Ein nicht ganz ernst gemeinter Jahresvorausblick
Was uns 2021 erwartet

Gronau -

Die Zeit der Rückblicke auf das Jahr 2020 ist vorbei – das neue Jahr hat begonnen. Zeit für einen Vorausblick. Was können Gronau und Umgebung in den nächsten Monaten erwarten? Die WN-Redaktion hat einen nicht ganz ernst gemeinten Blick in die Kristallkugel geworfen – und Erstaunliches erblickt.

Freitag, 01.01.2021, 17:06 Uhr aktualisiert: 01.01.2021, 18:33 Uhr
Was wird uns 2021 erwarten?
Was wird uns 2021 erwarten? Foto: Heinrich Schwarze-Blanke

Januar: Das traditionelle Drei-Königstreffen der örtlichen Schützenvereine findet wegen Corona als Videozusammenkunft statt. Es wird beschlossen, den Stadtkaiser nicht unter der Vogelstange zu ermitteln, sondern ihn per Ballerspiel am Computer auszuschießen. Die Onlinedienste registrieren am Tag darauf einen ungewöhnlich hohen Datenfluss im Bereich Gronau: Das Computerspiel „Moorhuhn“ wird zigtausendfach heruntergeladen und erlebt ein nie erwartetes Comeback.

Beim virtuellen CDU-Bundesparteitag kommt es zu einer Überraschung: Die Delegierten wählen per Zoom-Akklamation Jens Spahn zum Vorsitzenden der Partei. Spahn hatte eigentlich Armin Laschet bei dessen Kandidatur unterstützen sollen Doch seine fulminante Rede reißt die Delegieren. „Er hat so eine ansteckende Art“, schwärmt eine Delegierte.

Februar: Der Präsident des Bürgerausschusses Karneval, Ralf-Udo Blöding, ist überglücklich: Die Behörden geben grünes Licht für den Gronauer Karnevalsumzug. Allerdings unter Corona-Auflagen: Kamelle müssen virenresistent verpackt werden. Neben Mund- und Nasenbedeckung sind auch schalldichte Ohrenstöpsel zu tragen: Die Karnevalsschlager sollen schließlich keine Chance haben, auch nur die geringste Schunkeltätigkeit auszulösen, die den Mindestabstand von zwei Metern gefährden würde. Auch laute Rufe wie „Helau“ oder „Pilau“ sind durch die CKV, die Corona-Karnevals-Verordnung, wegen der damit zusammenhängenden Aerosolverbreitung strengstens untersagt. Die Karnevalsgruppen aus Losser passieren die Grenze auf allen Vi(e)ren.

März: Sensationeller Fund in Epe : Bei Grabungsarbeiten für das neue Sportzentrum in der Gerdingseite werden Überreste eines Urmenschen entdeckt. Erste Untersuchungen lassen darauf schließen, dass es sich um einen Denisova-Menschen handelt, der wohl vor rund 700 000 Jahren durch die Gegend streifte. „Damit“, so der Heimatverein Epe in einer Stellungnahme, „dürfte nun endgültig geklärt sein, dass Epe älter ist als Gronau. Die Markenfort-Funde sind schließlich bedeutend jünger.“

April: Der Gronauer Corona-Leugner Günter W. ruft zu einer Querdenker-Demonstration auf – ist aber schwer enttäuscht, dass neben ihm nur drei stadtbekannte AfD-Anhänger ohne Maske vorm Rathaus auftauchen, die mit ihm fordern, germanische Heilkunst gegen die „harmlose Grippe“ anzuwenden. „Kein Wunder, dass es nicht mehr waren“, kommentieren die WN . „Man muss sich ja schon fremdschämen für das, was W. verbreitet. Der Peinlichkeit, damit in Verbindung gebracht zu werden, will sich doch niemand öffentlich aussetzen. Wenn die Querdenker doch mal endlich das täten, was sie von anderen fordern: Nachdenken!“

Mai: Es wird heiß. Die Stadtwerke eröffnen nicht nur das Bültenbad in Epe, sondern auch das Parkfreibad. Drilandsee und Wasserlabyrinth werden von überhitzten Gronauern und Eperanern überrannt. Die Stadtwerke werden beauftragt, für die nächste Saison ein weiteres Bad zu errichten.

Die Konzerte des Jazzfestes finden unter freiem Himmel statt. Die Waldbühne auf dem Laga-Gelände entwickelt sich zu einer Kultstätte: Die Zuhörer sitzen auf der Pyramide, Klangmanager Jürgen Brüning sorgt durch eine revolutionäre Soundtechnik für ein unvergleichliche Akustik. Das spricht sich in Musikerkreisen herum. Jazzfest-Organisator Otto Lohle kann sich in der Folge vor Anfragen renommierter Musiker kaum retten. Sie alle wollen in Gronau spielen.

Juni: Bürgermeister Rainer Doetkotte kommt eine besondere Ehre zu. Bei der verschobenen Fußball-EM hat Gronau, da ohnehin noch keine Zuschauer zugelassen sind, aufgrund seiner Grenznähe den Zuschlag erhalten, auf dem neuen Kunstrasenplatz der SG das Länderspiel Deutschland-Niederlande auszurichten. Der Bürgermeister darf als Einlaufkind den Ball zum Anstoßpunkt tragen. Da er eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen muss wird er von Unkundigen allerdings mit Philip Lahm verwechselt.

