Schuldnerberatung in Gronau
Das dicke Ende kommt noch

Gronau -

Udo Wesbuer ist grundsätzlich optimistisch. Aber mit Blick auf die aktuelle Corona-Situation räumt er ein: „Da kommt noch einiges auf uns zu.“ Wesbuer ist Schuldnerberater und arbeitet bei der Diakonie in Gronau.

Montag, 25.01.2021, 17:21 Uhr aktualisiert: 25.01.2021, 17:54 Uhr

„Ganz vorne an der Front“, was die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie-Bekämpfung angeht. Und auch seine eigene Arbeit hat sich erheblich verändert.

„Beim ersten Lockdown im Frühjahr haben wir mit so einer Art totem Briefkasten gearbeitet, das war wie in einem Agentenfilm“, erzählt er am Telefon mit hörbarem Schmunzeln. Damit Klienten Unterlagen übergeben konnten, ohne dass ein Kontakt zustande kam, hatten die Berater einen Stuhl in den Flur gestellt. Wenn die Klienten im Haus waren, riefen sie an. „Legen Sie Ihre Unterlagen bitte auf den Stuhl“, lautete dann die Bitte aus dem Beratungsbüro. Waren die Menschen wieder draußen, gingen Wesbuer oder seine Kollegin in den Flur, um sich die Unterlagen zu holen.

Schauen Sie mal auf einen Schuldneratlas – wo es besonders rot ist, da ist Gronau.

Schuldnerberater Udo Wesbuer

Nach Wesbuers Einschätzung und Erfahrung, der selbst ein gebürtiger Gronauer ist, ist seine Geburtsstadt in Sachen Schulden ohnehin „ein besonderes Pflaster. Schauen Sie mal auf einen Schuldneratlas – wo es besonders rot ist, da ist Gronau“, sagt er. In der Dinkelstadt sei die Zahl der Menschen, die gewissermaßen von der Hand in den Mund leben, keine Rücklagen haben, einfach größer als anderswo im Münsterland. Das mache sie aber auch anfälliger für Krisen wie die jetzige. Wenn zum Beispiel das reguläre Budget bis zum Monatsende reicht, dann aber das Einkommen etwa durch Kurzarbeit verringert wird, kommen die Menschen schnell in finanzielle Nöte. Denn aus laufenden Verträgen – sei es für Versicherungen oder das Handy – kommen die Menschen nicht heraus und müssen die Forderungen begleichen. Seit Beginn der Pandemie-Bekämpfung kommen deshalb auch spürbar mehr „Durchschnittsmenschen“ in die Schuldnerberatung, hat Wesbuer festgestellt.

Nicht nur auf einzelne Bürger, sonder auf die Stadt als Ganzes sieht Udo Wesbuer Folgen der Krise zukommen. „Die Innenstadt wird sich dauerhaft verändern und zwar nicht, weil da gerade gebaggert wird“, sagt er. Er meint, dass durch die lange Zeit des verordneten Stillstands der Leerstand in der Innenstadt noch größer wird, weil weitere Geschäfte schließen müssen.

Derzeit keine offene Sprechstunde

Weil die Beratungsarbeit für Wesbuer und seine Kolleginnen und Kollegen in aller Regel nicht mehr im Rahmen persönlicher Gespräche stattfinden kann, sondern nur noch schriftlich, per Telefon oder über digitale Medien, gibt es auch keine offene Sprechstunde mehr. Dadurch gibt es inzwischen eine Warteliste, die es früher nicht gab. Wer sich jetzt beraten lassen wolle, müsse rund acht Wochen auf einen Termin warten. Erschwerend kommt für die Diakonie-Mitarbeiter hinzu, dass der Kreis Borken die Mittel für die Schuldnerberatung gekürzt hat. Seit einem Jahr werden sie nicht mehr nach Fallzahlen, sondern nach Einwohnern bemessen, erklärt Wesbuer. So würde der Kreis in Gronau nur noch eine, statt zuvor 1,4 Stellen refinanzieren. „Das sind natürlich Stunden, die uns jetzt fehlen“, sagt Udo Wesbuer.

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