Attentat auf niederländischen Anwalt
33-Jähriger soll Schütze sein

Gronau/Almelo -

Auf den niederländischen Anwalt Philippe Schol wurde im November 2019 in Gronau geschossen. Jetzt hat die juristische Aufarbeitung der Tat begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem mutmaßlichen Täter unter anderem zwei Mordversuche vor.

Mittwoch, 17.02.2021, 19:00 Uhr aktualisiert: 17.02.2021, 19:42 Uhr
Der Tatort kurz nach den Schüssen auf den niederländischen Anwalt am 6. November 2019.
Der Tatort kurz nach den Schüssen auf den niederländischen Anwalt am 6. November 2019. Foto: Klaus Wiedau

Der VW Polo, aus dem im November 2019 in Gronau auf den niederländischen Anwalt Philippe Schol geschossen wurde, gehörte offenbar dem 47-jährigen Bert-Jan ten V. aus Hengelo. Davon ist die niederländische Staatsanwaltschaft überzeugt, wie auf einer vorbereitenden Sitzung des Almeloer Gerichts deutlich wurde. Angeklagt sind ten V. und der 33-jährige Maikel T.T ., ebenfalls aus Hengelo.

Nach dem Attentat wurden an dem Tatfahrzeug Änderungen vorgenommen. So wurde ein auffälliges VW-Zeichen schwarz lackiert und die Felgen wurden gewechselt. Danach wurde das Auto verkauft, berichtet der Twentsche Courant Tubantia.

Den Angeklagten ten V. beschuldigt die Staatsanwaltschaft sowohl des Mordversuchs an Schol als auch eines Mord- bzw. Totschlagsversuchs an Anwesende in einem Fitnesscenter in Losser. Ten V. soll im Oktober 2019 Schüsse auf die Fenster des Fitnesscenters abgegeben haben. Der schwarze BMW des Schützen, der auf Videos von Überwachungskameras zu sehen ist, wird Ten V. zugeordnet.

Hinweise auf Auftragstat

Maikel T.T. soll derjenige sein, der die Schüsse auf Schol abgefeuert hat. Darauf ließen laut Staatsanwaltschaft DNA-Spuren auf dem Beifahrersitz des VW Polo schließen. Ten V. und sein Kumpel Maikel T.T. – beide sitzen in Untersuchungshaft – sollen laut Staatsanwaltschaft regelmäßig im Inkassogeschäft tätig gewesen sein. Außerdem gebe es Hinweise, dass sie im Auftrag eines Mannes tätig waren, der Mörder anheuerte. Dieser wiederum soll im Auftrag zweier Männer gehandelt haben, die im vergangenen Jahr wegen zweier Mordversuche verurteilt worden waren.

Hintergrund der Schüsse auf das Sportcenter in Losser könnten Streitigkeiten zwischen dem jetzigen Eigentümer des Sportcenters und seinem ehemaligen Kompagnon, Ronald B. aus Deurningen, sein. Der jetzige Eigentümer hatte nach einem Konkurs des gemeinsamen Sportcenters einen Neustart ohne B. durchgeführt.

B. soll seinen ehemaligen Geschäftspartner eingeschüchtert haben. Er fuhr mit seinem Pickup-Truck Runden über den Parkplatz. Außerdem erschienen zwei Unbekannte an der Rezeption, die sich dahingehend äußerten, dass der Eigentümer „bezahlen“ müsse.

Der in Gronau wohnende Anwalt Schol war sowohl Konkursverwalter des Fitnes­scenters in Losser als auch des ebenfalls bankrotten „Olympic Gym“ in Hengelo. Bei der Abwicklung der Insolvenzen kam es zu Streit mit Ronald B.

Kugel traf Oberschenkelschlagader

Schol war beschossen worden, als er am Morgen des 6. November 2019 auf der Losserstraße mit seinem Hund Gassi ging. Eine Kugel traf die Oberschenkelschlagader. „Wenn ihm nicht Nachbarn sofort geholfen und die Wunde zugedrückt hätten, wäre er vielleicht noch am Tatort gestorben“, sagte Staatsanwältin Alies Postma.

Es gebe starke Hinweise darauf, dass die Schüsse in Gronau und Losser im Zusammenhang mit der Abwicklung der Insolvenzen zusammenhingen. Im „Olympic Gym“ wurde Schol zufolge Geld gewaschen. Es waren mehr Mitglieder eingeschrieben als tatsächlich vorhanden waren. Der Insolvenzverwalter hielt denn auch Ronald B. persönlich verantwortlich für den Insolvenzschaden in Höhe von gut zwei Millionen Euro.

In wieweit eine Verbindung zwischen B. und den beiden Tatverdächtigen steht, kam bei der Sitzung im Gericht nicht zur Sprache. Gegen die beiden liegen Indizien vor. Neben den vorgenommenen Änderungen an dem Polo die Tatsache, dass sie in den Tagen vor dem Anschlag auf Schol und an dem Tag selbst häufig miteinander telefonierten. An diesem Tag tauschte ten V. zudem sein Handy aus.

Der Prozess soll im Mai fortgesetzt werden. Bis dahin bleiben die Verdächtigen in U-Haft, so der Twentsche Courant Tubantia.

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