Tower of Power entladen die geballte Kraft von Soul und Funk
Selig im Knock-out

Gronau -

Schwer zu sagen, wie viele solcher Abende es in 30 Jahren Jazzfest schon gegeben hat. Für echte Fans von Funk und Soul aber wird er einmalig: Die legendäre Formation „Tower of Power“ zelebriert ihre Jazzfest-Premiere im 50. Jahr ihrer Bandgeschichte mit einer Kraft und Energie, dass es dem Publikum in der Bürgerhalle schier den Atem verschlägt.

Samstag, 05.05.2018, 18:05 Uhr

Marcus D. Scott hat Marvin Gaye und Lionel Richie in der Stimme, Sammy Davis jr. in den Knochen und James Brown in der Seele. Als Stimme von „Tower of Power“ brachte er den Gronauern den Soul und den Funk bei – mit aller Kraft.
Marcus D. Scott hat Marvin Gaye und Lionel Richie in der Stimme, Sammy Davis jr. in den Knochen und James Brown in der Seele. Als Stimme von „Tower of Power“ brachte er den Gronauern den Soul und den Funk bei – mit aller Kraft. Foto: Christiane Nitsche

Stephen „the funky Doctor“ Kupka (Baritonsax) und Emilio Castillo (Tenorsax) gründeten die Band 1968. Der eine ist heute 72, der andere 68. Die meisten anderen der insgesamt zehn Bandmitglieder sind nicht viel jünger. Immer wieder muss man sich das in Erinnerung rufen – zu spüren ist davon nichts bei dem Funkgewitter, das sich durch die Seelen und Körper in der gepackt vollen Bürgerhalle wäscht.

Energie, die ansteckt. „Nils, you‘re still a young man.“ Emilio Castillo bedankt sich für die Vorarbeit der Nils Lundgren (62) Funk Unit, die die Halle zuvor auf Funk getunt hat. Aber das Markenzeichen von Tower of Power, der laut Sänger Marcus Scott „berühmteste Bläsersatz der Welt“, setzt noch einen drauf – mit Stücken wie „Soul with a capital S“, „You oughta be havin‘ fun“,„Soul Side of Town“.

Mal instrumental („Squib Cakes“), mal a-capella als lässiges Vokalensemble im Stil der frühen Mowtown-Jahre („So very hard to go“), mal ganz groovy, mal so funky, dass die Breaks und Synkopen einander einzuholen scheinen und selbst wahren Musikexperten schwindelig wird („What is Hip?“).

Marcus Scott, seit 2016 Sänger der Band, liefert die passende Stimme dazu: mal soulig wie einst Marvin Gaye, mal wie der junge Lionel Richie zu den Hochzeiten der Commodores. Dabei beweglich wie Sammy Davis jr. Gegen Ende des Abends sind Zuschauer und Band eins. Scott steigt ins Publikum, teilt die wogende Menge und tanzt darin wie James Brown. Dem „Godfather of Soul“ (und eigentlich auch des Funk) ist ein Medley gewidmet. Hier beweist Emilio Castillo selbst Stimme. Die Tenorsax-Soli überlässt er meist Tom Politzer, der ohne Zweifel einer der besten Saxofonisten ist, die die Bühne der Bürgerhalle je betreten haben. Als der letzte Ton der Zugabe verklingt – „Knock yourself up“ – sieht man in der Halle hundertfach denselben Gesichtsausdruck – selig im Knock-out.

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