500 Jahre Clemensmarkt
Kieken – koopen – und küeren

Nienborg -

Marktstände, Westfälisches Frühstück, Bücherbasar, Schweinschätzen oder Grünkohlessen – Volksfeststimmung herrscht am Montag (21. November) beim traditionellen Clemensmarkt auf der historischen Ringburganlage. Gäste aus Nah und Fern finden sich ab 8 Uhr auf dem Krammarkt zum Kaufen, Anschauen, Bummeln, Stöbern und Plaudern ein.

Samstag, 19.11.2016, 06:11 Uhr

Beliebter Klassiker beim Clemensmarkt: das Schweinschätzen.
Beliebter Klassiker beim Clemensmarkt: das Schweinschätzen. Foto: Rupert Joemann

Die beliebte Veranstaltung hat eine sehr lange Geschichte. Das geht aus den umfangreichen Recherchen des Historikers Josef Wermert hervor. Bis Mitte des 18. Jahrhunderts gab es in Nienborg zwei Kirmestermine: die Heilig-Geist-Kirmes am Fest Verklärung Christi am 6. August und die Clemens-Kirmes am Festtag des Heiligen Clemens am 23. November.

Kirmes, zu hochdeutsch Kirchweihfeiern, sind ursprünglich kirchliche Festtage, da sie seit jeher in Erinnerung an die Weihe von Gotteshäusern stattfinden. In Nienborg fanden sie im Gedenken an die Weihe der ersten Pfarrkirche auf der Burg um 1320 am Clemens-Tag und an die Weihe der Heilig-Geist-Kapelle außerhalb des damaligen Siedlungsbereichs wahrscheinlich im Jahr 1406 statt.

„Der erste Beleg für das Kirchweihfest in Erinnerung an die Weihe der Pfarrkirche in Nienborg findet sich in den Rechnungen der Burgmannen von 1516, also vor 500 Jahren“, sagt Josef Wermert. In den Geschichtsbüchern steht, dass die Burgmannen mit dem Stationarier (dem örtlichen Vertreter) des Antoniterklosters in Köln 16 Viertel Wein für 11 ½ Schillinge, zwei Pfennige „up unser kermissedach“ vertrunken hätten.

Die heutige Kirmesfeier am ersten August-Sonntag erinnert an die Kirchweihfeste der Pfarrkirche auf der Burg (Abbruch 1911) und an die der Armenhauskapelle zum Heiligen Geist (Abbruch 1819).

Aus der Clemens-Kirmes entwickelte sich im Laufe der Zeit ein Markt. 1662 heißt es, „das Kirchweihfest fände ohne Lärm auf dem Markt statt“. Der Markt war weithin bekannt, so wird er im „Marktverzeichnis des Statistischen Landesamtes zu Berlin“ (1920-1927) erwähnt.

Anfänglich war der Markt in der „Knoar“, der heutigen Hauptstraße Richtung Heek , ab 1914 auf dem Marktplatz. Bis vor dem Zweiten Weltkrieg gab es auf dem Markt kurz vor der Adventszeit vor allem Vieh und Haushaltswaren aller Art zu kaufen. Letztlich fiel der Markt den Kriegswirren zum Opfer. Der Kegelclub „Snack Üm’n Hoek­“ ließ die Veranstaltung ab 1951 für ein paar Jahre wieder aufleben.

Seine Wiedergeburt erfuhr der Clemensmarkt auf Initiative des Heimatvereins 1989. Initiator war Hermann Lütke-Wissing. Beim damaligen Chef der Marktbeschicker, Fritz Lammers aus Heek, stieß er auf offene Ohren und der Krammarkt mit Grünkohlessen in den Gaststätten war geboren.

Seit 2007 ist das bunte Markttreiben auf der Ringburganlage. Damit erfährt der Markt an dieser historischen Stätte in diesem Jahr seine zehnte Auflage. „Als Beitrag zu dem Jubiläum haben wir Heimatfreunde uns entschlossen, die bereits vorhandene Infotafel an der Alten Schule zu renovieren und mit den aktualisierten Daten zu ergänzen“, sagt Theo Franzbach, Vorsitzender des Nienborger Heimatvereins. Die Infotafel wird beim Clemensmarkt am Montag aufgestellt.

Viele Berufstätige nehmen sich eigens für dieses Fest Urlaub, um mit ihren Clubs zu feiern. Hierzu gehört auch die Teilnahme an der Wintergeneralversammlung der Schützen am Abend zuvor.

„Das Besondere am Clemensmarkt ist, dass er seinen ursprünglichen Marktcharakter behalten hat“, sagt Siegmund Stängel. Der Marktsprecher der gewerblichen Markthändler aus Wessum ist wöchentlich auf verschiedenen Märkten unterwegs.

Seit dem ersten Tag, als der Heimatverein vor 27 Jahren den Clemensmarkt wieder ins Leben rief, bietet er in Nienborg Damen- und Kinderoberbekleidung an. „Kieken – koopen – und küeren. Das ist, so wie es von alters her üblich war, der Hauptanziehungspunkt für den Clemensmarkt“, sagt Stängel. Er lobt das gute Zusammenspiel der Akteure. Neben den gewerblichen Ständen beleben Vereine und Gruppen aus dem Dinkelort den Markt.

Der Clemensmarkt habe über die Jahre eine konstante Anzahl an gewerblichen Marktbeschickern, auf anderen Märkten sei diese Zahl rückläufig, so Stängel. An etwa 20 Ständen gibt es Textilien, Handschuhe, Schals, Lederwaren, Töpfe, Pfannen, Fanartikel, Bekleidung, Kurzwaren, Kalender, Gewürze oder Glückwunschkarten zu kaufen.

Mancher Besucher lässt sich die Schuhe putzen und kauft dabei das Schuhputzmittel ein. Vor dem Besuch stärken sich viele Gäste beim Westfälischen Frühstück mit Kaffee und Weggen mit Mettwurst vom Heimatverein im Haus Hugenroth.

Die besten Knobler können Nistkästen und Mettwürste gewinnen. Besonders am Nachmittag ist das Festzelt mit Partymusik der Treffpunkt der Generationen. Direkt nebenan versorgt die Landfleischerei Wolbeck am Imbissstand die Besucher. Der beste Tipper gewinnt beim Schweinschätzen ein ganzes Borstenvieh. Der Kirchenchor St. Cäcilia serviert Reibeplätzen sowie Eierpunsch und bietet beim Bücherbasar jede Menge gebrauchte Bücher an.

Begehrt sind die Adventskalender des Lionsclubs Westmünsterland. Beim Stand der St.-Anna-Tagespflege gibt es Backmischungen, Hörnchen und Informationen zu der Einrichtung. Die Gemeindeverwaltung verkauft den Familienkalender 2017. Dieser steht unter dem Motto „Leben damals in Heek“ und beinhaltet historische Aufnahmen aus dem Dinkelort.

Nicht nur Themen der Lokalpolitik stehen bei der CDU auf dem Programm. Zum Mittagessen wird mancherorts Grünkohl mit Mettwurst gereicht. Im Ringburgcafé gibt es Frühstück, Grünkohl (jeweils mit Anmeldung) und am Nachmittag Kaffee und Kuchen.

In den Gaststätten klingt das Fest am Abend in gemütlicher Runde aus.

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