Vortragsabend über alternative Bestattungsformen, Hürden und Gesetze
Bestattungskultur im Wandel

Heek/Nienborg -

Tot ist tot, sagen die einen. Vielen Menschen ist allerdings nicht egal, ob sie nach ihrem Ableben verbrannt oder doch in einem Sarg zur Erde gelassen werden. Einen Vortrag mit Diskussion über den Wandel der Bestattungsformen gab es am Donnerstagabend im Kreuzzentrum.

Samstag, 18.04.2015, 09:04 Uhr

Reinhold Benning (l.) diskutierte mit den Anwesenden die Probleme alternativer Bestattungen, Umbettungen und Fragen rund um das Thema Friedhof.
Reinhold Benning (l.) diskutierte mit den Anwesenden die Probleme alternativer Bestattungen, Umbettungen und Fragen rund um das Thema Friedhof. Foto: Helmut Schwietering

Der griechische Staatsmann Perikles sagte schon 500 Jahre vor Christus: „Ein Volk wird daran gemessen, wie es seine Toten bestattet.“ Über viele Jahrhunderte haben sich in Deutschland die aus alter Tradition gewachsenen Bestattungsgepflogenheiten kaum geändert.

Dass es mittlerweile eine eindeutige Trendwende zu alternativen Bestattungen gibt, hat eine Abstimmung im Kreuzzentrum am Donnerstagabend gezeigt. Diese fand zu Beginn des Vortrages von Reinhold Benning zum Thema „Die Bestattungskultur im Wandel der Zeit“ statt. Mehr als 30 Zuhörer aus Heek , Ahle und Nienborg begrüßte der Vorsitzende der KAB St. Josef Heek, Christan Hilbring.

Die Auswertung der Stimmzettel überraschte die Gäste. Weniger als die Hälfte der Anwesenden würde sich nach aktuellem Stand für eine traditionelle Sargbestattung entscheiden. Noch vor wenigen Jahrzehnten gab es zu dieser Art der Bestattung überhaupt keine Alternative. Benning, der als Fachbereichsleiter bei der Stadt Ahaus auch für die Verwaltung der Friedhöfe zuständig ist, hatte eine Menge an Informationen mitgebracht. Er ging auf die Herausforderungen ein, die die Kommunen zukünftig zu bewältigen haben.

Tatkräftig unterstützen ihn der Heeker Bestatter Hermann Bendfeld und Alfons Bendfeld vom Kirchenvorstand. In der Kirchengemeinde Heilig Kreuz Heek machen sich die Verantwortlichen Gedanken über notwendige Veränderungen. Auch in Bezug auf die Anpassung der Gebührensätze sei es Zeit, über Aktualisierungen nachzudenken, so Benning.

War auf den Friedhöfen früher kaum Platz, sieht man heute reichlich freie Flächen, die von Jahr zu Jahr mehr werden. Die Zahl der Urnengräber nimmt zu. In diesem Zusammenhang wurde auf dem Friedhof in Nienborg nicht an Rollstuhlfahrer oder Rollatorennutzer gedacht. So ist es für Angehörige, die darauf angewiesen sind, nicht möglich, direkt an das Urnengrab zu kommen. Aus diesen Fehlern wollen die Verantwortlichen lernen und zukünftig durch eine bessere Planung Abhilfe schaffen.

Häufiger äußern Angehörige zudem den Wunsch nach einer Umbettung. Benning machte anhand eines Beispiels klar, dass dafür Vorschriften einzuhalten sind. Dem Wunsch der Angehörigen auf Umbettung aus durchaus verständlichen Gründen kann nicht in jedem Fall entsprochen werden. Es müssen Ruhezeiten eingehalten werden. In der Regel sind das 30 Jahre. Werden diese verletzt, spricht man von Störung der Totenruhe, die sogar zu einer Gefängnisstrafe führen kann. Anhand vieler praktischer Beispiele machte er den interessierten Zuhörern klar, wie komplex diese Themen rund um die Bestattung sind und mit welcher Sensibilität man hier vorgehen muss. Die Zentralrendanturen spielen bis heute noch bei vielen dieser Fragen eine entscheidende Rolle.

Reinhold Benning sieht auf dem Gebiet allerdings eine eindeutige Trendwende in Richtung Marketing. Manche mögen mit diesen Begriffen noch fremdeln, aber auch hier heißt es, sich für die Zukunft richtig aufzustellen. Ob traditionell, Urnengrab, Ruheforst oder weitere Alternativen: Die Möglichkeiten haben in den letzten Jahren stetig zugenommen. Mit diesem Thema beschäftigt sich kaum jemand gerne, aber wer eine genaue Vorstellung hat, sollte diese auch schriftlich festhalten und hinterlegen.

Die Diskussionsrunde im Anschluss an die Ausführungen von Reinhold Benning haben deutlich gezeigt, dass sich viele Bürger trotz Unbehagen mit diesem Thema beschäftigen.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3199271?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F103%2F27962%2F4848914%2F4848923%2F
Starker Anstieg der Mäusepopulation im Münsterland
Rötelmäuse wie diese übertragen das Hantavirus.
Nachrichten-Ticker