42-Jähriger muss sich vor dem Landgericht verantworten
„Die Stimme sagte: ‚Hau drauf!‘“

Gronau/Münster -

Der Mann hat die Statur eines Bären, aber die Körpersprache eines Kaninchens, als er am Donnerstagmorgen den Gerichtssaal betritt. Hier vor dem Landgericht Münster muss er sich für Taten verantworten, die er an drei aufeinanderfolgenden Tagen im Mai dieses Jahres begangen hat.

Donnerstag, 19.11.2020, 18:24 Uhr aktualisiert: 20.11.2020, 17:15 Uhr
Zwei Mal sorgten die Taten des 42-jährigen Beschuldigten für Polizeieinsätze. Dabei wurden am 25. Mai auch zwei Beamte verletzt. Tags darauf kam die Polizei
Zwei Mal sorgten die Taten des 42-jährigen Beschuldigten für Polizeieinsätze. Dabei wurden am 25. Mai auch zwei Beamte verletzt. Tags darauf kam die Polizei Foto: Guido Kratzke

 

Mit Steinen und einem anderen „gefährlichen Gegenstand“ ist er auf Menschen losgegangen. Versuchte, sie am Kopf zu treffen und hinterließ in mehreren Fällen blutige Wunden. Da die Staatsanwaltschaft davon ausgeht, dass der Beschuldigte aufgrund einer psychischen Erkrankung nicht in der Lage ist, das Unrecht seiner Taten einzusehen, hat sie die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus beantragt (siehe Info-Kasten).

„Gefahr für die Allgemeinheit“

Beim Prozessauftakt verlas der Staatsanwalt die Begründung des Antrags. Er gehe davon aus, dass mit weiteren Taten durch den Beschuldigten zu rechnen sei. Er sei eine Gefahr für die Allgemeinheit.

Begonnen hatte die Serie von gefährlichen Körperverletzungen am frühen Morgen des 24. Mai. Der Beschuldigte, der zu dieser Zeit noch in einer Unterkunft für ausländische Arbeitnehmer untergebracht war, geriet mit einem Kollegen aneinander. Im Verlauf der zunächst verbalen Auseinandersetzung schlug er mit einem Metallgegenstand zu und traf sein Gegenüber an der Lippe. Diese platzte auf und musste später genäht werden. Am Tag darauf kam der Chef des Beschuldigten zu der Unterkunft. Diesmal war wohl ein Streit um Geld, das der Chef dem Mann vorenthalten haben soll, der Auslöser für einen Angriff. Obwohl schon hinzugerufene Polizeibeamte vor Ort waren, ging der Beschuldigte mit einem Stein auf seinen Chef los und traf ihm am Kopf. Auch die Polizeibeamten, die den Mann sodann niederrangen, wurden von ihm verletzt. Da seine Taten auch den Rauswurf aus der Unterkunft nach sich zogen, wurde der heute 42-Jährige in eine städtische Unterkunft für wohnungslose Männer gebracht. Hier übernachtete er und griff schon am nächsten Tag wieder zu einem Stein. Damit schlug er von hinten auf den Kopf eines Mannes, der am Boden kniete, weil er an den Fußleisten arbeitete. Im Nachgang dieser Attacke gab es noch eine Auseinandersetzung mit zwei weiteren Männern aus der Unterkunft, die ebenfalls Verletzungen davontrugen. Dann trafen Polizeibeamte ein und nahmen den Beschuldigten mit. Zurzeit ist er in einer psychiatrischen Klinik untergebracht.

Medikamente abgesetzt

Der Verteidiger des Mannes räumte ein, dass sein Mandant schon lange psychisch krank sei und entsprechend behandelt worden sei. Doch dann habe er seine Medikamente abgesetzt – mit den fatalen Folgen. Der Beschuldigte gab die Taten im wesentlichen zu. Er sagte, ihm sei es zur Tatzeit sehr schlecht gegangen. Er habe Stimmen in seinem Kopf gehört, die ihn zu den Taten aufgefordert hätten. Einmal seien es die Stimmen seiner verstorbenen Eltern gewesen, die über den am Boden Knienden gesagt hätten: „Das ist der Teufel. Hau drauf!“

Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus

Die Voraussetzungen für eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus sind sehr hoch gesteckt. Sie werden im Paragraf 63 des Strafgesetzbuchs geregelt. Dort heißt es, dass ein Täter nur in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden darf, wenn „von ihm infolge seines Zustandes erhebliche rechtswidrige Taten, durch welche die Opfer seelisch oder körperlich erheblich geschädigt oder erheblich gefährdet werden oder schwerer wirtschaftlicher Schaden angerichtet wird, zu erwarten sind und er deshalb für die Allgemeinheit gefährlich ist“. Eine Strafe ist die Unterbringung gleichwohl nicht, denn der Täter muss außerdem im Zustand der Schuldunfähigkeit bzw. verminderten Schuldfähigkeit gehandelt haben. Die Unterbringung erfolgt zeitlich unbefristet. Sie wird aber regelmäßig unter Hinzuziehung eines Gutachters überprüft.

...

er als auch der Beschuldigte selbst betonten mehrfach, wie unangenehm dem 42-Jährigen die ganzen Vorfälle seien. „Es tut mir sehr leid, was da passiert ist. Ich weiß gar nicht, wie ich mich genug dafür entschuldigen kann“, beteuerte der Beschuldigte.

Der Prozess wird am 11. Dezember fortgesetzt.

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