Im Heeker Bauamt werden Lösungen für bauliche Probleme erarbeitet
Grün ist die Arbeit

Heek -

Grün, so weit das Auge reicht: Auf Herbert Gauslings Schreibtisch stapeln sich die Akten. Grüne Aktendeckel. Nein, die Farbe habe keine Bedeutung. Es gab grüne, also werden grüne genommen. Dieses Grün bedeutet Arbeit. Viel Arbeit. Denn die Akten im Büro des Bauamtsleiters in der Heeker Gemeindeverwaltung verbreiten sich wuchernd über den Besprechungstisch, über Regale, Fensterbänke.

Montag, 08.05.2017, 08:05 Uhr

Am Schreibtisch und vor Ort im Gelände (Bild unten) muss Bauamtsleiter Herbert Gausling mit seinen Leuten das umsetzen, was die Politik vorgibt – und das ist längst nicht immer die in der eigenen Kommune. Im Archiv lagern alle Bauakten – zum Teil bis weit in die Historie hinein.
Am Schreibtisch und vor Ort im Gelände (Bild unten) muss Bauamtsleiter Herbert Gausling mit seinen Leuten das umsetzen, was die Politik vorgibt – und das ist längst nicht immer die in der eigenen Kommune. Im Archiv lagern alle Bauakten – zum Teil bis weit in die Historie hinein. Foto: Christiane Nitsche

„Eine Windkraftanlage – das sind alleine schon zwei Aktenordner.“ Herbert Gausling ist dabei, die nächste Bauausschusssitzung vorzubereiten. Das bedeutet für den 48-Jährigen: Beschlussvorlagen formulieren und Unterlagen und Planzeichnungen für die Ausschussmitglieder zusammenstellen, damit die dann auf solider Grundlage entscheiden können, ob, wo und wie gebaut wird. Voraussichtliche Themen: Windkraftanlagen, Gewerbepark, Modernisierung und Ausbau der Turnhalle an der Kreuzschule zur Mehrzweckhalle, Bauanträge. Sicher wieder Bauanträge.

In der vergleichsweise kleinen Gemeinde mit ihren rund 8500 Einwohnern auf etwa 69 Quadratkilometer Fläche zeigen sich exemplarisch die Herausforderungen, vor denen Politik und Verwaltung im ganzen Land stehen: demografischer Wandel, Migration, Infrastrukturumbau, Verkehrs- und Energieengpässe.

Beispiel Gewerbepark: Mit der Erweiterung des Industriegebietes im Westen Heeks steht auch ein Ausbau der Verkehrsanbindung an. Die Gemeinde muss mit Land und Bund über Lösungen verhandeln, weil Autobahn und Bundesstraße tangiert sind. Ohne Expertise von außen geht sowas nicht. Also werden Beratungs- und Planungsbüros konsultiert – sofern die lokale Politik mitspielt.

Es wird viel gebaut derzeit, dank niedriger Zinsen. Das macht sich auch im Bauamt bemerkbar. Hinzu kommen städtebaulich strategische Projekte wie der Ausbau des Gewerbeparks, Schulausbau, Kindergartenerweiterung, Feuerwehrgerätehaus-Sanierung, Erschließung von Baugebieten. „Allein für das Baugebiet Hoffstätte in Nienborg ist das ein Auftrag in Millionenhöhe“, erklärt der Bauamtsleiter. Ja, die Ausschreibung ist raus, wie Thorsten Meyer mit kurzem Nicken bestätigt. Dann ist der für den Tiefbau zuständige Mitarbeiter schon eine Tür weiter – keine Zeit.

Auch Norbert Otte ist auf dem Sprung – Termin in der Flüchtlingsunterkunft Bült 2. Brandschutz und Versicherungsfragen müssen geklärt, alle technischen Anlagen verzeichnet werden – für die Feuerwehr „und für unsere eigenen Leute, wenn die Rufbereitschaft haben.“ Währenddessen sitzt Sabine Nöldemann am Projekt Mühlenplatz-Umgestaltung. „Wenn ich die Sachen vom Planungsbüro bekomme, geht die Ausschreibung raus“, erklärt sie auf Nachfrage. Außerdem auf ihrem Tisch: Schniewindsche Fabrik, die Niestatt und die Entwicklung des Marktplatzes.

Julia Bröcker, die sonst am PC Bauzeichnungen anfertigt, verschwindet mit einem Schulpraktikanten im Keller. Dort lagern Rohranschlüsse für Hydranten, die von der Gemeinde bei Bedarf ausgeliehen werden können. Die beiden werden ein Verzeichnis erstellen.

Gemeindeeigene Immobilien wollen gewartet werden, Radwege ausgebaut, Plätze gestaltet. Dazwischen melden sich Bürger wegen Problemen vor der Haustür. Mal stört sich jemand am Dreck, den die Bäume in der Straße verursachen, mal jemand, weil Bäume beschnitten oder gar gefällt wurden. Bäume sind ein „Lieblingsthema“, wie Gausling sagt, aber auch nur eines von vielen, um die sich die Leute vom Bauamt kümmern müssen, „ob das ein festgestellter Rattenbefall in der Kanalisation oder eine lose Dachpfanne ist.“ Er mache auch schon mal abends um 19 Uhr einen Termin mit einem Bürger aus, falls gewünscht. „Ich bin ja oft nicht erreichbar, weil ich so viel unterwegs bin.“

Dann wieder wird ein Gutachter gebraucht, weil der grundsanierte Fußballplatz von RW Nienborg unter Wasser steht – während sich nebenan die Junikäferlarven in den Rasen bohren. Bei einer Rundfahrt durch die Gemeinde zeigt sich die gesamte Palette: Gemeinsam mit dem Leiter des Bauhofs überzeugt sich Gausling davon, dass sich der Rasen augenscheinlich erholt. An der Querung des Radwegs über den Donaubach ein kurzer Zwischenstopp: die Behelfsbrücke für die Rampe soll demnächst endgültig ausgebaut werden. Gausling: „Die Fundamente haben wir schon gesetzt.“ Am Denkmal des „Wilden Bernd“ muss er gar nicht erst anhalten. „Das ist jetzt abgeschlossen“, kommentiert er die viel diskutierte Umgestaltungsmaßnahme.

Apropos Fundamente: Im Keller der Gemeindeverwaltung lagern sämtliche Bauakten in einem eigenen Archivraum. Zur leichteren Unterscheidung haben die Heeker Akten Deckel in Rot. Und die für Nienborg? Grün.

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