Fachleute im Ausschuss
200 000 Liter Öl im Venn ausgelaufen 

Gronau -

Eine Handvoll Experten, mehrere Vorträge, Dutzende Fragen, jede Menge technische Details, mehr als drei Stunden Diskussion: Im Umweltausschuss hat am Montagabend die politische Aufarbeitung des Ölschadens im Amtsvenn begonnen. Und das war erst der Anfang: Am kommenden Montag wird sich der Stadtrat in einer Sondersitzung mit dem Vorgang beschäftigen. Auch die Landespolitik ist inzwischen involviert: NRW-Umweltminister Remmel war schon vor Ort, Wirtschaftsminister Garrelt Duin kommt noch in dieser Woche. Nachfolgend anhand einzelner Stichworte Informationen aus der Sitzung des Ausschusses:

Mittwoch, 30.04.2014, 06:04 Uhr

► Wie viel Öl ist bisher ausgetreten? Friedrich-Wilhelm Wagner , Abteilungsleiter Bezirksregierung Arnsberg (Bergamt), geht von 150 000 bis 200 000 Liter aus. Diese Zahl ergibt sich aus Schätzungen/Berechnungen bezogen auf den Druckabfall in Kaverne S 5.

► Ist das Trinkwasser in Gefahr? Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Wilhelm Drepper und Herbert Daldrup (Centerleiter Technik) wiesen darauf hin, dass die Grundwasserströme aus dem Venn nicht in Richtung der Wassergewinnungsgebiete laufen. Trotzdem werden zusätzlich zu den normalen Kontrollen „rein prophylaktisch“ (Daldrup) jetzt regelmäßig zusätzliche Proben durch SGW und Bergamt genommen und untersucht. Das gelte auch für den Bereich des Tiefwasserbrunnens, aus dem an der Laubstiege in 200 Meter Trinkwasser gefördert wird. Ein Dutzend Anlieger aus dem Amtsvenn, die nicht an die städtische Wasserversorgung angebunden sind, „können kurzfristig angeschlossen werden“ (Drepper). Von angeblichen Hilfsaktivitäten der Gelsenwasser AG sei nichts bekannt. Drepper: „Die Stadtwerke kriegen das selbst hin, Gelsenwasser hat hier keine Konzession.“

► Welche Überlegungen gibt es zum Stichwort Entschädigung? SGW-Geschäftsführer Dr. Manfred Inkmann : „Wir haben noch kein Verfahren entwickelt.“ Aber: „Ich kann Ihnen versichern, dass wir großzügig entschädigen werden. Die SGW ist in der Region nicht bekannt als Unternehmen, das kleinlich entschädigt.“

► Gibt es eine Versicherung? Inkmann: „Wir haben eine Umweltschadenhaftpflicht, die Schäden Dritter abdeckt.“

► Warum wurde die Kaverne S 5 nach dem Druckabfall im Februar wieder in Betrieb genommen? Wagner (Bergamt): Nach dem Druckabfall seien die gesamte Verrohrung und die Kaverne aufwendig überprüft und vermessen worden, dabei seien keine Anzeichen für eine Leckage festgestellt worden. „Trotzdem haben wir den Regelbetrieb nicht gestattet.“ Vielmehr sei nur ein „eingeschränkter Weiterbetrieb“ (Regierungsvizepräsident Volker Milk, Arnsberg) zugelassen worden. Inzwischen sei die Kaverne drucklos gestellt und damit in einem sicheren Zustand. Inkmann: „Flüssigkeit dringt eher von außen nach innen als umgekehrt.“ Insofern sei es auch nicht richtig, davon auszugehen, dass durch ein eventuell vorhandenes Leck weiter Öl austrete: „Das ist nicht der Fall.“

► Lässt sich die unterirdische Verrohrung der Kaverne auf Schäden überprüfen? „Es ist extrem schwierig, das zu untersuchen“, so Inkmann. Für diese Prüfung muss zunächst das zentrale Rohr, über das Sole gepumpt wird, aus dem umgebenden Rohr (in dem sich Öl befindet) gezogen werden. Im undurchsichtigen Öl ist eine Kamerabefahrung des Rohres nicht möglich. Also muss am oberen und unteren Rohrende eine Art „Korken“ gesetzt werden, um es abzudichten. Dann kann das Öl im Rohr abgesaugt und durch eine transparente Lösung ersetzt werden, um eine Sichtprüfung zu ermöglichen. Alternativ lassen sich Drucktests vornehmen. Denkbar ist auch, Helium einzufüllen und zu kontrollieren, was davon nach draußen dringt. Inkmann: „Wir sind mit dem Programm noch nicht im Detail fertig“. Aber: Die Technik stehe auf dem SGW-Hof bereit.

► Lässt sich die Salzlagerstätte mit den Gegebenheiten der niedersächsischen Schachtanlage Asse (Atomendlager) vergleichen? Abteilungsdirektor Wagner verneint: „Die Asse hat eine grundlegend andere geologische Formation.“

► Welche Kontrollen der SGW gibt es, und welche Konsequenzen könnten sich aus dem Schaden im Amtsvenn für die Lagerung von Öl und Gas in Kavernen ergeben? Milk: Die erste Genehmigung wurde – nach geologischen Untersuchungen – 1974 erteilt. Es handle sich nicht um eine „Risikotechnologie“. „Es gibt einen Rahmenbetriebsplan und alle drei Jahre einen neuen Hauptbetriebsplan.“ Zudem gebe es „engmaschige Kon­trollen“. Deutlich machte Milk auch, dass „die SGW nicht als Sorgenkind bekannt ist, bei dem Tricksen und Vertuschen an der Tagesordnung waren“. Er geht davon aus, dass es nach Ermittlung des Schadens „ganz andere Auflagen geben wird, damit sich sowas nicht wiederholt“. Wagner zur Ursachenermittlung: „Wir wollen das für die gesamte Technologie wissen und dafür, welche Konsequenzen wird ziehen müssen.“

Milks Fazit: „Wir tun alles, um mit Expertensachverstand das Problem in den Griff zu kriegen.“ Das erfolge durch systematisches Vorgehen, „nicht nach dem Prinzip Hoffnung oder durch in die Glaskugel schauen“. Und: „Ich bin vorsichtig optimistisch, das wir das Schlimmste hinter uns haben.“►►

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