Sommerkrimi, Folge 15: Spuren führen in die Politik
Verbrecher mit Vorlieben

Als Anne Alpenmann am nächsten Morgen in die Redaktionsräume kommt, trifft sie auf einen verkaterten Mirko Hänfling, der sich mit einem starken Kaffee munter zu machen versucht. Frank Dylan ist noch nicht eingetroffen. Stefan Prost, der im Misericordia noch einige seiner Sportfreunde getroffen und ein paar Biere geschlabbert hat, sitzt gewohnheitsgemäß schon seit 8 Uhr hinter seinem Schreibtisch. Da kommt auch Wiesel, und er hat schlechte Nachrichten: „Martin ist heute Nacht zusammengeklappt. Hat wohl den Ramblezoni nicht vertragen. Liegt zu Hause im Bett. Mist! Ausgerechnet heute findet doch das Finale des Open-Air-Kapellen-Wettkampfs statt. Darüber sollte er berichten.“ – Worum geht’s denn da“, fragt Hänfling. – „Das ist so ein Marching-Band-Wettbewerb. Die Musikkapellen müssen marschieren und musizieren, und eine Jury ermittelt den Sieger. Die Stadtkapelle Gronau und der Musikverein Epe treten im Finale an.“ – „Mirko und ich können auf jeden Fall nicht“, wehrt Alpenmann gleich eventuelle Begehrlichkeiten des Chefs ab. „Wir haben volles Programm in Schöppingen, Alstätte und Nienborg.“ – „Eggerode nicht zu vergessen“, wirft Hänfling ein. – „Und Frank brauch ich heute unbedingt in der Produktion“, überlegt Wiesel. „Moment“, fällt ihm ein. „Das Finale findet doch auf dem Sportplatz statt. Vielleicht könnte ja . . . Stefan!“, ruft er. „Wir brauchen deine Hilfe. Da ist heute ein besonderes Ereignis bei Fortuna.“ – „Kann nicht sein. Ich weiß nichts davon“, klingt es aus dem Sportler-Büro. – „Ist auch nur eine Art, äh, Freundschaftsspiel. Kurzfristig angesetzt. Wir haben Probleme, weil Martin ausfällt. Könntest du nicht hin und uns ausnahmsweise einen Bericht für den Lokalteil schreiben?“ Prost ist zwar alles andere als begeistert. Aber Wiesels List wirkt: Prost geht davon aus, dass es sich um ein (wenn auch nur breiten-)sportliches Ereignis handelt und lässt sich breitschlagen, den Termin wahrzunehmen. „Wenn er erst mal da ist“, so Wiesels Kalkül, „wird er schon merken, was los ist, in den sauren Apfel beißen und einen gescheiten Bericht abliefern.“ Er ahnt ja gar nicht, wie schief er gewickelt ist . . .

Mittwoch, 28.08.2013, 04:08 Uhr

Rembert Rote taucht nach durchwachter Nacht auf der Polizeiwache auf. „Breiler ist heute nicht aus seinem Haus gekommen.“ – „Das belastet ihn eher als dass es ihn entlastet“, meint Blösing. „Denn heute Nacht haben keine Autos gebrannt.“ Er öffnet die dicke Mappe mit den Unterlagen. Rote guckt ihm über die Schulter. „Sag mal, ist euch das auch aufgefallen?“, meint er auf einmal. „Guckt euch doch mal die Liste der abgefackelten Autos an. Da sind nur hochpreisige Modelle. Keine Billigware.“ – „Du hast recht!“, erkennt Frühling. „Und nur von bestimmten Marken. Audi , VW , Ford, Renault.“ – „Es scheint fast so, als ob der Brandstifter eine gewisse Vorliebe hätte . . .“

In der Redaktion zermartert sich Wiesel immer noch das Hirn. In welche Richtung soll er in Sachen Mord recherchieren? Ein Anruf bei der Staatsanwaltschaft bringt „Nichts Neues“, so Staatsanwalt Maul. Kaum hat Wiesel aufgelegt, klingelt das Telefon. Martin Burg ist dran: „Tut mir leid, dass ich nicht kommen kann, Klaus. Mir ist wirklich noch völlig übel. Du, mir ist aber gestern Abend ein Gedanke gekommen. Ich war doch bei der Bauausschusssitzung im Juni. Als Grüber Rederecht bekommen hat. Und da hat er sich völlig in Rage geredet und sowohl Baurat Dicker als auch Rüdiger Bertels von den Grünen angegriffen. Dass Dicker nichts täte, um die Resolution des Rats gegen die Dichtheitsprüfung umzusetzen, und dass Bertels ja sowieso ein Schwachkopf sei, weil er sich für die Prüfung ausgesprochen habe. Dicker ist vor Wut aus dem Ratssaal gerannt und hat auf’m Klo wohl wieder mal heimlich eine geraucht. Bertels aber – der konnte kaum noch an sich halten. Ich habe ihn noch nie so wütend gesehen. Er hat sogar seinen Kugelschreiber – er hat ja so ganz edle mit Gravur seiner Kanzlei – zerbrochen und dann gefordert, dass man Grüber sofort das Rederecht entzieht. Als die andern den Antrag ablehnten, hat er seine Sachen gepackt und ist raus.“ – „Ja, ich erinnere mich, dass du in deinem Artikel so was hast anklingen lassen.“ – „Richtig. Und jetzt ist mir der Gedanke gekommen, ob Dicker oder Bertels nicht vielleicht mit dem Mord an Grüber zu tun haben könnten. Bei der Wut, die vor allem Bertels im Bauch hatte.“ – „Meinst du, dass die anderen Grünen davon gar nichts wissen?“ – „Ich weiß, dass gestern ein Teil der Fraktion im Grolsch-Keller war. Und ich habe gehört, dass sie über Grüber gesprochen haben – aber was, das kann ich dir nicht sagen.“

Frank Dylan betritt Wiesels Büro und macht ein verzweifeltes Gesicht. Wiesel beendet daher das Gespräch mit Burg. „Was ist los, Frank?“ – Es ist zum Verzweifeln. Stefan ist gerade von dem Termin zurückgekommen. Und jetzt guck dir an, was er für einen Blödsinn geschrieben hat . . .“

 

 

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