Durchsuchung auch in Gronau
Niederländische Polizei zerschlägt Partydrogen-Bande

Amsterdam/Gronau (dpa/lnw) - Niederländische Ermittler haben eine Drogen-Bande hochgehen lassen und 350 Kilogramm Ketamin mit einem geschätzten Straßenwert von acht Millionen Euro beschlagnahmt. Insgesamt habe es in 13 Orten der Niederlande sowie im westfälischen Grenzort Gronau Durchsuchungen gegeben. 

Freitag, 04.12.2020, 15:34 Uhr aktualisiert: 04.12.2020, 16:28 Uhr
Blaulicht auf einem Polizei-Fahrzeug.
Diese Behälter mit Abfallstoffen aus der Drogenproduktion wurden im Juli am Dornhagen abgeladen. Foto: Polizei Borken

In Gronau hatten Unbekannte im Juli große Mengen an Abfällen aus einem Drogenlabor entsorgt . Das sei die größte Menge dieses illegal als Partydroge verwendeten Arzneistoffs, die jemals in den Niederlanden sichergestellt werden konnte, teilte die Polizei am Freitag mit.

Im Juli wurde in Gronau beobachtet, wie auf dem Wirtschaftsweg „Dornhagen“ zwischen der Alstätter Straße und dem Amtsvennweg Tanks, Müllsäcke und Kanister abgeladen wurden. Der Täter, der die insgesamt rund fünf Tonnen Abfälle dort entsorgte, konnte damals nicht ermittelt werden – nur, dass sein Fahrzeug niederländische Kennzeichen hatte. Bei der Untersuchung der Abfälle stellte sich heraus, dass sie wohl aus einem Drogenlabor stammen.

Größter Ketamin-Fund der niederländischen Geschichte

Seit Freitag ist klar, dass der Müll aus den Labors eines Drogenrings stammt, der jetzt von der Polizei in Noord-Holland aufgedeckt wurde – und ihr den größten Fund der Partydroge Ketamin, der jemals in den Niederlanden gemacht wurde, bescherte: 350 Kilogramm mit einem Straßenwert von mehr als acht Millionen Euro.

Darüber hinaus war die aus neun Männern und zwei Frauen bestehende Bande auch am Handel mit Kokain, Amphetamin und Methamphetamin beteiligt. Die verhafteten Verdächtigen sind zwischen 25 und 60 Jahre alt und wohnen in Hoofddorp, Heemskerk, Zandvoort, Amsterdam, Den Haag und Zwolle. Insgesamt wurden dafür 14 Wohnungen und Geschäftsräume durchsucht – angeblich auch eine Wohnung in Gronau. Dazu konnte die deutsche Polizei am Freitag allerdings keine Angaben machen.

Chrystal-Meth-Labor in der Provinz Drenthe

Das auch als Chrystal Meth bekannte Metamphetamin wurde in einem Labor in der Provinz Drenthe hergestellt – von mexikanischen „Gastarbeitern“: „Sie sind schon lange mit den Produktionsmethoden vertraut“, erklärt Untersuchungsleiter Jos Preekel in einem Video der Polizei Noord-Holland den Grund. Metamphetamine seien in den Niederlanden nicht sehr gefragt, die Produktion sei wohl hauptsächlich für den Export in andere Länder bestimmt gewesen.

Seit Juni 2018 waren die Ermittler der Bande auf der Spur, lange ohne echte Erfolge. „Die Gruppierung war sehr vorsichtig, es war schwer, ihre Arbeitsweise zu durchschauen“, sagt Preekel. Im Februar 2019 konnten zwar bereits 400 Kilo Kokain beschlagnahmt werden, die Drahtzieher blieben jedoch im Dunkeln und machten weiter.

Zu Hilfe sei der Polizei der Hack des von Kriminellen genutzten Encrochat-Netzwerks am Anfang dieses Jahres gekommen: Dadurch hätten sie Nachrichten verfolgen und die Standorte der Gruppe sichtbar machen können. Außer dem Ketamin wurden jetzt 100 000 Euro Bargeld, mehrere Luxus-Autos, zwei Handfeuerwaffen und Designer-Kleidung sichergestellt.

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