenindikatoren nachgerüstet werden, die Menschen mit einer Sehbehinderung das Überqueren der Straße erleichtern würden.
Trafen sich vor Ort, um ihre Kritik vorzutragen: (v.l.) Herbert Krause (Pro Bürgerschaft) und die Anlieger Helmut Heinzel, Bernfried Wesseling und Michael Gablik. Ihrer Meinung nach muss die Verkehrsinsel mit sogenannten Bodenindikatoren nachgerüstet werden, die Menschen mit einer Sehbehinderung das Überqueren der Straße erleichtern würden. Foto: Frank Zimmermann

Helmut Heinzel hat die Situation noch vor seinem geistigen Auge: Eine alte Dame, gestützt auf einen Rollator, versucht auf Höhe der Beckerhookstraße, die Enscheder Straße zu überqueren. „Die hat bestimmt eine Viertelstunde da gestanden und wollte schon umkehren“, erzählt er. Dann habe er sich der Dame angenommen und ihr über die Straße geholfen. Diese Situation sei für ihn der Auslöser gewesen, sich hier aktiv für eine Veränderung stark zu machen.

Gemeinsam mit weiteren Anliegern sammelte Heinzel Unterschriften und wandte sich an Herbert Krause von Pro Bürgerschaft. Der beantragte im Frühjahr 2019 im Verkehrsausschuss die Errichtung einer Querungshilfe an der Kreuzung Enscheder Straße/Beckerhookstraße/Klosterstiege. Mit Erfolg: In den vergangenen Tagen wurden zwei Verkehrsinseln auf der Enscheder Straße errichtet. „Dafür sind wir auch dankbar“, sagt Krause und man spürt sofort das Aber, das da mitschwingt. Denn der Ratsherr und seine Mitstreiter aus der Bürgerschaft ärgern sich darüber, dass die Querungshilfe ihrer Meinung nach nicht konsequent barrierefrei beziehungsweise behindertengerecht ausgeführt wurde. Insbesondere kritisieren sie das Fehlen von sogenannten Bodenindikatoren. Diese Noppen- und Rillensteine würden sehbehinderten und blinden Menschen die Orientierung erheblich erleichtern.

Rückendeckung erhalten sie von Hilke Groenewold, Referentin für Barrierefreiheit beim Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband. Auf Anfrage der Redaktion schreibt die Diplom-Ingenieurin und Architektin: „In NRW gilt der Leitfaden Barrierefreiheit im Straßenraum. Dieser ist verbindlich und legt im Kapitel 2 und 3 dar, dass aufgrund mehrerer gesetzlicher Bestimmungen (UN BRK, GG § 3 (Diskriminierungsverbot) und anderer nationaler Gesetze und Gesetz aus NRW) Barrierefreiheit im Straßenbau bei Neu- und Umbauten herzustellen ist.“ Allerdings verweist sie in diesem Zusammenhang auf die DIN 18040-3, in der es unter anderem heißt: „Bei gemeinsamen Überquerungsstellen können Bodenindikatoren (...) zum Einsatz kommen.“

Zu den Forderungen hat sich jetzt Heinrich Lütke-Wenning von Straßen-NRW zu Wort gemeldet. Straßen-NRW ist als sogenannter Baulastträger für die Enscheder Straße zuständig. Lütke-Wenning schilderte gegenüber der Redaktion, dass der Landesbetrieb die Querungshilfe in Zusammenarbeit mit dem städtischen Bauhof realisiert habe. Aufgrund der Forderung der Anwohner wolle man sich jetzt erneut mit der Stadt zusammensetzen. Man sei nicht davon ausgegangen, mit dieser Querungshilfe Menschen mit Sehbehinderung oder gar Blinde anzuziehen. Doch natürlich habe man ein offenes Ohr für Menschen mit Behinderung. Sollte sich in den Gesprächen mit der Stadt ein Nachbesserungsbedarf ergeben, werde man die Versäumnisse „heilen“.

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