Budgetbericht des Kämmerers
Gesunde Verschuldung und Wachstumsschmerzen

Gronau -

Verkehrte Welt: Da nimmt die Stadt Gronau zusätzliche Kassenkredite zur Liquiditätssicherung in Anspruch – und bekommt dafür noch Geld heraus. Grund sind die derzeit negativen Zinssätze. Ein kleiner Lichtblick in für die Stadt finanziell eher mauen Zeiten

Donnerstag, 19.11.2020, 18:24 Uhr aktualisiert: 20.11.2020, 17:15 Uhr
Die Gewerbesteuereinnahmen gehen derzeit zurück.
Die Gewerbesteuereinnahmen gehen derzeit zurück. Foto: dpa

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Corona ist einer der Faktoren, die aktuell Auswirkungen auf die städtische Finanzentwicklung haben. Der Gewerbesteuerertrag hängt schließlich von der wirtschaftlichen Entwicklung der örtlichen Unternehmen ab. Viele Branchen wie der Einzelhandel und die Gastronomie spüren die Folgen der Corona-Beschränkungen. Allein bei der Gewerbesteuer prognostiziert der Kämmerer laut aktuellem Budgetbericht einen um drei Millionen Euro niedrigeren Ertrag – 49 statt 52 Millionen Euro. Doch es könnte schlimmer sein: „Wir sind noch glimpflich davongekommen“, sagt Jörg Eising auf Anfrage der WN . Die Branchenvielfalt in der lokalen Wirtschaft führt dazu, dass die Gewerbesteuereinbrüche in der Rezession abgefedert werden.

Gut gefüllte Ausgleichsrücklage

Land und Bund haben außerdem zugesagt, Ausfälle zu erstatten. Einige Regularien sind außer Kraft gesetzt worden, so dass die negativen Entwicklungen nicht gleich eine Nachtragssatzung für den Etat nach sich zieht. „Außerdem haben wir nicht zuletzt durch den guten Abschluss 2019 – 2,5 Millionen Euro Plus – eine gut gefüllte Ausgleichsrücklage.“ Dennoch macht sich der Kämmerer nichts vor: „Das nächste Jahr wird hart werden“, sagt er voraus.

Das nächste Jahr wird hart werden.

Kämmerer Jörg Eising

Seit Anfang des Jahres sind die Schulden von 75,3 Millionen auf 93,8 Millionen Euro (Stand 30. September) gestiegen. Doch das ist in den Augen von Eising „eine gesunde Verschuldung“. Denn die Stadt hat mit vielen Millionen Grund erworben, der zum Teil Bauland werden wird. „Gronau ist ein Ort, der weiter wächst“, so der Kämmerer. Mit Auswirkungen auf Wohnungsbau, Gewerbegebiete, Kitas und Schulen. „Die Schulden kann man als Wachstumsschmerzen bezeichnen.“ Für Eising sind die erworbenen Flächen eine Art stille Reserve. Wenn sie entwickelt und dann veräußert werden, dürfte die Stadt von den Gewinnen profitieren.

Die Finanzsituation bei einigen städtischen Gesellschaften wird durch die Pandemie ebenfalls beeinflusst. Kulturbüro und Rock‘n‘ Popmuseum sind und auf Finanzspritzen angewiesen. Das Eigenkapital ist bereits im Sommer auf 325 000 bzw. 175 000 Euro erhöht worden (wir berichteten).

Die Stadtwerke haben derweil mit den Folgen der Bäderschließungen zu kämpfen, die zu niedrigeren Umsatzerlösen führen. Dennoch gilt die wirtschaftliche Situation der Stadtwerke als positiv. Das Planergebnis kann erreicht werden. Es bestehen aber Risiken, insbesondere bei einem strengen Lockdown und einer möglichen Insolvenzwelle.

Bei der Beschäftigungsgesellschaft „Chance“, die vor einem Restrukturierungsprozess steht, wird mit einem negativen Jahresergebnis von 191 000 Euro gerechnet. Bei der WTG werden Mietausfälle für das Wirtschaftszentrum erwartet.

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