Doppelte Staatsbürgerschaft
Christian Manca: Deutscher wie Italiener

Heek -

Geboren und aufgewachsen ist Christian Manca in Deutschland. Als Staatsangehörigkeit hingegen hatte er bis vor Kurzem noch „Italienisch“ im Pass stehen. Das ist seit dem 18. April zumindest auf einem seiner Ausweise anders.

Samstag, 10.06.2017, 06:06 Uhr

Zwei Pässe hält Christian Manca in der Hand: den deutschen und den italienischen. Seine Frau Anne präsentiert die Einbürgerungsurkunde, die dem Heeker Anfang Mai überreicht wurde.
Zwei Pässe hält Christian Manca in der Hand: den deutschen und den italienischen. Seine Frau Anne präsentiert die Einbürgerungsurkunde, die dem Heeker Anfang Mai überreicht wurde. Foto: Mareike Katerkamp

An dem Tag stellte der Kreis Borken dem Heeker die Einbürgerungsurkunde aus, einige Tage später nahm Manca sie persönlich entgegen. Nunmehr kann der 28-Jährige zwei Pässe vorweisen: den italienischen und den deutschen.

Einen besonderen Auslöser für die Einbürgerung gab es eigentlich gar nicht, wie Manca sagt. Das habe schon länger auf seiner „To-Do-Liste“ gestanden. Geboren ist Manca in Greven, aufgewachsen ist er mit seinen italienischen Eltern in Legden, dort ging er auch zur Schule. 2009 zog er dann in Heek mit seiner Frau Anne zusammen, in wenigen Tagen erwarten beide ihre erste Tochter.

Vorher ging es stets zum Konsulat

Wirkliche Nachteile hatte er mit der italienischen Staatsbürgerschaft in Deutschland eigentlich nicht, wie Manca sagt.

Doch für jedes wichtige Dokument musste er zum Konsulat nach Dortmund oder Köln fahren, zudem konnte er in Deutschland nicht wählen. „Das war bei jedem benötigten Formular wieder enormer Aufwand“, erinnert sich seine Frau Anne. Einmal verpassten die beiden ihren Urlaubsflieger, weil dem 28-Jährigen ein Stempel auf seinem italienischen Pass fehlte. Als er sich den schließlich vom Konsulat in Köln geholt hatte, war das Flugzeug längst in der Luft. Nun hat er die zuständige Behörde direkt vor Ort.

Problematisch war die Einbürgerung für Manca nicht. Er ist in Deutschland geboren und aufgewachsen, ging hier zur Schule, spricht die deutsche Sprache und verdient mittlerweile seinen eigenen Lebensunterhalt – beste Voraussetzungen für den Antrag. Trotzdem brachte dieser einiges an Bürokratie mit sich. „Die waren sehr hartnäckig mit den Unterlagen“, erzählt Anne Manca. Zeugnisse, Bescheinigungen, Lohnabrechnungen – die Mancas mussten ordentlich sammeln.

Kein Einbürgerungstest

Rund ein halbes Jahr hat es von der ersten Mail bis zur Einbürgerungsurkunde gedauert. Einen Einbürgerungstest musste Manca aber nicht machen. Sein Schulabschluss genügte als Nachweis für „Kenntnisse über die Rechts- und Gesellschaftsordnung sowie über die Lebensverhältnisse in Deutschland“.

Manca hat sich für die sogenannte doppelte Staatsbürgerschaft entschieden. Vor dem 20. Dezember 2014 mussten sich Personen mit ähnlichen Voraussetzungen wie Manca noch entscheiden, welche Staatsbürgerschaft sie annehmen wollen. Diese sogenannte Optionspflicht gibt es nicht mehr. Damit kann Manca auch weiterhin in Italien wählen.

Verbindungen nach Italien, genauer gesagt nach Sizilien, hat er noch reichlich. Der Großteil seiner Familie lebt dort, etwa alle zwei bis drei Jahre besuchen Anne und Christian Manca sie. Eine italienische Atmosphäre versprühen auch Mancas Eltern. Diese wohnen noch immer in Legden, haben aber weiterhin die italienische Staatsbürgerschaft. Als Rentner machte sein Vater dort sogar noch seine eigene Pizzeria auf. Und ein paar italienische Gerichte kocht mittlerweile auch Anne Manca gerne – etwa Risotto oder Panada, ein gefülltes Brotgebäck.

Zweisprachig aufgewachsen

Vor allem im Job hat die italienische Abstammung für Manca „für die Zukunft einige Türen geöffnet“, wie es seine Frau Anne formuliert. Denn Manca ist zweisprachig aufgewachsen, Italienisch beherrscht er – ebenso wie Deutsch – perfekt. Nach einer Ausbildung als Metallbauer stieg er 2010 bei der Firma 2G in Heek ein, 2013 übernahm er die Geschäftsführung der Niederlassung in Italien.

Ein bis zwei Wochen ist er jeden Monat vor Ort, ihren Sitz hat die Niederlassung in Verona. Mancas Vorteil: Er kennt nicht nur die Sprache, sondern auch die Mentalität der Italiener. Das helfe bei der Zusammenarbeit, sagt er. Denn alle restlichen Mitarbeiter in Verona sind Italiener. Privat wie auch geschäftlich interessiert ihn deshalb auch weiterhin, was politisch in Italien passiert.

Frau belegt Italienischkurse

Doch zunächst einmal ist seine ganze Aufmerksamkeit dem baldigen Nachwuchs gewidmet. Das Ehepaar will seine Tochter zweisprachig aufziehen – auch wenn Anne Manca die italienische Sprache noch nicht perfekt beherrscht. Doch der Wille ist da, wie sie immer wieder betont. Sie hat schon einige Italienischkurse belegt, mit den Eltern ihres Ehemanns spricht sie auch des Öfteren Italienisch.

Auswandern wollen die beiden aber nicht. Ganz im Gegenteil: Erst 2016 haben sie gemeinsam ein Haus in Heek gebaut.

Einbürgerungen in Heek

Die Anzahl eingebürgerter Personen in der Gemeinde Heek ist relativ gering. In den vergangenen zehn Jahren pendelte sie nach Angaben des Landesamts für Statistik IT-NRW zwischen einer und sieben Einbürgerungen pro Jahr. Seit 2015 stiegen die Zahlen der Einbürgerungen aber wieder: Während es 2015 zwei Einbürgerungen waren, waren es 2016 in Heek sieben. Zum 8. Juni dieses Jahres zählte der Kreis Borken bereits fünf Einbürgerungen. Eine klare Tendenz aus einem Herkunftsland gebe es dabei aber nicht, wie der Kreis Borken auf Nachfrage mitteilt. Stattdessen sei es „eine bunte Mischung“, sowohl von der Herkunft als auch vom Alter her.

Die meisten Einbürgerungen im vergangenen Jahr gab es im Kreisgebiet in Bocholt (141), gefolgt von Gronau (48) und Borken (44). NRW-Weit waren es 2016 mit 18,7 Prozent mehrheitlich Türken, die sich einbürgern ließen, gefolgt von Personen mit polnischem Pass (sechs Prozent) und kosovarischem Pass (4,7 Prozent).

Für einen Erwachsenen kostet die Einbürgerung 255 Euro pro Person

...
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4915943?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F103%2F27962%2F
Karnevalsumzüge am Sonntag: Was fällt aus, wer trotzdem Wetter?
Sturmwarnung: Karnevalsumzüge am Sonntag: Was fällt aus, wer trotzdem Wetter?
Nachrichten-Ticker