Bänke stehen wieder in der St.-Antonius-Kirche
Eine gewichtige Fracht

Gronau -

Während der Renovierung der St.-Antonius-Kirche harrten die ausgelagerten Sitzbänke in einer Halle des Logistikunternehmens Hamacher aus. Am Samstag haben fleißige Helfer die gewichtige Fracht zurück ins Gotteshaus gebracht. Dafür wurde sogar der Markt verlegt.

Sonntag, 22.11.2020, 17:30 Uhr aktualisiert: 24.11.2020, 12:05 Uhr
In der Lagerhalle bei Hamacher, wo die Bänke zwischengelagert waren, erleichterte eine „Ameise“ die Arbeit der Helfer.
In der Lagerhalle bei Hamacher, wo die Bänke zwischengelagert waren, erleichterte eine „Ameise“ die Arbeit der Helfer. Foto: Angelika Hoof

Während sich viele Gronauer am Samstagmorgen gegen 8 Uhr noch einmal im Bett umdrehen, steht bei den Mitgliedern des Kirchenvorstandes und des Pfarreirates der St.-Antonius-Gemeinde ein ungewöhnlicher Arbeitseinsatz an: die Rückholung von 34 Kirchenbänken aus einer Halle des Logistik-Unternehmens Hamacher.

Anfangs hilft die „Ameise“ mit

Neben vier Ehrenamtlichen der Pfarrgemeinde hatten sich vom Logistik-Unternehmen auch Personalleiter Andreas Baumann , Lagermeister Thomas Kernebeck sowie Lagermitarbeiter Mike Marquardt in der Lagerhalle fünf eingefunden. Dort nämlich waren die Bänke während der Renovierungsarbeiten in der Kirche zwischen unzähligen Säcken, Leerpaletten, Boxen und Kartonagen eingelagert worden. „Ein großer Tag für die 4,20 Meter langen und über einhundert Jahre alten Sitzgelegenheiten, die wir mit zwei Lkw in mehreren Fuhren zurücktransportieren werden. Acht weitere acht Meter lange Bänke wird die Schreinerei Rövekamp noch zwecks Einkürzung unter ihre Fittiche nehmen“, erläutert Andreas Baumann, der in seiner Freizeit ebenfalls im Kirchenvorstand aktiv ist. Mithilfe eines Gabelstaplers werden die Bänke auf der Ladefläche der Lastwagen verstaut und auf die kurze Reise in die Innenstadt geschickt.

Der Staub muss runter

In der St.-Antonius-Kirche haben derweil weitere Helfer alles vorbereitet, um die gewichtige Fracht in Empfang zu nehmen. Während sich Gabriele Silies und Claudia Conrads im Eingangsbereich direkt um die Entstaubung der Bänke kümmern, gelangen diese anschließend per Rollwagen auf den neuen Holzfußboden im Mittelschiff. „Das helle Holz dieses Fußbodenbelages findet sich in den hellen Marmorfliesen wieder, die rund um das Mittelschiff neu verlegt wurden“, erklärt Wolfgang Lobjinski vom Pfarreirat, während er genau den Abstand – 90 Zentimeter – zwischen den Bänken abmisst, die nun wesentlich luftiger stehen.

Neben vielen Neuerungen werden die Gläubigen aber auch Altvertrautes wiedererkennen: „Den Fußboden im Mittelgang beispielsweise, der aus den alten Fliesen besteht. Wir hätten ihn im Zuge der Renovierung ebenfalls gerne ausgetauscht, aber die Obere Denkmalbehörde hat darauf bestanden, ihn so zu erhalten“, so Lobjinski, ehe er sich den nächsten ankommenden Bänken widmet.

Sitzbänke kehren zurück

1/15
  • Die schweren Bänke wurden in einer Halle des Logistikunternehmens Hamacher eingelagert.

    Foto: Angelika Hoof
  • Am Samstagmorgen weckten Helfer der Kirchengemeinde sie aus ihrem Dornröschenschlaf.

    Foto: Angelika Hoof
  • Mithilfe einer „Ameise“ wurden die Bänke zum Hallentor gebracht.

    Foto: Angelika Hoof
  • Mit Muskelkraft trugen die Helfer die über vier Meter langen Sitzmöbel in bereitstehende Lastwagen.

    Foto: Angelika Hoof
  • Da kann man schon von Umzugshelfern der besonderen Art sprechen.

