Nienborg
Käpt´n Blaubär und Bonbonregen

Sonntag, 21.08.2011, 16:08 Uhr

Heek-Nienborg - Es ist ein spannender Augenblick für Markus Kirchhoff . Zwei Fehlversuche hat der Münsteraner schon hinter sich. Der Wind ist einfach nicht stark genug für seinen Centipeden, einen chinesischen Kaiserdrachen. Das 35-Meter-Ungetüm hat sich verheddert, muss Einheit für Einheit wieder ordentlich auf den Rasen gelegt werden. Dann frischt der Wind auf, Kirchhoff gibt Helfer David das Startsignal. Die Böen fassen unter die seidenen Flächen, der Kaiserdrache macht seinem Namen alle Ehre und erhebt sich majestätisch in die Lüfte. Momente wie diese verzückten am vergangenen Wochenende zahlreiche Zuschauer und große wie kleine Drachenfans beim Nienborger Drachenfest auf dem Hof Thering in der Bauerschaft Callenbeck.

Kirchhoffs Centipede war dabei nur einer von „etwa 1500 Drachen“, wie Veranstalter Dominik Kerkfeld schätzte. Von Hamburg bis Bonn und aus den Niederlanden waren 42 Drachenflieger der Einladung von ihm und seinem Onkel Hugo Thering gefolgt.

Die Vielfalt und Pracht der Drachen konnte sich sehen lassen. Verschiedenste Großdrachen und 3D-Figuren machten das Event schon von weitem sichtbar. Käpt´n Blaubär , Seerobben, das Mainzelmännchen, ein Leuchtturm und sogar ein Dixi-Klo flatterten bei perfektem Sommerwetter im Wind. Daneben gab es unzählige kleinere Drachen zu bewundern.

Doch auch neben den Flugobjekten hatte das Drachenfest allerlei zu bieten. Der begeisterte Motorradfahrer Thering hatte für ein beachtliches Aufgebot an historischen Maschinen gesorgt. Und DJ Tobi und DJ Frank sorgten für Unterhaltung und Musik. Für die kleinen Gäste stand unter anderem eine Hüpfburg parat. Besonderer Spaß für die Kleinen: Drachenflieger Robby Aue ließ es regelmäßig regnen, indem er seine Bonbonfähre an einem Seil aufsteigen ließ, bis ein Stopper den Flug des Drachen jäh unterbrach und die mit Süßem gefüllte Tüte kippen ließ. Kerkfeld betonte: „Es ist wichtig für uns, dass das ein kleines und familiäres Fest bleibt.“ Jeder solle das Drachenfliegen ausprobieren können.

So informierten die Drachenbauer auch gerne über die Besonderheiten ihrer Lieblinge. „Die Centipeden werden auch heute noch in China gebaut“, erklärte etwa Kirchhoff die Geschichte seines Giganten. „Bei der Geburt eines Sohnes werden sie traditionell steigen gelassen, dann wird die Schnur durchschnitten. Je höher der Drache steigt, desto mehr Glück wird der Junge im Leben haben.“ Auch sein Drache sei aus China. „Das ist echte Seide und echter Bambus - bei einer Länge von 35 Metern wäre mir das sonst zu anstrengend“, gab Kirchhoff zu. Dafür habe er im Mai mit seiner Frau eine Manufaktur in China besucht und erfolgreich an der dortigen Drachen-Olympiade teilgenommen.

Die Veranstalter und Drachenflieger gaben auch persönliche Einblicke in ihr zeitaufwendiges Hobby. Im Winter werde meistens an neuen Drachen getüftelt, erzählte Kerkfeld. Im Sommer touren die meisten dann quer durch Deutschland, manche sogar durch Europa, wie etwa Kirchhoff. „Alleine an diesem Wochenende sind in Deutschland fünf Drachenfeste“, berichtete Kerkfeld.

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