Juli: Der neue Stadtkaiser der Schützenvereine steht fest. Es ist jedoch keiner der amtierenden Majestäten. Vielmehr hat sich ein Jungschütze aus dem Buterland durchgesetzt, der sich in die Computerrunde der Königinnen und Könige eingehackt hat und beim Moorhuhnschießen das beste Ergebnis erzielt hat.

Corona-Leugner Günter W. hat sich mit dem Virus infiziert, weigert sich aber, der Realität ins Auge zu blicken. Für die Symptome macht er vielmehr die Mainstreammedien verantwortlich, die durch Übertragung unsichtbarer Strahlen Atemnot, Verlust des Geschmackssinns, Glieder- und Organschmerzen verursacht hätten. Das habe er im Internet gelesen.

August: Auch wenn mittlerweile viele Impfwillige ihre Spritzen erhalten haben, so reagieren einige Urlaubsländer immer noch reserviert gegenüber Touristen aus anderen Ländern. Die Folge: Urlaub in Deutschland ist populär wie nie. Der Drilandsee bekommt dies zu spüren. Auch wenn gleich mehrere Baukräne für die neue Gastronomie das Ambiente wenig einladend wirken lassen, kommen vor allem Wohnmobilisten in das Erholungsgebiet. Da die Parkplatzkapazitäten nicht ausreichen, wird kurzerhand das nur schwach frequentierte Parkhaus des Antonius-Krankenhauses an den Rand des Naturschutzgebietes versetzt und bietet dort jetzt sogar die Möglichkeit, vor den Wohnmobilen regen- und sonnengeschützt campen zu können.

September: Die Bundestagswahl endet mit einer Überraschung: Erich Schwartze gewinnt das Direktmandat im Wahlkreis Borken 1/Steinfurt 1. Die WEG – beflügelt durch ihren Erfolg bei der Kommunalwahl 2020 – hatte sich im letzten Moment entschieden, ihren Spitzenkandidaten auch für die nationale Wahl aufzustellen. Schwartze kündigt an, die Gründung eines Archäologieausschusses im Bundestag beantragen zu wollen. Sein ehemaliger Parteifreund Karlheinz Busen ist mit der FDP (Fast drei Prozent) bei der Wahl durchgefallen, wittert allerdings die Chance, bei der Landtagswahl 2022 für die WEG anzutreten und so aus Düsseldorf überörtlich Politik machen zu können.

Oktober: Die Sanierung der Innenstadt ist abgeschlossen. Wasserläufe durchziehen die Neustraße, die Schulstraße und bilden dank eines großen Pumpwerks in der Pumpenstraße einen künstlichen See auf dem Kurt-Schumacher-Platz. Die Stadtwerke beantragen, ihn für die nächste Freibadsaison als drittes Becken nutzen zu dürfen. Doch bevor es soweit ist, bricht der zur Hertie-Grube errichtete Damm. Das Wasser fließt in die Baugrube, die sich mittlerweile zur einer Strandoase inklusive Volleyballfeldern gemausert hatte.

November: Die Ergebnisse eines Gen-Massentests, zu dem der Heimatverein Epe aufgerufen hat, werden bekannt. Es hat sich herausgestellt, dass Walter Arends und Josef Brefeld direkte Nachkommen des Denisova-Menschen sind, dessen Überreste in den Bülten gefunden wurden. Den beiden soll nun ein gemeinsames Denkmal vor der neuen Sportstätte in Epe errichtet werden: lebensgroß mit einer Rekonstruktion des Denisova-Menschen in ihrer Mitte. Dem hat der Volksmund inzwischen übrigens einen Spitznamen verpasst: Pielepatten-Pit. Ein Teil der brisanten Untersuchungsergebnisse wird unter Verschluss gehalten. In Gronau wird gemunkelt, es sei festgestellt worden, dass es zu viele enge verwandtschaftliche Beziehungen in der Südstadt gebe. Stadtsprecherin Gabi Könemann gibt umgehend eine Pressemitteilung mit einer Richtigstellung heraus, bittet allerdings wie so oft darum, sie erst in der Samstagsausgabe der Zeitung zu veröffentlichen.

Dezember: Noch immer ist es nicht gelungen, das Wasser aus der Hertie-Grube abzupumpen. Experten gehen davon aus, dass ein zu schnelles Absenken die Bausubstanz der alten Burgturmmauern gefährden könnte. Das Stadtmarketing nutzt die Gelegenheit und verlegt Kühlrohrleitungen durch das trübe Gewässer und lässt so eine Eisfläche entstehen, wie es sie in vergleichbarer Größenordnung in keiner Nachbargemeinde gibt. Damit gelingt es sogar, die niederländischen Kunden von der Discounter-Meile in die Innenstadt zu locken. Es kommt allerdings nur ein kleiner Teil an, da die meisten nach einigen Stunden Wartezeit vor der Jet-Tankstelle auf der Enscheder Straße resigniert umdrehen und in ihre Heimat zurückkehren. Im Stau stehend, zünden sie bereits das in Massen gekaufte Silvesterfeuerwerk und bereiten den Gronauern damit eine besondere Bescherung.

Martin Borck und Guido Kratzke

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