Abendrealschüler des Driland-Kollegs orientieren sich im Fach Arbeitslehre in Gronau-Epe
Wichtiger als ein Ferrari

Epe -

25 Kilogramm Futter benötigt ein Bulle pro Tag, 800 Euro kostet der Jungbulle im Einkauf und über 100 000 Euro zahlt ein Landwirt für einen neuen Trecker.

Sonntag, 29.11.2020, 19:09 Uhr aktualisiert: 02.12.2020, 19:07 Uhr
Jan Schulze-Dinkelborg erklärte
Jan Schulze-Dinkelborg erklärte Foto: Driland-Kolleg

Es sind vor allem diese Zahlen, die die Studierenden des Driland-Kollegs bei ihrer Betriebsbesichtigung im Bullenmast-Betrieb beeindrucken. Das Bild, mit dem die jungen Erwachsenen auf den Hof der Familie Schulze-Dinkelborg nach Epe gekommen sind, war eher klischeehaft-romantisch.

Vor allem Planung und Kalkulation

„Landwirtschaft heute heißt aber vor allem Planung und Kalkulation – mal abgesehen vom direkten Umgang mit den Tieren“, erläutert Jan Schulze-Dinkelborg. Er betreibt mit seiner Frau Silke den ältesten Bauernhof Epes. Auf stolze 825 Jahre kann die Landwirtschaft hier zurückblicken.

Trotzdem ist nichts eingefahren oder verknöchert. Offen und herzlich zeigt der Hausherr den jungen Studierenden aus Gronau, was nötig ist, um einen funktionierenden Nährstoffkreislauf in einem konventionellen Landwirtschaftsbetrieb zu gewährleisten: Das Ausbringen der Gülle, das Anpflanzen von Mais und Getreide als späteres Futter und der Einkauf junger Tiere.

Zusammenhang zur Lasagne

Am Ende die Vorbereitung für die Schlachtung. Vielen Studierenden geht erst jetzt der Zusammenhang zum Hackfleisch in ihrer Lasagne auf: Hier entsteht tatsächlich das Essen, das auf unseren Tellern landet. Wie komplex die Handlungen sind, die dafür nötig sind, erstaunt die Studierenden des ersten Semesters der Abendrealschule am Vormittag.

Was ihnen ihr Lehrer Thomas Leuker vom Driland-Kolleg im Fach Arbeitslehre nur theoretisch vermitteln kann, wird hier während einer Betriebsbesichtigung lebendig: reale Arbeitsabläufe und Planungsaufgaben eines mittelständischen Betriebs im Bereich der Landwirtschaft.

Hohe Kosten für landwirtschaftliche Geräte

Die Bullenzucht ist sicher nicht etwas für jeden, aber ein Einblick hinter die Kulissen eines Betriebs kann ihnen doch Perspektiven bieten, die hier zum Greifen nahe sind.

Zu Beginn der Führung hatte der 26-jährige Samir Fleige aus Steinfurt sich angesichts der hohen Kosten für landwirtschaftliche Geräte schon gefragt, ob das Geld nicht besser in einen Ferrari investiert werden könnte. Nach den Erklärungen des Landwirts jedoch steht auch für ihn der Wert der Fleischproduktion dem schönen Glanz italienischer Edelkarossen gegenüber und sein Erstaunen über die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der Geräte zeigt, dass auch er einsieht, dass der Ferrari auf dem Acker nicht mithalten könnte.

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