Anlaufstelle und Informationsquelle für Zugewanderte und Ehrenamtliche
Mitgestalten für die Mitmenschen

Gronau -

Migration, Integration, Teilhabe – die Initialen der drei Schlagworte bilden das Wörtchen „mit“. Eine wichtige Präposition der neuen Initiative „Mitgestalten“ unter dem Dach der Sozialberatung Gronau. Einer Initiative, der es ums Miteinander geht. Dem Miteinander von Menschen, die schon lange in Gronau leben, und solchen, die neu sind. Dem Miteinander von ehrenamtlich Engagierten untereinander und den hauptamtlichen Kräften in Verwaltungen, Behörden und Institutionen.

Dienstag, 02.03.2021, 17:42 Uhr aktualisiert: 03.03.2021, 16:20 Uhr
Persönliche Begegnungen
Persönliche Begegnungen Foto: privat

„Wir begleiten, vermitteln und schaffen Kontaktmöglichkeiten“, heißt es in einem Folder der Initiative. „So gestalten wir eine tolerante, offene und vielfältige Gesellschaft in Gronau mit.“

Anna Odintsov, Britta Siepmann Carolin Hermes, Ruth Schmedding und Angela Rost gehören zu den Aktiven, die teils schon seit Jahren ihre Mitmenschen unterstützen, die aus ihrer Heimatregion flüchten mussten und in Gronau gelandet sind. Ihnen geht es um Starthilfe, so betonen die fünf Frauen. Ziel ist es, dass die neu Angekommenen auf eigenen Füßen stehen.

Aaaber: Das ist oft leichter gesagt als getan. Nicht dass sich die Zugewanderten sperren würden. Britta Siepmann: „Die Menschen sind voller Hoffnung, wollen durchstarten, die Sprache lernen, arbeiten.“ Sie sind ehrgeizig, wollen zeigen, was sie leisten können. Doch in vielen Fällen bremst der aufenthaltsrechtliche Status sie aus. „Viele sind deshalb deprimiert“, so Angela Rost.

Das kann auch die Ehrenamtlichen frustrieren. „Ich hätte nach einem halben Jahr fast hingeschmissen“, gesteht Ruth Schmedding. Durch die Unterstützung der anderen Helferinnen bekam sie Kraft, weiter mitzugestalten.

Sie wollen ja der Gesellschaft, die sie aufgenommen hat, etwas zurückgeben.

Britta Siepmann

Dieser Geist gegenseitiger Unterstützung prägt die neue Initiative. Will sagen: Man gibt nicht nur, man bekommt auch etwas zurück. Diese Erfahrung haben alle fünf Frauen gemacht. Selbst ganz praktisch: Ein Umzug wurde mit Hilfe der Neuankömmling gewuppt. „Sie wollen ja der Gesellschaft, die sie aufgenommen hat, etwas zurückgeben,“ sagt Britta Siepmann. Einige engagieren sich selbst, zum Beispiel bei der „Tafel“. Die direkte Begegnung mit den dortigen Klienten trägt dazu bei, Vorurteile abzubauen.

Es gibt unterschiedliche Wege, sich bei „Mitgestalten“ einzubringen. Am Beginn steht Unterstützung von Einzelpersonen oder Familien, sich im Alltag zurechtzufinden. Die Initiative organisiert – wenn Corona es wieder zulässt – Begegnungen, Ausflüge und Sprachangebote. „Die Leute möchten einfach Kontakt, um ihre Sprachkenntnisse anzuwenden und auszuweiten. Der Wunsch nach Begegnung ist groß.“ Vielen fehlt die familiäre Anbindung. „Sie haben keine Familie. Alleinerziehende Mütter können nicht auf die Oma oder eine Tante zurückgreifen.

Die Bürokratie – an der ja schon viele Alteingesessene ihre Schwierigkeiten haben – bietet immer wieder Anlass zu helfen. „Und wenn man raus hat, wie man das Formular für die Familienkasse ausfüllt – da wird das schon wieder geändert“, lacht Ruth Schmeddes. Das Ganze entmutigt sie nicht mehr. „Man lernt immer etwas dazu.“ Das Miteinander fördert das gegenseitige Verständnis. Und führt dazu, dass eingefahrene Denk- und Verhaltensmuster infrage gestellt werden.

Die Unterstützung wirkt. Im Lauf der Zeit trauen sich immer mehr der Neuankömmlinge zu, ihre Angelegenheiten selbst in die Hand zu nehmen. „Sie bitten dann höchstens mal darum, bei einem Telefongespräch als Ansprechpartnerin im Notfall dabei zu sein oder Angaben in Formularen zu überprüfen.“

Nicht nur die Formulare ändern sich – die Art der Bedürfnisse ebenfalls. Lag ein Schwerpunkt vor gut fünf Jahren noch bei Sprachvermittlung, sind es heute Probleme, die das Distanzlernen für Schülerinnen und Schüler mit sich bringen: Wie soll das ohne Internetanschluss gelingen?

Und das gesellschaftliche Klima hat sich geändert, haben die Frauen festgestellt. Vor fünf Jahren herrschte noch eine Willkommenskultur, jetzt weht oft ein rauerer Wind.

Wer selbst mitgestalten möchte, Fragen, Ideen oder Kritik hat, kann sich unter   02562 1871481 oder per E-Mail unter info@gronau-mitgestalten.de melden.

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