Interview mit Caro Emerald
Ich hätte nicht in den 50ern leben wollen

Gronau -

Kurz vor dem Soundcheck fand Caro Emerald am Samstag Zeit für ein kurzes Interview, in dem die Sängerin aus Amsterdam auf ihre ersten Erfolge zurückblickte, aber auch einen Blick in die Zukunft warf. Das Album „Deleted Scenes from the Cutting Room Floor“ stand 30 Wochen ununterbrochen auf Platz eins der niederländischen Charts – länger als „Thriller“ von Michael Jackson.

Sonntag, 06.05.2018, 17:05 Uhr

 Caro Emerald
 Caro Emerald Foto: Martin Borck

Dieser Erfolg hat doch sicher eine hohe Erwartungshaltung beim Publikum erzeugt, was das nächste Album betriff. Wie hast du das damals erfahren – und wie heute?

Caro Emerald : Für mich ist die Frage heute relevanter als damals. Der Erfolg hat mich aus dem Nichts nach ganz oben katapultiert. Er kam über mich wie eine Sturmflut. Und es hörte nicht auf: Erst in den Niederlande, dann Frankreich, England, Deutschland und so weiter. Es gab damals gar keinen Ruhepunkt für mich, um mir Gedanken über ein zweites Album machen zu können. Ich war dauernd auf Tour. Doch die Jungs (die Produzenten David Schreurs und Jan van Vieringen und der Songwriter Vince Degiorgio , Anm. der Redaktion), mit denen ich diesen tollen Sound entwickelt hatte, bereiteten etwas Neues vor, während ich sozusagen noch im fahrenden Zug saß. Schließlich sind wir ins Studio gegangen. Das war eigentlich ein organischer Prozess. Heute ist es ruhiger, und ich mache mir mehr Gedanken darüber, wie unsere Musik sich weiterentwickeln soll.

Ist es für euch wichtig, für ein Album eine Art roten Faden zu haben?

Caro Emerald: Ja, die ersten Alben waren ja auch richtige Konzeptalben. Erst dieser swingende, an alte Hollywoodfilme angelehnte Sound, dann das etwas verruchtere und Mondäne, und in der EP haben wir Exotica verarbeitet.

Denkst du, dass der Erfolg eures Retro-Sounds auch mit einer Sehnsucht nach den guten alten Zeiten zu tun hat?

Caro Emerald: Ganz bestimmt. Diese Nostalgie verstehe ich auch. Aber viele Leute verklären die Zeit auch. Sie glauben, dass in der Vergangenheit alles besser war, und blenden das Schlechte aus. Ich bin schon oft gefragt worden, ob ich in den 50er-Jahren hätte leben wollen. Die Antwort: Ganz bestimmt nicht.

Wir sind hier einen Kilometer von der Grenze entfernt. Was ist für dich der Unterschied zwischen deutschem und niederländischem Publikum?

Caro Emerald: Das deutsche Publikum ist vielleicht etwas konservativer. Aber generell kann man das nicht sagen. Selbst in den Niederlanden gibt es regionale Unterschiede. Im Südosten sind die Leute meistens lockerer und gehen stärker mit. Aber die Stimmung hängt auch sehr davon ab, wo man auftritt: in einem Club oder einer großen Halle. Das Ambiente und die Atmosphäre sind oft wichtiger als Mentalitätsunterschiede.

Heute ist Befreiungstag in den Niederlanden, gestern war das landesweite Gedenken an die Opfer des Weltkriegs. Was verbindest du damit?

Caro Emerald: Die beiden Tage lassen mich nicht unberührt. Jeder bei uns in den Niederlanden kennt Geschichten aus dem Zweiten Weltkrieg. Ich bin froh dass ich in Freiheit leben kann, und finde es gut, dass bei uns in jedem Jahr daran erinnert wird, dass Freiheit nicht selbstverständlich ist.

Auf eurer Tourneeseite habe ich gesehen, dass im Oktober ein Try out geplant ist. Seid ihr an einem neuen Album dran?

Caro Emerald: Ja wir bereiten eine neue Tournee vor, und hoffen, dann auch neues Material präsentieren zu können. Vince kommt in diesen Tagen aus Kanada rüber.

Gibt es denn schon neue Songs für ein neues Album?

Caro Emerald: Ja. Aber was davon tatsächlich erscheint, kann ich noch nicht sagen. Die Arbeit im Studio ist ein kreativer Prozess, bei dem sich irgendwann alles von selbst findet. Wichtig ist aber, dass wir von dem überzeugt sind, was wir machen, dass es Qualität hat. Solange wir die nicht liefern können, gibt es kein neues Album.

Welche Art von Musik hörst du am liebsten in deiner freien Zeit?

Caro Emerald: Schwere Frage. Einige Stücke von Taylor Swift finde ich gut, aber auch Lana del Rey. Es hängt viel von meiner jeweiligen Stimmung ab. Und ab und an tut auch Ruhe einfach mal gut . . .

Vielen Dank. Ich habe keine weiteren Fragen. Hast du eine an mich?

Caro Emerald: Nein, oder vielmehr doch: Rechnest du damit, dass heute Niederländer im Publikum sind?

Ich denke ja. Aber die Grenze ist immer noch eine Hürde. Zu wenig Menschen in Twente wissen, dass es das Jazzfest in Gronau überhaupt gibt.

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