Covid-19 – die Lage in Gronaus Partnerstädten
„Es ist alles sehr schwierig“

Gronau -

In guten wie in schlechten Zeiten sollen sich Partnerschaften bewähren. Also haben die WN sich mal umgehört, wie es den Menschen in Gronaus Partnerstädten Epe (Niederlande), Bromsgrove (Großbritannien) und Mezöberény (Ungarn) in Zeiten der Corona-Pandemie ergeht.

Donnerstag, 12.11.2020, 19:03 Uhr aktualisiert: 12.11.2020, 19:06 Uhr
Egal ob beim Zusammenspiel von Musikern aus Gronau und
Egal ob beim Zusammenspiel von Musikern aus Gronau und Foto: Sigrid Winkler-Borck/Martin Borck/Visit Veluwe/

 

22 Menschen sind in Gronaus Partnergemeinde Epe (Gelderland) seit Ausbruch der Pandemie an Corona gestorben. Die erste Welle der Krankheit hatte 21 Opfer gefordert. Während der zweiten Welle ist bislang ein Opfer zu beklagen. Epe gehört aktuell zu den Gemeinden, die auf der Karte der niederländischen Gesundheitsbehörde einen hellblaue Färbung haben. Das bedeutet, dass die Situation verhältnismäßig ruhig ist. Am Mittwoch sind zwei Menschen neu positiv auf Covid-19 getestet worden – umgerechnet auf 100 000 Einwohner ist das ein Wert von sechs. Derzeit sinken die Werte wieder – die Spitzenwert in der zweiten Welle betrug 84,4 pro 100 000 Einwohner am 30. Oktober. Die zweite Welle traf die Gemeinde – was die Zahl der Infizierten angeht – heftiger als die erste. Das könne aber auch daran liegen, dass mehr Tests durchgeführt werden als damals, so die für Gesundheit zuständige Dezernentin der Gemeinde Epe, Lia de Waard-Oudesluijs.

Patienten, die klinisch behandelt werden müssen, würden in Krankenhäusern der Region untergebracht.

Und wie reagieren die Bewohner auf die Verordnungen? „Es gibt hier keine Proteste. Die Maßnahmen werden in Epe im Allgemeinen gut befolgt, und die Atmosphäre bleibt gut.“

Epe liegt am Rande der Heidelandschaft Veluwe. Ein Paradies für Menschen, die gerne wandern, radfahren und reiten. Und das werden in den Niederlanden derzeit immer mehr – wie in Deutschland auch, angesichts der coronabedingten Reisebeschränkungen. „Es ist wesentlich mehr los als normalerweise“. Ob die Besucher aber aus der nähen Umgebung kommen oder aus den großen Städte im Westen der Niederlande, lasse sich nicht immer feststellen. In den Herbstferien seien aber deutlich mehr Gäste von außerhalb der Region in das Naturgebiet gekommen.

Manchmal, so Epes Bürgermeister Tom Horn , sei es so voll, dass die Abstandsregeln nicht eingehalten werden können – und sich die Naturliebhaber in die Quere kommen. Anlass für den Bürgermeister, in einem offenen Brief Geduld und gegenseitige Rücksichtnahme anzumahnen. Horn blickt auch auf die kommenden Festtage: Vor allem Sinter­klaas, das in den Niederlanden groß gefeierte Nikolausfest, wird in diesem Jahr unter den Coronamaßnahmen leiden. „Obwohl wir diese Tage des Zusammenseins so dringend brauchen“, ist sich Horn bewusst. Dennoch: Der Kreis der Feiernden muss klein bleiben. Horn ruft zu Kreativität auf. Es ist üblich, zu den Geschenken ein Gedicht zu schreiben. Horn schlägt vor, die Gedichte aufzuschreiben und zusammen mit einem der typischen Schokoladen-Buchstaben den Empfängern zukommen zu lassen. Oder das Gedicht per Video-Nachricht zu schicken.

