Johannes Buss hört nach 39 Jahren in der KÖB Nienborg auf
Bücher begleiten sein ganzes Leben

Nienborg -

Nach 39 Jahren als ehrenamtlicher Leiter der Katholischen Öffentlichen Bücherei (KÖB) in Nienborg geht Johannes Buss in den wohlverdienten Ruhestand. Am morgigen Sonntag übergibt er das Zepter an die Nienborgerin Angelika Kock.

Samstag, 07.01.2017, 06:01 Uhr

Seit drei Jahren unterstützt Eliana Broosch den scheidenden Büchereileiter Johannes Buss bei den Arbeiten in der Katholischen Öffentlichen Bücherei.
Seit drei Jahren unterstützt Eliana Broosch den scheidenden Büchereileiter Johannes Buss bei den Arbeiten in der Katholischen Öffentlichen Bücherei. Foto: Martin Mensing

Bücher haben ihn sein ganzes Leben begleitet. „Ich war vorbelastet, was die Büchereiarbeit betraf“, sagt Johannes Buss . Dabei blickt er auf seine Schulzeit zurück, als er drei Jahre die Bücherei im St. Pius Colleg (Internat) in Coesfeld verwaltete. 1977 wurde er in den Pfarrgemeinderat der damaligen Kirchengemeinde St. Peter und Paul gewählt. Mit Maria Gausling kümmerte er sich um die Bücherei. Sie unterstützten die Geschwister Rohling, die die Bücherei leiteten.

Ein Jahr später übernahm er die Leitung der Bücherei. „Pfarrer Niehaves war an jedem Sonntag in der Bücherei“, erinnert sich Buss. Im Sommer krempelten sie die Bücherei im Alten Schwesternwohnheim auf der Burg komplett um. Etwa 1400 Bücher schieden aus und 300 neue Bücher wurden angeschafft. Diese wurden nach einer neuen Systematik geordnet, mit Rückenschildern versehen, Buchkarten in die Bücher gesteckt und es gab neue Leserkartentaschen.

„Nach den Sommerferien haben wir die Bücherei neu eröffnet“, erinnert er sich an den Neuanfang 1979. Infolge des Balkankrieges räumte die Kirchengemeinde in den 90er-Jahren das Gebäude, das fortan als Asylbewerberunterkunft genutzt wurde. Die Bücherei zog ein Haus weiter, ins Erdgeschoss des ehemaligen Pfarrheims. „Ich war froh, dass wir ins Pfarrheim umgezogen sind, denn das Schwesternwohnheim war relativ feucht und das bekam den Büchern nicht besonders, manche waren schon spackig geworden“, sagt Johannes Buss.

Einige Jahre später zog die Bücherei ins Obergeschoss, in die Räume der Altentagesstätte. Bei diesem Umzug gab es neue Regale. Tatkräftig unterstützt wurde er bei dem Umzug durch die KAB St. Peter und Paul Nienborg , die sich damals dafür stark machte, dass die Jugendlichen im Erdgeschoss einen Raum bekamen. Vor zwei Jahren folgte der Umzug ins Pfarrheim am Burgtor. „Ich finde es gut, dass die Bücherei nun ebenerdig und leicht zu erreichen ist“, ist Buss glücklich mit den hellen Räumen.

In den fast vier Jahrzehnten sind die Entleihzahlen stetig gesunken. Bei der Neueröffnung 1979 lag diese bei 4000. „Im vergangenen Jahr waren es weniger als 800“, sind für ihn die rückläufigen Zahlen weitestgehend unerklärlich. An seinem Engagement kann es nicht liegen. In mehreren Projekten hat er Kindergartenkinder sowie Erst- und Zweitklässler mit den Programmen Leseart, Antolin oder Bibfit für das Lesen begeistert.

„Das Buch wird mit Sicherheit nicht verschwinden“, ist sich Buss sicher. Gerne beobachtet er, wenn kleine Kinder Bilderbücher zur Hand nehmen. „Da schlummert noch ein großes Potenzial. Eltern müssten noch mehr erkennen, wie wichtig Bücher für die Entwicklung der Kinder sind.“

Von den Kleinsten erhielt er oftmals Rückmeldungen. Bei der Rückgabe berichteten sie vom Inhalt der Bilderbücher. „Dass ihnen bestimmte Bücher besonders gut gefallen haben, merkt man auch daran, dass sie diese dann gerne noch ein zweites oder drittes Mal ausleihen wollen. Eltern sagen dann häufig, das hatten wir doch schon. Doch für Kinder ist es wichtig, sich Vertrautes immer wieder anzusehen oder Geschichten immer wieder vorgelesen zu bekommen. Das finde ich toll“, bricht er für die jungen Leser eine Lanze.

Bei der Auswahl der neuen Bücher konnte er sich stets auf die Rezensionszeitschrift vom Borromäusverein verlassen.

Bücher begleiten Johannes Buss das ganze Leben. Als junger Mann hat er die Karl-May-Bücher verschlungen. „Heute lese ich zur Entspannung und Unterhaltung gerne Krimis. Mein Lieblingsschriftsteller ist Jacques Berndorf, der die Eifel-Krimis verfasst hat“, sagt der in Quantwick geborene und in Graes aufgewachsene Johannes Buss. Er blickt auf die komplette Krimiserie, die wie viele andere Bücher, die Schränke im häuslichen Arbeitszimmer füllen.

Bei seinem nächsten Buch wird er es etwas ruhiger angehen lassen. „Hennef, Stadt der 100 Dörfer“, das Buch hat er von seinem Sohn Michael zu Weihnachten erhalten, der seit einigen Jahren mit seiner Familie in der Stadt im Rhein-Sieg-Kreis lebt.

Bis zu seiner Pensionierung 2009 war Johannes Buss mehr als 35 Jahre Lehrer für Mathe, Physik und Chemie und Konrektor an der Kreuzschule Heek. Kurz vor dem Weihnachtsfest wurde er 70 Jahre alt.

Johannes Buss ist nicht nur in der Bücherei ehrenamtlich aktiv. Beim Heimatverein Nienborg ist er im Vorstand und als Archivar tätig. Er ist Lektor und Erwachsenen-Messdiener. Vorher war er viele Jahre im Vorstand seiner Nachbarschaft Waldeslust und etwa 20 Jahre Mitglied im Kirchenvorstand.

Für sein langjähriges Engagement in der Kirchengemeinde, der KAB und der Bücherei erhielt Johannes Buss im März 2005 die Kettler-Plakette der KAB.

„Ich hatte in all den Jahren immer ein oder zwei Helfer, die mich unterstützt haben. So musste ich nicht jeden Sonntagmorgen in die Bücherei“, dankt Buss den vielen Kräften. Seit drei Jahren unterstützt ihn Eliana Broosch. „Sie wird auch weiterhin in der Bücherei tätig sein“, freut sich der scheidende Büchereileiter. Für ihn ist es wichtig, dass die Nienborger leicht an Bücher kommen können, was vor allem für Kinder sehr wichtig ist.

Er wünscht sich, dass durch die neue Leiterin neue Impulse gesetzt werden können und die Ausleihzahlen wieder steigen.

Angelika Kock beginnt ihre Arbeit am Sonntag. Dann ist die Bücherei wie gewohnt von 9.30 bis 11.30 Uhr geöffnet.

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