Franz Nacke spielte schon vor 70 Jahren auf dem Platz
Fußball sorgte für Normalität

Heek-Nienborg -

Der Zweite Weltkrieg war gerade erst ein paar Wochen beendet; die Trümmer längst noch nicht alle beseitigt; die Brüder, Väter, Großväter und Freunde teilweise noch in Kriegsgefangenschaft. Doch mit dem 5. August 1945 kehrte ein kleines Stück Normalität nach Nienborg zurück. Vor genau 70 Jahren fand das erste Fußballspiel der Nachkriegszeit im Dinkeldorf statt. Der Gastgeber Rot-Weiß Nienborg hieß damals noch VfL Nienborg und der Gegner kam – na klar – aus Heek.

Mittwoch, 05.08.2015, 07:08 Uhr

Franz Nacke hat viele Erinnerungsbilder aus seiner aktiven Zeit als Fußballer akkurat in ein Fotoalbum eingeklebt. Darunter befinden sich kurze Texte, die beschreiben, wer oder was auf den Bildern zu sehen ist.
Franz Nacke hat viele Erinnerungsbilder aus seiner aktiven Zeit als Fußballer akkurat in ein Fotoalbum eingeklebt. Darunter befinden sich kurze Texte, die beschreiben, wer oder was auf den Bildern zu sehen ist. Foto: Mirko Heuping

Franz Nacke feierte vor wenigen Wochen seinen 90. Geburtstag. Er stand auf dem Platz, als das Leder zum ersten Mal wieder rollte. Dabei war der 20-Jährige nicht einmal zwei Monate zuvor noch in britischer Kriegsgefangenschaft. Zwei Jahre sei er damals von Zuhause weg gewesen. Er hatte sich freiwillig für die Luftwaffe gemeldet und einen Pilotenschein gemacht. An der Front war er allerdings nach eigenen Angaben nicht im Einsatz.

Während der Kriegszeit durften die Soldaten kein Fußball spielen. Die Verletzungsgefahr war schlichtweg zu hoch. Um so mehr freute sich Nacke, nach Kriegsende wieder mit seinen Kameraden auf dem Platz zu stehen. „Ansonsten war in einem Ort wie Nienborg ja nicht viel los“, erinnert er sich und schmunzelt.

Seine zehn Mitspieler von damals sind bereits alle Verstorben, doch darüber möchte Nacke lieber nicht nachdenken. Neben ihm standen damals Hermann Nienhaus , Adolf Büscher, Bernhard Woltering, Theo Vöcking, Johann Reinders, Josef Bömer, Josef Nacke, Hermann van Ledden, Karl Mensing und August Schlüter auf dem Feld. Nach 90 Minuten stand ein 2:2 auf der Anzeigentafel. Ein Unentschieden, mit dem beide Teams gut leben konnten.

Genaue Erinnerungen an den Spielverlauf hat Nacke heute nicht mehr. In einer Festschrift zum 25-jährigen Bestehen des VfL bzw. RW Nienborg schrieb er allerdings zu den Umständen kurz nach dem Krieg: „In sportorganisatorischer und finanzieller Hinsicht steht der Sportclub vor dem völligen Ruin. Der Krieg hat auch hier ganze Arbeit geleistet. Und doch gab es in den Tagen Menschen, die trotz allem nicht resignierten. Nur wenige wagen es, in diesen Tagen an Sport zu denken. Ihr Glaube an den Wiederaufbau einer Sportgemeinschaft soll schon in den nächsten Wochen und Monaten in die Tat umgesetzt werden.“

Im Vorfeld der Partie gegen den SV Heek mussten die Nienborger sich zunächst einmal ihre Tore wiederbeschaffen. Die hatten die englischen Besatzer abmontiert und auf halbem Weg nach Ochtrup wieder aufgebaut: „Warum weiß ich auch nicht. Aber das haben wir uns damals nicht bieten lassen“, sagt Nacke. Und so holten einige mutige junge Männer die Torstangen zurück und stellten sie auf ihren ursprünglichen Platz.

Franz Nacke spielte bis Mitte der 50er-Jahre als rechter Läufer und Rechtsverteidiger noch in der ersten Mannschaft der Nienborger. Im Gegensatz zu vielen seiner Mitspieler aus der Anfangszeit: „Damals kamen immer wieder Leute aus der Kriegsgefangenschaft wieder, die Mannschaft veränderte sich stetig und wurde immer besser“, sagt Nacke. Zuschauer hatten die Kicker damals nur wenige. Und das obwohl sie sogar internationale Freundschaftsspiele gegen die englischen Besatzer austrugen.

Für Nacke war das Kicken in seinem Heimatort immer eine Herzensangelegenheit. Obwohl er bald beruflich bedingt nach Gronau zog, fuhr er jahrelang mit dem Fahrrad zum Training und zu Spielen nach Nienborg. Der ehemalige Polizist hatte mit den Kollegen eine Abmachung, dass er sonntags keinen Dienst tun musste, um seinem Hobby nachgehen zu können. „Erst als das erste Kind unterwegs war, habe ich gesagt: jetzt reicht‘s.“

Obwohl ihm das Erinnern an manches Detail mittlerweile schwer fällt, leuchten Nackes Augen noch immer, wenn er über seine Zeit als Fußballer spricht. „Damals haben wir immer ‚Fußball ist unser Leben‘ gesungen. Und so war es ja auch.“

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3423786?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F103%2F27962%2F4848914%2F4848919%2F
Vor 65 Jahren: Kaiserlicher Besuch in Warendorf
12. November 1954: Der Kaiser von Äthopien, Haile Selassie (Mitte, dunkle Haare) wird am Warendorfer Bahnhof von Bürgermeister Josef Heinermann, Stadtdirektor Dr. Karl Schnettler, Landrat Dr. Josef Höchst, dem Regierungspräsident Franz Hackethal, dem Landesminister Dr. Johannes Peters und Bundesernährungsminister Heinrich Lübke empfangen.
Nachrichten-Ticker