    Foto: Angelika Hoof
  • Geschafft: Die erste Bank ist im Lastwagen.

    Foto: Angelika Hoof
  • Damit die Lkw bis ans Kirchenportal vorfahren konnten, wurde extra der Wochenmarkt verlegt.

    Foto: Angelika Hoof
  • Vom Lastwagen ging es nun in die Kirche.

    Foto: Angelika Hoof
  • Gabriele Silies und Claudia Conrads entstaubten die Bänke im Eingangsbereich.

    Foto: Angelika Hoof
  • Mit Rollwagen werden die Bänke an ihre neue Position gebracht.

    Foto: Angelika Hoof
  • Wolfgang Lobjinski misst den Abstand zwischen den Bänken aus.

    Foto: Angelika Hoof
  • Bank für Bank füllt sich der Kirchenraum.

    Foto: Angelika Hoof
  • Auch wenn der Altar noch fehlt: Das Foto lässt erahnen, wie der renovierte Innenraum des Gotteshauses wirkt.

    Foto: Angelika Hoof
  • Auch die Seitenschiffe wurden im Zuge der Renovierung neu gestaltet.

    Foto: Angelika Hoof
  • Pastor Michael Vehlken zeigt ein nicht so wuchtiges Sitzmöbel, das auch seinen Platz in der neu gestalteten Kirche finden wird.

    Foto: Angelika Hoof

„Das Jahr ist so schnell vergangen“, bekennt Pfarrer Michael Vehlken, der in diesen Stunden wahrlich ein Wechselbad der Gefühle erlebt. „Es hat unheimlich Spaß gemacht, an der Neugestaltung der Kirche mitzuwirken. Außen hui, innen pfui war gestern. Mit der Renovierung des Kircheninnenraums haben wir dafür gesorgt, dass dieser nun modern aussieht und einladend wirkt. Neben Andacht und Besinnung möchten wir den Christen auch die Möglichkeit geben, sich hier zu präsentieren. Ist die Kirche ein Ort zum Wohlfühlen, geht man auch gerne dort hin“, betont Vehlken auch mit Blick auf die Seitenschiffe, die sich dem Wandel ebenfalls nicht verschließen konnten. So mussten die vier dunklen Beichtstühle weichen. Im linken Schiff hat die Figur des Heiligen Antonius bereits ihren neuen Platz eingenommen. In der gegenüberliegenden Nische im rechten Schiff soll eine „Tauf- und Sterbegedächtnis-Wand“ entstehen. „Mit kleinen Namenstafeln möchten wir hier der Neugeborenen und Verstorbenen eines Jahres gedenken. Die Tafeln werden schließlich den Angehörigen übergeben, mit denen wir gerne ins Gespräch kommen möchten“, erläutert Pfarrer Vehlken und blickt auf die bislang noch kahle, hellbeige Wand. In seinem inneren Auge sieht er indes schon die Tafeln in blau (für die Geborenen), violett (für die Verstorbenen) sowie gelb (für die Hoffnung und Auferstehung) vor sich. Daneben wird zudem ein Glasschrein entstehen, in dem die Öle aufbewahrt werden, die in der Liturgie bei der Feier bestimmter Sakramente verwendet werden. „Wir möchten sie nicht länger in der Sakristei verstecken. Sie sollen für jedermann sichtbar zu sehen sein“, so Vehlken.

Die offizielle Altarweihe, verbunden mit einem großen Gemeindefest, haben wir für den 22. August 2021 vorgesehen.

Pfarrer Michael Vehlken

Dass die Renovierungsarbeiten längst noch nicht abgeschlossen sind, ist unschwer an einem Schild mit der Aufschrift „Frisch gestrichen“ zu erkennen. Auch der Aufbau des neuen Altars aus ägyptischem Kalkstein ist erst für den kommenden Donnerstag vorgesehen. Dennoch ist sich Pfarrer Vehlken sicher, dass die Gemeinde am ersten Advent den Gottesdienst wieder in der farbig illuminierten und mit besserer Akustik ausgestatteten Kirche feiern wird. „Die offizielle Altarweihe, verbunden mit einem großen Gemeindefest, haben wir für den 22. August 2021 vorgesehen. Dann werden wir nachholen, was bislang aufgrund der Corona-Pandemie nicht ging“, verspricht Vehlen.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7689891?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F103%2F150%2F
Nachrichten-Ticker