So genaue Zahlen wie aus Epe sind aus Mezöberény nicht zu bekommen. Bekannt ist, dass es seit dem Martinstag landesweite Notstandsregelungen für zunächst 30 Tage gibt, dazu gehören eine nächtliche Ausgangssperre (von 20 bis 5 Uhr), die Schließung von Gaststätten und Hotels sowie ausschließlich Distanzunterricht ab Klasse acht. Mitte der Woche meldete Ungarn rund 4000 Neuinfektionen bei knapp zehn Millionen Einwohnern. Aus deutscher Perspektive gilt ganz Ungarn als Risikogebiet.

Aus Mezöberény berichtet Bürgermeister Siklosi István: „Seit September wird von 16 positiven Fällen hier im Ort berichtet. Genauere Informationen zu den Fallzahlen geben die staatlichen Institutionen über Städte wie unsere nicht preis. Aus dem Grund bleiben nur noch die Informationen, welche von örtlichen Hausärzten oder mithilfe individueller Wahrnehmungen übermittelt werden. Die Personen, die bisher positiv getestet wurden, zeigten im Allgemeinen eher mildere Symptome und der Großteil von ihnen ist mittlerweile wieder gesund.

Bei uns werden zurzeit keine Personen, sondern eher Häuser unter Quarantäne gestellt. Diese Häuser standen und stehen stets unter epidemiologischer Aufsicht. Seit September ist die Rede hier von 100 Häusern inklusive 250 bis 300 betroffenen Bewohnern. Selbstverständlich ist bei zahlreichen Fällen die Zeit der Quarantäne bereits überbrückt. Die Einwohnerzahl Mezöberénys liegt momentan bei 10 284. Das heißt, dass circa drei bis 3,5 Prozent mit dem Virus in Kontakt gekommen sind.

In stetig geringeren Zeitabständen erhalten wir neue Nachrichten des Landes bezüglich neuer Entscheidungen und Verbote. Schon auf Facebook habe ich mich folgendermaßen dazu geäußert: ‚Man kann den Verordnungen und Vereinbarungen zustimmen oder nicht. Jedoch denke ich, dass sich für uns, für alle Verwaltungsangestellten und auch für jeden einzelnen Bürger nur eine Möglichkeit erübrigt: diese Vorschriften ernst nehmen und so gut es geht es versuchen sich an diese Gesetze zu halten.‘“

Abschließend kommt István noch auf das im nächsten Jahr anstehende Jubiläum – 30 Jahre Städtepartnerschaft Mezöberény-Gronau – zu sprechen:

„Trotz all dieser Schwierigkeiten und Hindernisse glauben wir, dass der Jahrestag dieser Städtepartnerschaft im kommenden Jahr gefeiert wird und werden soll. Wir hoffen das beste und hoffen auch, dass nächstes Jahr persönlicher Begegnung nichts mehr im Wege steht.“

Auch in Großbritannien gibt es inzwischen landesweit gültige Maßnahmen, die mit denen in Deutschland vergleichbar sind. In Bromsgrove lag die Infektionsrate bis zum 5. November laut eines Medienberichts (Bromsgrove Advertiser) um 200. Ähnlich wie Gronau im Kreis Borken war auch Bromsgrove in der Grafschaft Worcestershire ein Brennpunkt.

Aus Bromsgrove schreibt Rosalind Cooke: Da Bromsgrove so nah bei Birmingham liege, sei die Anzahl der Corona-Fälle für die Menschen, egal welchen Alters, besorgniserregend. Zwei Wochen sei zum Beispiel ihr Friseursalon geschlossen gewesen. Sie nutze eine Corona-App, um zu dokumentieren, wo sie sich aufgehalten hat – etwa in der Kirche. Das funktioniere über einen QR-Code. In England sollen die Menschen zwei Meter Abstand voneinander halten. Cooke schreibt von Einschränkungen, die sie besonders treffen, wie das Singen in der Kirche. Die Schulen seien zwar noch offen, aber er würden größere Gruppen, insbesondere älterer Schüler, nach Hause geschickt.

Neben Rose Cooke hat sich auch Brigitte Kerslake kurz zur Situation in Bromsgrove geäußert. Sie schreibt: „Schulen und Uni bleiben auf, aber alle Geschäfte außer Supermärkten und Banken bleiben geschlossen. Aber ob es helfen wird? Hoffen wir das Beste. Alles ist sehr schwierig geworden.“

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