Online-Konzert aus der Ev. Stadtkirche
Romantische Klangfarben zu swingendem Jazz

Gronau -

Das war eigentlich klar: Wenn Kantor Dr. Tamás Szöcs an der Wilhelm-Sauer-Orgel der Stadtkirche die schwarzen Socken mit dem hellen Violinschlüssel angezogen hat, kommt etwas Besonderes. So war es auch am 1. Mai.

Montag, 03.05.2021, 18:06 Uhr aktualisiert: 04.05.2021, 17:30 Uhr
Peter van den Broek, Tamás Szöcs und
Peter van den Broek, Tamás Szöcs und

„Ich hoffe, wir können Ihnen eine kleine musikalische Impfdosis der Hoffnung verabreichen dafür, dass wir alle bald wieder ein ziemlich normales Leben zurückerhalten“, sprach er vielen Online-Zuhörern an den verschiedenen elektronischen Endgeräten seine besten Wünsche aus.

Diesmal war das Online-Konzert aus der Stadtkirche mit „Dreams & Streams“ überschrieben. Für diese therapeutisch gut gemeinte Maßnahme hatte sich Tamás Szöcs den versierten Tenor-Saxofonisten Peter van den Broek und den Schlagzeuger Helge Dichanz an die Seite geholt; nicht zu vergessen die kleine Holzfigur „Little Joe“, die mit Nasen-Mund-Maske ganz corona-konform einen kleinen Kontrabass umarmte.

Diese schöne Orgel soll sich heute erstmalig in Gronau in diesem Musikgenre mit ihren romantischen Klangfarben als Solo-Instrument und als Element in einem Jazz-Trio präsentieren.

Kantor Dr. Tamás Szöcs

Die 1904 gebaute Wilhelm-Sauer-Orgel, die nun seit einiger Zeit ihren Platz aus Dortmund kommend in Gronau gefunden hat, ist ja mit Blick auf das vorgesehene beschwingt und soulig swingende 1. Mai-Abendprogramm ein Kind des früher 20. Jahrhunderts, in dem der Jazz einen fulminanten Siegeszug antrat. „Diese schöne Orgel soll sich heute erstmalig in Gronau in diesem Musikgenre mit ihren romantischen Klangfarben als Solo-Instrument und als Element in einem Jazz-Trio präsentieren“, machte der Kantor gespannt.

Und der legte dann umgehend mit einem „glänzenden“ Intro zu Duke Ellingtons „Satin Doll“ los. Ganz gekonnt und spielfreudig sprangen ihm Peter van den Broek und Helge Dichanz danach zur Seite und zauberten echtes Jazz-Feeling auf die Orgelbühne. Dass alles auch genauso in Bild und Ton bei den Online-verbundenen Hörern ankam, dafür sorgte das Team von „Audiokonzept“ aus Ahaus. Die „Bühne war in dezentes buntes Licht getaucht und neben der Musikerverfolgung konnten sich die Zuseher an den Endgeräten an interessanten Bildüberblendungen erfreuen.

Notenstarkes Trio

Im Mittelpunkt stand aber das notenstarke Trio „Szöcs-van den Broek-Dichanz“, das beschwingt durch Songs von Cole Porter („Night and Day“), Morris Albert („Feelings“), Stevie Wonder („You Are the Sunshine of My Life“) und Henry Mancini („Moon River“) schlenderte. Hoch interessant und unterschiedliche Musikgenres miteinander verbindend war etwa in der Mitte der Darbietungen die Solo-Orgelkomposition „Mozart Changes“ von Zsolt Gárdonyi, einem Landsmann des Gronauer Kantors, der „mozärtliche“ Themen immer wieder in jazzige Episoden kippen und gleiten ließ, um dann mit einem fulminanten jazz-konformen Schluss zu überraschen.

Peter van den Broek und Tamas Szöcs ließen in den übrigen Kompositionen gegenseitig Raum für gekonnte Improvisationen und Helge Dichanz‘ Können sprühte nicht nur bei dem Stevie-Wonder-Song echte Funken.

Über die sogenannte Chat-Funktion des Youtube-Videos, das man auch jetzt noch mit ein paar passenden Stichworten im Internet finden kann, spendeten die aktuellen Zuhörer Lob und virtuellen Beifall (viele Klatsch-Emojis). Und so wie sie mit Duke Ellington begonnen hatten, so verabschiedeten sich die engagierten Musiker mit dessen „Don’t Get Around Much Anymore“.

                Martin Fahlbusch

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