Proteste gegen Ausgangssperre
Randalierer hinterlassen Spur der Verwüstung in Enschede

Enschede -

Randalierer haben sich am Sonntagabend in Enschede Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert und Sachschäden angerichtet. Gegner der seit Samstagabend geltenden Ausgangssperre hatten über die sogenannten sozialen Medien zu Protesten aufgerufen.

Montag, 25.01.2021, 09:36 Uhr aktualisiert: 25.01.2021, 16:56 Uhr
Ein Randalierer wird an der Raadhuisstraat festgenommen.
Ein Randalierer wird an der Raadhuisstraat festgenommen. Foto: Emiel Muijderman

 

Am Sonntag gegen 20.30 Uhr – eine halbe Stunde bevor die Ausgangssperre begann – versammelten sich auf dem Oude Markt mehrere Dutzend Menschen, berichtet der Twentsche Courant Tubantia. Sie protestierten lautstark gegen die Corona-Maßnahmen der Regierung. Ein Mann beleidigte anwesende Polizeibeamte als „Landesverräter“, woraufhin er abgeführt wurde. Gegen 21 Uhr eskalierte die Situation. Die Randalierer, deren Zahl auf etwa 200 anwuchs, zogen Richtung van-Heek-Plein. Polizisten und ihre Fahrzeuge wurden mit Steinen, Eiern, Feuerwerkskörpern und Steinen beworfen. Das Straßenmobiliar beschädigt. Schaufensterscheiben von mindestens drei Geschäften wurden eingeworfen.

Eine Pressefotografin wurde in der Langestraat angegriffen. „Ich konnte nirgendwo mehr hin. Einer der Randalierer, der einen Kapuzenpullover trug, kam auf mich zu, sah meine Kamera und wollte sie mir wegnehmen.“ Dabei habe er je einmal nach ihr geschlagen und getreten. Ein anderer Mann aus der Gruppe habe gerufen, dass er die „Sch...-Journalistin“ nicht schlagen solle. Die Fotografin konnte sich entfernen und weiterarbeiten.

Auch an anderen Stellen in der Stadt kam es laut Tubantia zu Konfrontationen. Ein Teil der Randalierer zog vor das Krankenhaus. Diese Situation empfanden die Mitarbeiter dort als derart bedrohlich, dass extra Sicherheitskräfte eingesetzt wurden und die Polizei alarmiert wurde. Zu Sachbeschädigungen kam es dort aber nicht.

In der Innenstadt erhielt die Polizei Unterstützung durch ein Einsatzkommando. Insgesamt wurden zwischen 20 und 30 Menschen festgenommen. Erst spät am Abend beruhigte sich die Lage.

Enschedes amtierender Bürgermeister Henk Jan Meijer reagierte mit Abscheu auf die Ereignisse. Der Polizei seien die Aufrufe in den Netzwerken nicht entgangen. Sie sei vorbereitet gewesen, sagte er.

Derweil gibt es Hinweise, dass die Unruhen in den kommenden Tagen weitergehen könnten. Dabei könnte auch das Impfzentrum auf dem Universitätsgelände Ziel der Randalierer werden. Mehrere Ratsfraktionen haben eine Sondersitzung des Stadtrats beantragt.

Die Geschäftsleute in der Innenstadt sind sauer. Ein Geschäftsführer verfolgte am Sonntagabend das Geschehen über die Bewachungskamera seines Ladens. Er ist wütend und hofft, dass härter durchgegriffen wird, sollten sich die Ereignisse wiederholen.

Am Samstagabend war die erste Nacht der Ausgangssperre in Enschede friedlich verlaufen. In anderen niederländischen Orten hatte es allerdings Unruhen gegeben.

 

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