Toter bei Feuerwerksexplosion in Enschede
Staatsanwalt fordert 18 Monate Haft

Enschede -

Feuerwerksmaterial, das auf einem Anhänger mit Brennholz liegt, explodiert. Durch herumfliegende Trümmer wird ein 54-Jähriger getötet. Für dieses Unglück soll ein 33-jähriger Enscheder verantwortlich sein. Er muss sich jetzt vor Gericht dafür verantworten.

Donnerstag, 25.02.2021, 19:14 Uhr
Der Explosionsort am Morgen des Neujahrstags 2019: Die Spuren sind noch deutlich zu sehen.
Der Explosionsort am Morgen des Neujahrstags 2019: Die Spuren sind noch deutlich zu sehen. Foto: Martin Borck

Anderthalb Jahre Haft hat die Staatsanwaltschaft am Donnerstag im Prozess gegen einen 33-jährigen Enscheder als Strafe gefordert. Der Mann soll für das Feuerwerksunglück in der Neujahrsnacht 2018/2019 verantwortlich sein. Damals war an der Gerststraat in Enschede ein 54-jähriger Enscheder ums Leben gekommen. Die Verhandlung findet vor dem Almeloer Gericht statt. Das Urteil wird in zwei Wochen erwartet.

In der Unglücksnacht war Feuerwerksmaterial explodiert, das auf einem Anhänger mit Brennholz lag. Durch herumfliegende Trümmer wurde der 54-Jährige getötet, der nur wenige Meter vom Anhänger stand und Videoaufnahmen mit seinem Smartphone machte. Im Umkreis von knapp 30 Metern gingen Fensterscheiben zu Bruch.

Der Hänger gehörte dem jetzt Angeklagten, der in der Nachbarschaft wohnt. Er gab an, dass außer dem Brennholz nur zwei kleine Behälter mit Feuerwerkskörpern auf dem Hänger lagen, die er in einem Gartencenter gekauft habe. Der Mann bestritt, das Feuerwerk angezündet zu haben.

Die Staatsanwaltschaft hält seine Einlassungen für unglaubwürdig. Aus einem Gutachten gehe hervor, dass professionelles Feuerwerksmaterial auf dem Hänger gelegen haben muss. Anders seien die verursachten Schäden nicht zu erklären. So wurde die stählerne Bodenplatte des Hängers so eingedrückt, dass sie die Fahrbahnoberfläche berührte.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass ein bestimmtes Feuerwerksprodukt, eine sogenannte Cakebox, explodiert ist. Feuerwerk, das bei einem Gartencenter nicht erhältlich ist. Ein Foto der Gebrauchsanweisung der Cakebox fanden die Ermittler auf dem Handy des 33-Jährigen. Dafür habe er keine schlüssige Erklärung.

Die Staatsanwaltschaft sieht ausreichende Indizien dafür, dass der Verdächtige das Feuerwerk angesteckt hat. Sein eigener Vater habe eine entsprechende Aussage gemacht. Nachbarn hätten ausgesagt, dass der 33-Jährige auch in den Vorjahren Feuerwerk von seinem Hänger aus angesteckt habe. In einem Video, das das spätere Opfer gemacht hat, hört man ihn sagen, dass „gleich dass große Feuerwerk kommt“.

Weil nicht geklärt ist, was die Ursache für die Explosion der Cakebox gewesen ist, geht die Staatsanwaltschaft von einem Fabrikationsfehler oder falscher Lagerung oder unsachgemäßem Transport aus. Dadurch könne sich das Pulver in der Verpackung mit den anderen Ingredienzien des Materials vermischt haben, so dass es die ungeheure Sprengkraft entwickeln konnte.

Für Vorsatz sieht die Staatsanwaltschaft keine Hinweis. Seine Frau und seine Kinder befanden sich in der Nähe des Anhängers. Seine erste Reaktion nach de er Explosion ließen auf Überraschung und Unglauben schließen.

Dennoch hält die Staatsanwaltschaft ihn der groben Fahrlässigkeit für schuldig und meint, dass er für die Folgen der Explosion verantwortlich ist. Als Strafmaß hält die Anklage anderthalb Jahre Haft für angemessen.

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