Konzept hilft bei der Integration von Schulkindern
Beim Spielen sind alle gleich

Gronau -

Der Integrationspreis „Gronau verbindet“ geht in diesem Jahr an die Martin-Luther-Schule, die das Projekt „1 to move“ einsetzt. Das hat der Integrationsausschuss am Mittwochabend in nicht-öffentlicher Sitzung entscheiden. Für den Preis war auch Cordula Viek für ihr Engagement in der Flüchtlingsarbeit vorgeschlagen worden. Die WN stellen beide Bewerbungen vor. Der Gronauer Integrationspreis ist mit 900 Euro dotiert.

Donnerstag, 10.12.2020, 19:26 Uhr aktualisiert: 11.12.2020, 20:17 Uhr
Auf dem Schulhof der Martin-Luther-Schule wird gemeinsam gespielt
Auf dem Schulhof der Martin-Luther-Schule wird gemeinsam gespielt Foto: Martin-Luther-Schule

Integration ist so einfach – wenn man weiß, wie‘s gemacht wird. Die Martin-Luther-Schule in Gronau hat ausgezeichnete Erfahrungen mit einem uralten Konzept gemacht: Spielen. Auf dem Schulhof.

Die Grundschule im Stadtwesten steht permanent vor gewaltigen Integrationsaufgaben. Von den 206 Kindern haben 177 einen Migrationshintergrund. Zu Hause sprechen 159 nicht Deutsch. Zusätzlich werden der Schule neu zugewanderte Kinder aus dem Ausland ohne Deutschkenntnisse zugewiesen. Diesen Kindern fällt es oft schwer, Anschluss zu finden. Mit der Einführung des Konzepts „1 to move“ hat sich das geändert. „Spiel ist die gemeinsame Sprache“, sagte die kommissarische Schulleiterin Elisabeth Aktan am Mittwoch im Integrationsrat. „Beim Spielen sind alle gleich.“

Spielen in farbigen Zonen

Auf dem Schulhof sind Zonen mit unterschiedlichen farbig markiert. Jede Farbe steht für eine Spielform: In der blauen Zone können die Kinder alleine spielen. Diabolo zum Beispiel oder Seilspringen. In der gelben Zone wird ebenfalls allein gespielt, aber abwechselnd, der Reihe nach. Spielgeräte werden nacheinander genutzt, hier sind Geduld und Rücksicht gefragt. Orange: Hier wird gemeinsam mit allen gespielt. Es gibt keine Gewinner oder Verlierer.

Im grünen Bereich versuchen alle Spieler in Teams, ein gemeinsames Ziel zu erreichen. In den roten Zonen geht es schließlich gegeneinander. Hier sollen sich Schüler im Wettbewerb mit anderen messen können. „Das fordert das höchste Maß an sozialer Kompetenz und Fairplay.“ In den weißen Ruhezonen können sich die Kinder schließlich nach dem aufregenden Spiel entspannen.

Elisabeth Aktan und Schulsozialarbeiter Sebastian Orthaus sind von dem Konzept überzeugt. Drittklässler sind zu Juniorcoaches ausgebildet. Sie bauen die Stationen auf, leiten die Spiele an, motivieren und wirken als Schiedsrichter. „Wir Großen beaufsichtigen nur“, so Orthaus.

Die Kinder sind zwei Tage an der Schule, gucken zu, wie es funktioniert und spielen mit – und schon sind sie integriert.

Kommissarische Schulleiterin Elisabeth Aktan

Sprachliche und kulturelle Unterschiede verlieren im Spiel ihre hemmende Wirkung. Das in den Niederlanden entwickelte Angebot setzt zudem darauf, dass sich die Kinder in der Pause mehr bewegen. Die Effekte sind auf vielen Ebenen spürbar: Das Gemeinschaftsgefühl wird gesteigert, die interkulturellen Kompetenzen erweitert. Teamfähigkeit und Hilfsbereitschaft werden erlernt, Regeln und Fairplay eingeübt. „Es gibt weniger Konflikte“, hat Orthaus festgestellt. „,1 to move‘ motiviert und gibt der Pause Struktur.“ Das gemeinsame Spielen erleichtert das Lernen der deutschen Sprache. Nicht zuletzt hat die Bewegung selbst positive Effekte auf die Konzentrationsfähigkeit im Unterricht.

„Die Kinder können frei wählen, was sie spielen und ob sie überhaupt mitmachen wollen“, betonte Orthaus. „Wir reflektieren, was gut angenommen wird.“

Elisabeth Aktan kam regelrecht ins Schwärmen. „Die Kinder sind zwei Tage an der Schule, gucken zu, wie es funktioniert und spielen mit – und schon sind sie integriert.“

Respekt für Engagement von Cordula Viek

 

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