Patronatsfest in Nienborg
Petrus und Paulus: Die Säulen der Kirche

Nienborg -

Verschiedener könnten sie kaum sein: Petrus, der einfach Fischer, Paulus der Weltmensch. Petrus, der wohl weder lesen noch schreiben konnte, Paulus, der Briefeschreiber. Petrus, der Verheiratete, Paulus, der Ehelose. Die Liste könnte noch um einige Vergleiche weitergeführt werden. Doch trotz ihrer Verschiedenheit sind die Apostelfürsten die Patrone der St.-Peter-und-Paul-Kirche in Nienborg.

Donnerstag, 29.06.2017, 06:06 Uhr

Die Patrone Petrus und Paulus finden sich an mehreren Stellen in der Kirche wieder: Zum einen neben dem Christusfenster, links das Petrusfenster, rechts das Paulusfenster. Zum anderen am Choraufgang mit den Barockfiguren, links Petrus mit dem Schlüssel, rechts Paulus, der sich aufs Schwert stützt.
Die Patrone Petrus und Paulus finden sich an mehreren Stellen in der Kirche wieder: Zum einen neben dem Christusfenster, links das Petrusfenster, rechts das Paulusfenster. Zum anderen am Choraufgang mit den Barockfiguren, links Petrus mit dem Schlüssel, rechts Paulus, der sich aufs Schwert stützt. Foto: Mareike Katerkamp

Am heutigen Donnerstag wird ihnen zu Ehren in der katholischen Kirche ein Gedenktag gefeiert.

Innerhalb des Kirchspiels Heek gründete 1198 Bischof Hermann II , Fürstbischof von Münster, die Landesburg „castrum novum“ – Neue Burg. Dabei wurde auch eine Burgkapelle errichtet. Diese wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts von der Mutterkirche in Heek getrennt. Patrone der neuen Pfarrei wurden die Apostel Petrus und Paulus sowie die Gottesmutter Maria. Um 1320 entstand am Standort der Kapelle eine neue Pfarrkirche, die den gleichen Heiligen geweiht wurde. Und auch der Nachfolgebau aus den Jahren 1906 und 1907 inmitten des Burghofes erhielt eben dieses Patronat.

Über die Patrone entschied in der Vergangenheit stets der Bischof. Durch die Wahl von Peter und Paulus sollte unter anderem der Bezug zum Bistum Münster hergestellt werden, wie Pastor Josef Leyer erzählt. So hat etwa auch der Paulusdom in Münster als Patron den Apostel Paulus.

Dass die Heiligen trotz ihrer Gegensätze beide zum Patronat gehören, ist mit dem Wort katholisch zu erklären, so Leyer: Es heißt allumfassend, die Kirche ist weder auf einen Ort noch auf eine Zeit festgelegt.

Und die beiden Apostelfürsten dienten der Kirche, Petrus repräsentiert dabei Tradition, Paulus den Aufbrauch. In der St.-Peter-und-Paul-Kirche sind die Glaubenszeugen an verschiedenen Stellen dargestellt.

Eigentlich gab es drei Darstellungen in der Kirche in Nienborg, die an die sie erinnern: Zwei Barockfiguren am Choraufgang, das Petrus- sowie das Paulus-Fenster in der Apsis und die Reliquienbüsten. Doch seit 1993 hat die Reliquienbüsten niemand mehr in Nienborg gesehen: Damals wurden die Büsten gestohlen, bis heute sind sie nicht wieder aufgetaucht.

Die Reliquienbüste des heiligen Petrus war um 1330 entstanden, sie zeigte einen Menschen, der in sich gekehrt, einfach und bodenständig ist. Die Büste des heiligen Paulus entstand in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, sie lässt Paulus mit klaren und weitgeöffneten Augen und einer hohen und glatten Stirn weitsichtig und vergeistigt erscheinen.

Paulus

Paulus Foto: Mareike Katerkamp

Schnell in den Blick fallen dagegen bis heute die Apostelfiguren am Choraufgang. Petrus trägt den Schlüssel, Paulus ein Schwert. Der Schlüssel ist ein Zeichen für Macht und Verantwortung: Petrus hat Zugang zu Räumen, die anderen verschlossen bleiben. Er hat die Schlüsselgewalt, weil er sich trotz der Verleugnung letztlich zu Jesus bekannt hat.

Das Schwert bei Paulus erinnert an seine Geschichte. Paulus wurde als römischer Bürger für seinen Glauben enthauptet, zudem war er getroffen vom Wort Gottes und wurde ein machtvoller Verkünder dieses Wortes. Er sagt: „Gottes Wort ist schärfer als jedes zweischneidige Schwert. Es dringt durch bis zur Scheidung von Mark und Bein.“

Die beiden holzgeschnitzten Figuren der Kirchenpatrone aus dem 18. Jahrhunderts lassen durch die entsprechenden Heiligenattribute etwas von diesen Erfahrungen erahnen. Die Figuren sind außergewöhnlich schlank. Sie sind tief zerfurcht. Petrus mit Stirnlocke und Kinnbart hält in seiner Linken ein aufgeschlagenes Buch. Mit der Rechten drückt er den Schlüssel an seine Brust. Paulus mit Stirnglatze und Vollbart hält mit seine Linken das Schwert wie einen Stab, auf den er sich abstützt. Mit der Rechten hält er ein geschlossenes Buch.

Und dann gibt es noch das Petrusfenster und das Paulusfenster in der Apsis. Darin werden verschiedene Szenen dargestellt. Das Hauptbild des Petrusfensters zeigt die Berufung des Petrus, mit Jesus und Petrus im Boot auf dem See von Genezareth.

Das dreibahnige Maßwerkfenster gliedert das Bild in drei Teile: Von links nach rechts ein Christus-Motiv, ein Petrus-Motiv und ein Jünger-Motiv. Der mittlere Teil ist durch den in der Glasmalerei ablesbaren Spitzbogen und die etwas größere bemalte Fläche betont. Petrus bildet die Bildmitte, sein Platz ist zwischen Christus und den Menschen. In dem oberen Hauptbild ist dann wieder der Schlüssel zu sehen, den Christus an Petrus übergibt. Ebenso ist ausgehend von der Mitte auf dem Fenster der Empfang der Sakramente dargestellt.

Petrus

Petrus Foto: Mareike Katerkamp

Das Paulusfenster erschließt sich von oben nach unten. Es bietet eine Ereignisabfolge, die von der Steinigung des Stephanus über die Bekehrung des Paulus bis zur Paulusrede auf dem Areopaghügel führt.

Und auch im Gotteslob tauchen die zwei Heiligen noch einmal explizit auf. Dort steht im Anhang unter dem Petrus- und Pauluslied: „Petrus und Paulus, Säulen der Kirche, auf ganz verschiedene Weise habt ihr der einen Kirche gedient. Helft uns, die Einheit zu wahren und in Treue zum Ursprung und mit Mut zur Zukunft unseren Weg zu gehen.“

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