Sommerkrimi, Folge 16
Flucht vom „Springenden Punkt“

In der neuen Kreativabteilung vom „Springenden Punkt“ rauchen die Köpfe. „Herr Durst, wir werden Ihnen eine Kampagne liefern, die die Vorzüge Ihres Büros genau auf den Punkt bringt“, verspricht Johann Schniefhoff, der den Architekten gemeinsam mit seinem Team berät. „Wir haben noch jedes Mal eine Punktlandung hingelegt. Sehen Sie sich unserer Referenzen an“, überreicht er seinem neuen Kunden eine Mappe mit einem Einband, den ein auffälliges Punktemuster ziert. „Sie wissen ja, unser Schwerpunkt liegt auf knackigen, kernigen Aussagen. Mit drei Worten alles sagen – das ist unser Anspruch.“ – „Nun kommen Sie mal auf den Punkt, Herr Schniefhoff“, wird Durst ungeduldig. „Mit Gerede können Sie bei mir nicht punkten. Haben Sie konkrete Vorschläge?“ – „Wie wäre es mit „Stabil.Nützlich.Anmutig.“ – „Nicht schlecht“, meint Durst anerkennend. „Die drei Prinzipien der Architektur. Ich könnte mir vorstellen . . .“ Was er sich vorstellen könnte, geht im Geräusch von quietschenden Reifen unter. Durst und Schniefhoff schauen aus dem Fenster. Ein Horch kommt auf dem Parkplatz zum Stillstand. Die vier Türen öffnen sich. Blösing, Frühling, Wiesel und Burg steigen aus. Durst wirkt auf einmal sehr nervös und hat es sehr eilig. „Herr Schniefhoff, wir müssen hier einen Punkt machen. Ich ruf Sie an. Gibt es hier einen Hinterausgang?“ – „Ja, den Notausgang. Folgen Sie einfach der gepunkteten Linie! Aber was ist denn los?“ Doch Martin Durst antwortet nicht. Mit großen Schritten läuft er Richtung Notausgang, so dass er gar nicht sieht, dass sich noch jemand aus dem Auto ins Freie zwängt: Kalle Schmusen.

Mittwoch, 22.08.2018, 20:00 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 22.08.2018, 20:00 Uhr
Die Verfolgungsjagd geht durch Epe bis in die Bülten. Dort fällt plötzlich ein Schuss . . .
Die Verfolgungsjagd geht durch Epe bis in die Bülten. Dort fällt plötzlich ein Schuss . . . Foto: Heinrich Schwarze-Blanke

Kommissar Blösing muss an der Rezeption der Firma wieder mal seine ganze Autorität entfalten. „Wieso wollen Sie mir nicht sagen, ob Herr Durst hier ist?“, fragt er drohend die Empfangsdame. – „Die Europäische Datenschutzgrundverordnung . . . “, beginnt die junge Frau eingeschüchtert – da ruft Burg: „Da läuft er!“ Er zeigt nach draußen. Tatsächlich: Martin Durst spurtet über den Parkplatz zu seinem Cabrio. Elegant hechtet er auf den Fahrersitz und legt einen Kavalierstart erster Güte hin. „Los, den schnappen wir uns!“, ruft Blösing. Doch er hat die Rechnung ohne die besondere Eingangssituation der Werbefirma gemacht: eine Drehtür. Burg, Wiesel und Frühling sind vor ihm – es dauert wertvolle Sekunden, bis die Drehtür auch Blösing ausspuckt und er sich hinters Steuer seines Horchs klemmen kann. „Wo ist er hin?“ – „Er ist Richtung Ortsmitte gefahren“, schreit Burg aufgeregt. „Wenn wir uns beeilen, kriegen wir ihn.“ Der Horch macht einen Satz nach vorne und biegt in den Amelandsbrückenweg ein. Zurück bleibt Kalle Schmusen, der auf dem Weg ins Gebäude noch in der Drehtür steckte, als Blösing herausdrängte. „Wartet!“, ruft Schmusen noch. Doch Blösing hat nur noch Augen und Ohren für die Straße und braust davon. Schmusen seufzt, zückt sein Handy und wählt die Nummer der Bundestag-Fahrbereitschaft.

Die vier Verfolger sehen in weiter Ferne die Bremslichter des Cabrios aufleuchten. „Er fährt in den Hofkamp. Er hat ein ganz schön hohes Tempo drauf.“ Im Kreisverkehr biegt das Cabrio ab Richtung Ortskern. „Ha, die Schranken sind runter! Gleich haben wir ihn“, frohlockt Blösing. Doch zu früh gefreut! Durst biegt vorm Bahnübergang nach rechts ab. „Ey, da ist gesperrt“, ruft Frühling und zückt einen Notizblock. „Das gibt zwei Punkte in Flensburg!“ – Auch Blösing umkurvt die Absperrung. „Achtung, er biegt wieder nach links ab!“ – Doch Blösing lässt sich nicht abschütteln. Ganz alter Rennfahrer, holt er Meter um Meter auf. Die wilde Fahrt führt durch das Ortszentrum über die Nienborger Straße bis zum Alfert­ring, in den Durst einbiegt. Blösing klebt schon an der Stoßstange des Cabrios. Er setzt zum Überholen an, als Durst nach links in Richtung Freibad abbiegt. Blösing folgt ihm mit jaulendem Motor und schneidet ihm den Weg zu den voll besetzten Parkplätzen ab. „Jetzt haben wir ihn. Hier ist Sackgasse!“, jubiliert er. Tatsächlich scheint Durst die ausweglose Lage einzusehen. Er hält an und steigt aus. Doch Pustekuchen! Anstatt stehenzubleiben, nimmt er die Beine in die Hand und rennt Richtung Fischteiche. Das Verfolgerquartett hinterher: Wiesel mit seiner Kamera vorm Bauch, Burg mit dem Smartphone am Ohr, durch das er Frank Dylan und Mareile Möhre in der Redaktion auf dem Laufenden hält: „Fangt schon mal an zu schreiben. Details folgen.“ – „Seid ihr sicher, das Durst der Mörder ist?“, fragt Dylan. – „Warum ist er sonst abgehauen, als er uns zusammen mit Blösing und Frühling gesehen hat?“ – „Und das Motiv?“ – „Weiß ich doch nicht. Das wird er uns wohl schon noch verraten. Aber dafür“, hechelt Burg, „müssen wir ihn erst mal kriegen. Der ist noch ganz schön fit für sein Alter.“ Dylan will schon auflegen, als er Burg rufen hört: „Was ist denn jetzt los? Wo ist er hin?“

Auf dem Platz neben den Fischteichen wimmelt es auf einmal vor Menschen. „Wo kommen auf einmal die ganzen Leute her?“, ruft Burg. – „In den Bülten findet heute doch der Survivallauf vom Turnverein Epe statt“, erinnert ihn Dylan fernmündlich. „Stefan Prost ist zur Reportage da. Du müsstest ihn eigentlich sehen.“ – „Hier sind Hunderte Leute. Und Martin Durst ist in der Menge untergetaucht. Ich kann ihn nicht finden. So ein Mist!“ In diesem Augenblick fällt ein Schuss . . .  

 

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