Staudenpflanze Silphie dient als Substrat für Biogasanlagen
Eine ökologische Alternative

Heek/Kreis Borken -

Die „Maiswüsten“ im westlichen Münsterland sind vielen Menschen ein Dorn im Auge. Doch nun soll der Mais der Staudenpflanze Silphie weichen – zumindest wenn es nach dem Nabu geht.

Montag, 18.08.2014, 18:08 Uhr

Ein Testfeld zum Anbau der Silphie gibt es derzeit in Heek.
Ein Testfeld zum Anbau der Silphie gibt es derzeit in Heek. Foto: Mirko Heuping

Maisfelder, wohin das Auge sieht. Im Kreis Borken hat der Anbau der Nutzpflanze in den vergangenen Jahren drastisch zugenommen. Aktuell wächst auf knapp 45 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzflächen im Kreisgebiet Mais – ein Spitzenwert in ganz Nordrhein-Westfalen. Denn Mais ist nicht nur pflegeleicht, sondern auch als Nahrungsquelle für Menschen und Tiere sowie als Grundlage für den Betrieb von Biogasanlagen vielfältig einsetzbar. Andere Feldfrüchte müssen dafür weichen und damit auch die (optische) Vielfalt auf den Feldern.

Und es gibt nicht wenige, die von den „Maiswüsten“ absolut gar nicht begeistert sind. Zu ihnen gehört Herbert Moritz vom Naturschutzbund ( Nabu ) im Kreisverband Borken. Er prangert die geringen Fruchtfolgen und „steril gespritzte Feldschläge“ an und macht sich für Alternativen stark. Speziell die in strahlendem Gelb blühende Staudenpflanze Silphium perfoliatum ( Silphie ) sei geeignet, Mais als Hauptsubstrat für Biogasanlagen zu verdrängen, sagt Moritz. „Sie ist vor allem aufgrund ihrer Anpassungen an trockene Standorte interessant, da sie, anders als etwa Mais, ihre Feuchtigkeit nicht nur aus dem Boden, sondern auch aus den Blattbechern beziehen kann.“ Außerdem trage die Pflanze zum Erhalt der biologischen Vielfalt bei und biete Wildtieren im Winter Schutz, da sie nicht vollständig abgeerntet werde.

Dr. Ludger Laurenz, Berater für Pflanzenbau und Biogas im westlichen Münsterland bei der Landwirtschaftskammer NRW, teilt Moritz‘ positive Prognose für die Energiepflanze hingegen nicht: „Aus der Silphie lässt sich pro angebautem Hektar leider nur halb so viel Gas gewinnen wie aus Mais.“ Das hätten Versuche im Kreis Borken ergeben.

Der Experte kann der Pflanze dennoch etwas abgewinnen: „Die ökologischen Vorteile liegen auf der Hand: Sie ist ein fantastisches Nährmedium für Insekten, und im Winter bietet sie Lebensraum und Brunftfläche. Außerdem macht sie optisch etwas her.“ Deswegen sei die Silphie für kleinere Randbepflanzungen durchaus eine sinnvolle Alternative, als dauerhafter Maisersatz aus betriebswirtschaftlichen Gründen aber nicht sinnvoll.

Auch Experimente mit anderen Pflanzen seien in puncto Effizienz nicht erfolgreich gewesen. „Der Mais macht jedes Jahr erhebliche züchterische Fortschritte, da kann keiner hinterher“, sagt Laurenz über den Grund dafür.

Für den Nabu bleibt daher mittelfristig nur die Hoffnung, dass die Landwirte ökologische Faktoren in ihre Planung mit einbeziehen und im Sinne des Natur- und Artenschutzes zumindest Teile ihrer Felder mit der Silphie bepflanzen.

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