Natur im Amtsvenn bedroht
Suche nach Blindgängern im Venn

Gronau/Enschede -

Der grenzüberschreitende Wanderweg durchs Amtsvenn ist beliebt bei vielen Gronauern und Enschedern. Doch derzeit bietet sich auf niederländischer Seite ein trauriger Anblick: Ein Wäldchen zwischen dem Glanerbeek und der Grenze ist abgeholzt worden. Das hat einen triftigen Grund. 

Montag, 16.11.2020, 18:52 Uhr aktualisiert: 16.11.2020, 19:19 Uhr
Das Gebiet zwischen Grenze und Glanerbeek im Amtsvenn vermittelt derzeit einen trostlosen Eindruck.
Das Gebiet zwischen Grenze und Glanerbeek im Amtsvenn vermittelt derzeit einen trostlosen Eindruck. Foto: Martin Borck

Das Areal wird auf Blindgänger aus dem zweiten Weltkrieg untersucht. Nicht zuletzt aus diesem Grund sollen die Wege dort nicht verlassen werden. Wenn diese Arbeiten abgeschlossen sind, werden sogenannte Natura-2000-Arbeiten ausgeführt.

Ziel ist es, die bedrohte Flora und Fauna in dem Gebiet zu schützen und zu erhalten. In den vergangenen Jahren hat Landschap Overijssel als zuständige Behörde Untersuchungen durchgeführt und einen Plan aufgestellt, wie das Ziel erreicht werden kann.

Die Natur ist bedroht

Das betroffene Areal umfasst landschaftlich und ökologisch gesehen zwei Teile: die Laggzone (feuchte, nährstoffarme Abschnitte mit saurem Boden) als Übergangsgebiet zwischen dem Glanerbeek und dem Hochvenn und das eigentliche Hochvenn.

Derzeit ist das Erlen- und Eschenwäldchen in der Laggzone von Vertrocknung und Versauerung bedroht. Andererseits tun dem Boden die gelegentlichen Überschwemmungen mit zu nährstoffreichem Wasser aus dem Bach auch nicht gut. Auf beiden Seiten der Grenze sind die Grundwasserstände zu niedrig, als dass sich neue Vennschichten bilden könnten, informiert Landschap Ovrijssel.

Das Venn trocknet aus

Um dem Venn mehr Raum zu bieten und die besondere Natur in der Laggzone zu stärken und somit die Biodiversität zu verbessern, müssen Bäume gefällt werden. Dabei handelt es sich hauptsächlich um junge Birken, Weiden und Pappeln. Diese Bäume trinken dem Venn buchstäblich das Wasser weg, das über die Blätter verdunstet. Das Venn trocknet aus.

Landschap Overijssel will Flächen schaffen und vernässen, auf denen sich die venntypischen Pflanzen wieder ansiedeln und ausbreiten können. Diese Pflanzen sind auf nährstoffarmes, kalkreiches Wasser angewiesen.

Historische Hinweise auf Blindgänger

Derzeit wird ein Areal auf Blindgänger untersucht. Es gebe historische Hinweise, dass Bomben in dem Bereich liegen könnten, heißt es. Blindgänger und Munition im Boden bedeuten ein hohes Risiko bei der Durchführung der Arbeiten. Um die Suche zu erleichtern, wurden schon jetzt die Bäume auf einer Fläche von etwa vier Hektar gefällt – die im Rahmen der geplanten Maßnahmen sowieso der Säge zum Opfer gefallen wären. Sobald die Fläche untersucht ist, werden die Stümpfe entfernt. Nach der Brutsaison 2021 sollen die Arbeiten fortgesetzt werden.

Nach dem zweiten Weltkrieg ist im Venn ja auch weiter Torf abgebaut worden. Dabei ist nichts entdeckt worden

Christoph Rückriem von der Biologischen Station Zwillbrock

Auf deutscher Seite des Amtsvenns gibt es übrigens bislang keine Hinweise auf nicht entdeckte Blindgänger. „Nach dem zweiten Weltkrieg ist im Venn ja auch weiter Torf abgebaut worden. Dabei ist nichts entdeckt worden“, sagt Christoph Rückriem von der Biologischen Station Zwillbrock auf Anfrage der WN. Er hält die Wahrscheinlichkeit daher für gering, dass man hier explosive Stoffe finden würde. Venn-Arbeiten wie in den Niederlanden stehen aktuell nicht an.

Prähistorische Zeugnisse im Amtsvenn

Nicht nur Experten des niederländischen Kampfmittelräumdienstes sind übrigens im niederländischen Teil des Amtsvenns gefragt, auch Archäologen begleiten die Arbeiten. Es sind dort nämlich Reste prähistorischer Siedlungen und Grabhügel erhalten geblieben.

Bis zum Beginn der Bronzezeit wohnten Menschen am Rand des Amtsvenns. In der Eisenzeit zogen sie etwas weiter in Richtung Westen zu einer Moräne.

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